Katholisches Bildungswerk eröffnet Vortragsreihe mit einem Besuch von Monsignore Prof. Konrad Schmid

Ein Konzil, das die Kirche veränderte

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Auf Einladung des Katholischen Bildungswerks kam Monsignore Prof. Dr. Konrad Schmidt nach Korbach.

Korbach - Mit viel Humor und einem großen Paket geschichtlichen Wissens im Gepäck eröffnete Monsignore Prof. Konrad Schmidt am Donnerstag die Vortragsreihe des Katholischen Bildungswerks. Die dreht sich um das Zweite Vatikanische Konzil.

Wenn Monsignore Prof. Konrad Schmidt von geschichtlichen Ereignissen erzählt, dann werden vor den Augen der Besucher die Bilder lebendig. Dann scheinen sie die vielen Kirchenvertreter aus aller Welt vor sich zu sehen, die am 11. Oktober 1962 im Vatikan ankamen und auf eigens gebauten Gerüsten Platz nahmen. Und Päpste, die selbst bei dem ein oder anderen Katholiken schon in Vergessenheit geraten waren, bekommen mit ihm ein Profil.

Und so war der humorvolle Referent aus Stockum vielleicht genau der Richtige, um die Vortragsreihe zum „Zweiten Vatikanischen Konzil“ zu eröffnen, zu der das Katholische Bildungswerk im Dekanat Waldeck in diesem Jahr einlädt. „Vorgeschichte - Werdegang - Wichtigste Aussagen“: Zur Einführung ins Thema spannte Prof. Schmidt einen weiten Bogen durch die Geschichte. Was für manch evangelisches Ohr erst arg nach Papstverehrung geklungen haben dürfte, entpuppte sich beim zweiten Hinhören als ein Blick hinter die Kulissen. „Jeder hat sein eigenes Gesicht und seine eigene Art, seinen Glauben zu leben“, stellte er fest, „das gilt für Päpste wie für jeden in die Nachfolge Christi berufenen Menschen“. Das habe auch für Papst Johannes XXIII. gegolten, der 1962 das Konzil einberufen habe.

Zukunftweisend

„Er hatte erlebt, was es bedeutete, richtig arm zu sein“, erklärte der Referent, „er hatte die Welt bereist und war nach dem großen Pius VII. eigentlich nur als ein Übergangspapst gewählt worden“. Aber eben jener Johannes XXIII. strebte dann die Veränderung der katholischen Kirche an - geprägt durch seine eigene Biografie. „Damals fragten sich die Katholiken: Auf was haben wir uns da eingelassen?“, erinnerte Prof. Schmidt.

Hatten auch viele erwartet, nach einem Jahr sei das Konzil bereits Geschichte, habe es eine Eigendynamik entwickelt. Erst drei Jahre später verabschiedeten sich die 3044 Kirchenvertreter wieder aus Rom - mit einem positiven Bescheid in der Tasche und zukunftweisenden Entscheidungen.

„Es war die Entwicklung eines armen Kirchenbildes in ein reiches“, befand der Referent. Das hierarchische Gefüge war ins Wackeln geraten, statt einer Priesterfixiertheit gelangte wieder Christus in den Mittelpunkt der Kirche. Die lebendige Beteiligung aller Gläubigen an der Kirche sei fortan erwünscht gewesen. „Nach 400 Jahre der Unantastbarkeit der katholischen Kirche wird der Wechsel gewagt“, erklärte Schmidt einen der großen Erfolge des Konzils. Damit einher sei die Lockerung der Einförmigkeit gegangen. „Plötzlich werden Messen in den Volkssprachen gebetet und damit zieht eine neue Lebendigkeit ein“, erinnerte der Referent. Auf das Bedürfnis der Menschen und eine gesellschaftliche Entwicklung habe das Konzil damals reagiert.

„Viele Fragen bleiben“

„Gibt es dieses Bedürfnis nicht auch heute?“ fragte ein Zuhörer dann während der Aussprache, zu der Prof. Konrad Schmidt eingeladen hatte. „Wir müssen auf ein drittes Konzil zulaufen“, wurde gefordert, „es gibt neue Fragen und dem innerkirchlichen Reformstau müssen wir etwas entgegensetzen“. Monsignore Konrad Schmidt antwortete mit einer Gegenfrage: „Muss es für die Kirche immer einheitlich sein?“ Könne es nicht auch Regelungen für Teilkirchen geben? Könne die Stärkung der Frau oder die Ökumene in den Kirchen nicht auch einfach gelebt werden? Er räumte schmunzelnd ein: „Es gibt eine Fülle an Fragen, die über das hinausgehen, welche Schuhe der Papst trägt.“

Und auch die Fragen der Zuhörer signalisierten das: Lateinische Sprache in der Messe? Oder wie sollten wir zu anderen Religionen stehen? Auch für die nächsten Vorträge sollte es genug Gesprächsstoff geben.

Hintergrund

Das Zweite Vatikanische Konzil veränderte zwischen 1962 und 1965 die katholische Kirche. 50 Jahre danach lädt das Katholische Bildungswerk im Dekanat Waldeck zu einer Vortragsreihe ein. Folgende weitere Termine sind vorgesehen:

Am Mittwoch 24. April, steht das Thema „Sind wir alle Priester?“ auf dem Programm. Dann geht es um die Berufungspastoral des Konzils. Beginn ist um 19 Uhr mit einer Messe in St. Liborius in Bad Wildungen mit anschließendem Stehimbiss. Um 20 Uhr hält Prof. Dr. Hans Hobelsberger aus Paderborn einen Vortrag.

Zum Thema „Liturgie und Konzil“ spricht am 23. Mai um 19.30 Uhr im Pfarrheim in Waldeck Propst Dr. Elmar Nübold aus Paderborn.

Am 19. September findet im Haus der Gemeinde St. Marien in Korbach ein Vortrag mit Prof. Dr. Willibald Bösen aus Heusweiler statt. Er spricht zum Thema „Schriftauslegung auf Grundlage des Konzils“.

Dekan Peter Laucht aus Bad Wildungen referiert am 29. Oktober um 19.30 Uhr zum Beitrag des Konzils zur Ökumene. Die Veranstaltung findet im Pfarrheim St. Johannes Baptist in Bad Arolsen statt.

Die Reihe endet mit einem Vortrag am 14. November um 19.30 Uhr von Msgr. Prof. Dr. Konrad Schmidt aus Stockum zum Thema „Das Verhältnis zu nichtchristlichen Religionen“. Eintritt frei.

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