Korbach

Konto der Vermieterin geplündert: Haft

- Korbach (resa). Eine ganze Liste von Anklagepunkten wartete am Dienstag auf einen 23-Jährigen beim Korbacher Amtsgericht: Fahren ohne Fahrerlaubnis wurde ihm ebenso vorgeworfen wie Einmietbetrug, Wohnungseinbruch und Diebstahl.

„Ich war es und es tut mir leid“, erklärte der junge Mann zu Beginn. Damit stand dann zumindest Folgendes fest: Ende vergangenen Jahres hatte sein Vater den 23-Jährigen vor die Tür gesetzt. Auf der Suche nach einer neuen Wohnung war er bei einer 77-jährigen Frau aus Korbach gestrandet, die ihm eine Wohnung in ihrem Mehrfamilienhaus vermietet hatte. Als die ältere Dame zur Kur fuhr, hatte sich der junge Mann Zutritt zu ihrer Wohnung verschafft, eine EC-Karte samt PIN entwendet und in den nächsten drei Wochen insgesamt 11 000 Euro von dem Ersparten der Dame abgehoben.

Viele Fragen blieben aber ungeklärt: Wie er in die Wohnung gekommen sei, fragte der Richter, denn es habe keine Einbruchspuren gegeben. „Der Schlüssel steckte“, sagte der Angeklagte. Das sei so üblich gewesen im Haus, denn die Vermieterin habe auch von ihren Mietern verlangt, den Schlüssel für den Notfall von außen stecken zu lassen. Die Vermieterin widersprach. „Der Schlüssel hat auf keinen Fall gesteckt“, erklärte die 77-Jährige. Warum er in die Wohnung eingebrochen sei, fragte der Richter weiter. „Ich habe mehrmals festgestellt, dass meine Vermieterin in meiner Abwesenheit in meiner Wohnung gewesen war“, erklärte der Angeklagte, „da wollte ich das Gleiche einfach auch mal tun.“ Um Diebstahl sei es aber nicht gegangen. „Dann lagen aber die EC-Karte und der PIN auf dem Tisch“, sagte der Angeklagte, „die habe ich mitgenommen.“ Die Vermieterin widersprach erneut: Die Karte habe gut versteckt im Kleiderschrank gelegen, der PIN in einem anderen Schrank. Wofür er die 11 000 Euro ausgegeben habe, fragte der Richter. „Ich habe meine Schulden bezahlt und Klamotten gekauft“, sagte der Angeklagte.

Die Staatsanwältin glaubte dem Angeklagten nicht. „Sie waren trotz des Geständnisses nicht ehrlich und reuig“, befand sie. Der Verteidiger war anderer Meinung: „Bei ihm ist noch nicht Hopfen und Malz verloren“, befand er und forderte deswegen eine Bewährungsstrafe. Richter Wolfgang Damm verurteilte den jungen Korbacher schließlich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten – ohne Bewährung. „Sie haben nur ein Rumpfgeständnis abgeliefert“, beschwerte er sich, „und es gibt auch keine besonderen Umstände, die noch eine Bewährungsstrafe rechtfertigen würden.“ So habe der Angeklagte zwar versprochen, das Geld zurückzuzahlen, bis heute aber nicht damit begonnen.

Die Anklage wegen Einmietbetrugs wurde fallen gelassen: Weil er verzweifelt gewesen sei, habe er bei Vertragsabschluss in der neuen Wohnung einen falschen Namen angegeben, erklärte der Angeklagte. Die Miete habe er aber bezahlt. In einem Fall wurde auch das Fahren ohne Führerschein nicht weiter verfolgt – damals sei er auf dem Weg ins Krankenhaus gewesen. Weil er ein anderes Mal aber vor der Polizei geflohen war, ging diese Tat mit in das Urteil ein.

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