WLZ-FZ-Interview mit Tenor Björn Casapietra · Konzert am 24. August in der Korbacher Kilianskirche

„Korbach war Liebe auf den ersten Blick“

Korbach - Vor zwei Jahren hat Björn Casapietra zum ersten Mal in Korbach gesungen, am 24. August gastiert er wieder in der Hansestadt. Der Tenor im Interview mit WLZ-FZ-Redakteur Lutz Benseler. WLZ-FZ verlosen Karten für das Konzert.

In Korbach waren Sie zuletzt beim Altstadt-Kulturfest 2011 auf der Freilichtbühne zu erleben. Können Sie sich noch an das Konzert erinnern? Der Auftritt ist sogar der Grund für mein Wiederkommen. Ich singe eigentlich lieber in einer Kirche oder in einer Konzerthalle und fühle mich bei Open Air immer etwas unsicher, aber das Korbacher Publikum hat mich getragen, es war eine Stimmung wie bei einem Rockkonzert. Das Publikum und ich passten zusammen wie die Faust aufs Auge, das war Liebe auf den ersten Blick. Nach dem Konzert hatte ich sofort zu meinem Veranstalter gesagt, ich möchte unbedingt in zwei Jahren wieder nach Korbach zurückkommen.

Diesmal singen Sie in der Kilianskirche. Was ist das Besondere an einem Konzert in einem sakralen Gebäude? Zum einen die Akustik, die meiner Musik und meiner klassischen Stimme sehr entgegenkommt. Zum anderen möchte ich Erholung vom Alltag bieten. Ich möchte, dass die Menschen für zweieinhalb Stunden ihre Probleme vergessen, dass sie lachen, weinen, eine Gänsehaut kriegen und nach dem Konzert vielleicht Hand in Hand nach Hause gehen. Da ist die Kirche einfach ein guter Ort dafür.

Bei Ihrem Auftritt auf der Freilichtbühne hatten Sie auch ein paar frivole Stücke im Repertoire. Wird es so etwas auch in der Kilianskirche zu hören geben? Die wird es in der Kirche auch geben. Ich sag das nur den Kantoren oder Pfarrern vorher nie (lacht). Aber ich singe mit meiner Pianistin Sibylle Briner einige Duette, etwa „Where the wild roses grow“ von Nick Cave und Kylie Minogue. Die Menschen sind dann immer ganz überrascht, dass zu einem Tenor mit einer klassischen Stimme plötzlich diese rauchige Jazz-Katy-Melua-Nora-Jones-Stimme dazukommt. Das sorgt für einen Aha-Effekt.

Es wird aber auf jeden Fall auch ein bisschen knistern? Es wird knistern, es wird sexy sein, es wird vor allem unerwartet sein. Es gibt für mich nichts Schlimmeres auf Erden, als das Gefühl zu haben, das Publikum zu langweilen, und deshalb biete ich auch so eine riesige Bandbreite von italienischen Romanzen über spanische Zarzuela, schottische Volkslieder bis hin zu deutschen Liedern. Ich weigere mich, als Tenor nur aus der Bibliothek zu singen, aber ich versuche auch nicht, auf Popsänger zu machen, ich singe alles mit meiner klassischen Stimme und nehme die Lieder ernst.

Was ist das Verbindende zwischen den Stücken? Die Sehnsucht. Das ist der rote Faden, der sich durch das Konzert zieht. Es gibt ja die verschiedensten Formen von Sehnsucht, nicht nur die nach der Liebsten. Ein Lied an diesem Abend heißt „Vaters Lied“, ich habe es für meinen Vater geschrieben, der sich vor über 20 Jahren das Leben genommen hat. Dann gibt es die Sehnsucht nach der Heimat. In der DDR gab es einen Riesen-Hit: „Als ich fortging, war die Straße steil, kehr wieder um“ von Dirk Michaelis, eine Wendehymne all derer, die ihre Heimat verlassen haben – zuerst über Ungarn, später über die deutsch-deutsche Grenze. Ich singe es auf Italienisch. Es gibt die Sehnsucht nach einem besseren Leben, es gibt die Sehnsucht nach Gott.

Wann empfinden Sie ein Konzert als gelungen? Wenn ich das Gefühl habe, technisch so gut gesungen zu haben, dass ich mit mir zufrieden bin. Aber auch, wenn ich das „Ave Maria“ von Schubert singe, die Augen öffne und dann in der dritten, vierten Reihe jemand sitzt, der weint vor Rührung. In diesem Moment weiß ich, ich habe alles richtig gemacht. Ich möchte authentisch sein, sodass das Publikum mir den verlassenen Liebhaber genauso glaubt wie den Betenden beim „Ave Maria“.

Was können die Zuschauer dazu beitragen? Sagen Sie bitte den Korbachern, sie möchten eingesungen zum Konzert kommen, ich brauche am Ende einen Chor. Und wenn sie nicht eingesungen kommen, sollten sie wenigstens eine Flasche Wein mitbringen, sodass wir eine Stimmung wie in der Arena von Verona haben.

Seine samtweiche Tenorstimme bezaubert Jung und Alt, Klassikfans sowie die Freunde romantischer Lieder. Am 24. August kommt Björn Casapietra zum zweiten Mal nach Korbach – zu einem Benefizkonzert in der Kilianskirche. In Korbach war er zuletzt beim Altstadt-Kulturfest 2011 auf der Freilichtbühne zu erleben. Karten für das Konzert gibt es bei allen bekannten Vorverkaufsstellen in Korbach für 29 Euro plus Vorverkaufsgebühr, an der Abendkasse für 35 Euro. Das Konzert beginnt um 19 Uhr, Einlass ist bereits ab 18 Uhr. Die Platzwahl ist frei. Mit etwas Glück gibt es die Tickets für das Konzert am 24. August auch kostenlos: Waldeckische Landeszeitung und Frankenberger Zeitung verlosen zweimal je zwei Freikarten für den romantischen Klassikabend in der Kilianskirche. Das Glückstelefon mit der Nummer 05631/560-139 ist am Mittwoch genau um 14 Uhr geschaltet. Die ersten beiden Anrufer gewinnen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Namen der Gewinner werden auf der Gästeliste an der Abendkasse hinterlegt.

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