Musikalische "Zeitreise" in die Ära der Ufa-Filme

Konzert der „Dresdner Salondamen“ in der alten Vöhler Synagoge

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Vöhl - Passend zum Thema des „Tags des offenen Denkmals“ brachten die „Dresdner Salondamen“ am Sonntag Farbe in die alte Vöhler Synagoge.

Mit ihrem Programm „In der himmelblauen Limousine“ präsentierten sie ein Doppelkonzert. Die heiter bis dramatische musikalische Zeit- und Weltreise mit Schlagern, Salonmusik und Chansons aus den Zwanziger, Dreißiger und Vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts passte ideal zum Anspruch „Hör mal im Denkmal“. Mit melancholischen Cello-Strichen eröffnete Beate Hoffmann die leidenschaftlich dramatische Ouverture „Die Julischka aus Budapest“ – ein feinsinnig instrumentierter Csardas, in dessen Verlauf sich Franziska Graefe, Carolina Petkova, Cécile Pfeiff und Natalja Postnova mit Geige, Klarinette und Piano gleich als Virtuosinnen vorstellen konnten, ehe die Musikerinnen die erste heitere Seite einer vielfarbigen Partitur der Gefühle aufschlugen, in der die Berge und Täler der weiblichen Seele thematisiert wurden. „Fünf Frauen auf der Bühne, wovon sollen sie singen und spielen als von ihren Gefühlen?“ Das fragte Carolina Petkova bei der Anmoderation des von ihr gesungenen Titelstücks über das vom himmelblauen Taxi verfolgte blonde Glück. Dieses Lied erklang in einem herrlich swingenden Arrangement mit einem Klarinettensolo von Cécile Pfeiff als instrumentalem Herzstück. Der gezupfte Bass bildete die federnde Basis für das Lied von „Adelheid“, die für ihren Verehrer keinen Abend mehr Zeit hat. Dabei hatte das Fingerschnippen der beiden links von Carolina Petkova postierten „Salondamen“ keineswegs nur rhythmische Funktion, es symbolisierte herrlich, dass die Adelheid wohl an jedem Finger zahlreiche Kandidaten habe. Mit ihren gepfiffenen Solo weckte Franziska Graefe nicht nur Assoziationen an Ilse Werner, sondern gab auch den Hinweis, dass Adelheid wohl auf die Gunst des Betreffenden pfeifte. Nach so viel Herzeleid war es allerhöchste Zeit für ein uneingeschränkt heiteres Intermezzo im Rumba-Rhythmus mit „Onkel Bumba aus Calumba“ und seiner tanzwütigen Verwandtschaft. Mit einem stürmischen Gewitter aus Chopin, Rachmaninoff und den üblichen Verdächtigen eröffnete Natalja Postnova das „Lied vom Regenwurm“, der kein Herz hat und deshalb auch keinen Schmerz fühlt. Eine ideale Vorlage für das komödiantische Talent von Caterina Petrova, die mit dem Abgesang auf den ungetreuen Stierkämpfer Eduardo von Kastilien den Spieß in Sachen Untreue umdrehte, indem sie einen Vetter der von den „Comedian Harmonists“ populär gemachten schönen Isabella als Steilvorlage für Cécile Pfeiff ins Mikro schmetterte. „Warum brauchen die Männer so viel Liebe?“ Das fragte die Klarinettistin mit samtiger Altstimme und viel Soul und ließ dabei das Original von Zarah Leander tatsächlich ziemlich alt klingen. Aber schließlich macht die gelegentlich ironisch gebrochene kreative Auseinandersetzung mit der Musik der Ufa-Klassiker den besonderen Reiz der Auftritte der „Dresdner Salondamen“ aus – die legendäre Filmfabrik UFA in Babelsberg hat einige unverwüstliche „Ohrwürmer“ hervorgebracht. Das sächsische Quintett hat sich mit seinen Gastspielen auf dem ZDF-„Traumschiff“, der „MS Deutschland“ viele neue Fans erschlossen, die sich für den Auftritt in der alten Synagoge erstmals auf den Weg nach Vöhl gemacht hatten. Am Sonntag gab es deshalb auch zum Ende der azurblauen zweiten Hälfte eine besondere Zugabe: Hildegard Knefs „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“ als Ständchen für ein Geburtstagskind im Publikum, das seinen 85. Geburtstag feierte. Der Schlager „Das gibt’s nur einmal“ aus dem 1931 angelaufenen Film „Der Kongreß tanzt“ erwies sich dabei als der ideale Ausklang für dieses besondere Konzert für begeisterte Zuhörer aus drei Generationen. (ahi)

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