Korbach

„Konfrontative Pädagogik"

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- Korbach (lb). Hart, unfair und unter der Gürtellinie: Das erste Antigewalttraining für Erwachsene in Nordhessen setzt auf Konfrontation.

Kuschelpädagogik geht anders: Die Männer müssen sich von ihren Trainern Rempeleien und blöde Anmachen gefallen lassen. „Hart, unfair und unter der Gürtellinie“, fasst der Sozialpädagoge Albert Mungen von „Aattacke“ aus Köln zusammen. Rollenspiele gehören zu dem Kurs, der Umgang mit Aggressionen, das Nachfühlen von Opfergefühlen, Übungen zu Teamfähigkeit und Selbstbewusstsein – denn Selbstbewusstsein schlägt nicht.

Die acht Teilnehmer des 
Anti-Gewalt-Trainings im Korbacher Amtsgericht sind keine Lämmchen: „Hier sitzen zusammen rund 30 Jahre Knast. Jeder von ihnen hat Glück, das sein Opfer nicht gestorben ist“, sagt Bewährungshelferin Sigrid Engelhard. Die meisten müssen mit dem Training eine Bewährungsauflage erfüllen, ein paar wollen sich für die Familie, die Freundin und das Kind oder für ihr eigenes Leben bessern. Alle haben einen Vertrag unterschrieben, mit dem sie sich mit der harten Vorgehensweise einverstanden erklären.

Ermöglicht hat das Training die Korbacher Initiative Straffälligen-Eingliederung (KISTE), deren Vorsitzende Engelhard ist. Täter sind oft Erwachsene „Bislang gab es solche Kurse nur für Jugendliche und auch nur in Kassel“, sagt Engelhard. Dabei zeigt die Kriminalstatistik für den Landkreis Waldeck-Frankenberg, dass vor allem 
Erwachsene die Täter bei Körperverletzungsdelikten sind. Das von KISTE organisierte Training ist bislang einmalig in Nord- und Mittelhessen. An drei Wochenenden lernen die Teilnehmer, mit ihren Aggressionen umzugehen.

Das erste Wochenende leben die Männer und ihre Trainer in einem Selbstversorgerhaus am Silbersee in Frielendorf bei Homberg/Efze drei Tage auf engstem Raum zusammen. Die beiden übrigen Wochenenden treffen sich die Teilnehmer im Korbacher Amtsgericht. Das Training basiert auf der so genannten „konfrontativen Pädagogik“: Statt Gesprächen stehen Gefühle und die Konfrontation mit der Tat vorrangig im Mittelpunkt. „Um die sonst so sorgsam verborgen gehaltenen oder gänzlich verdrängten Gefühle in ihnen zu wecken, provozieren wir die Teilnehmer teilweise auch durch Angriffe, die sie gezielt in ihrem Innersten treffen“, erklärt Mungen, denn allzu oft rückt die Biographie der Täter zu stark in den Vordergrund, die „schwere Kindheit“ wird zur regelrechten Entschuldigung für gewalttätiges Verhalten.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Freitag, 24. Juni.

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