150 Meter tief im Berg

In Korbach liegt das größte Goldvorkommen Deutschlands

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Wolfgang Behle und Claus Günther vom Verein "Historischer Goldbergbau": In Korbach liegt das größte Goldvorkommen Deutschlands.

Winzige Goldkrümel liegen in einem Berg in Nordhessen, insgesamt handelt es sich um mehr als eine Tonne des Edelmetalls.

Aber es lohnt sich nicht, das bundesweit größte Vorkommen abzubauen. Die Stadt Korbach nutzt den Schatz anders. Es ist nur eine zarte Spur, die ohne Hinweis wohl fast jeder Unkundige leicht übersehen würde. "Hier ist ein etwa ein Zentimeter dickes Goldlager", sagt Bergwerkführer Walter Hellwig (71) und zeigt auf die extra mit Neonfarbe gekennzeichnete Stelle. Das Gold liegt gut gesichert im Dunkel des 562 Meter hohen Eisenbergs in Korbach. In ganz wenigen und dünnen Gesteinsschichten sind winzige Krümel fest eingewachsen. Die Spur sei im mittelalterlichen Bergbau verfolgt worden, erzählt der ehemalige Pfarrer Hellwig. Etwa zwei Zentimeter schafften die Arbeiter damals in einer Schicht.

Goldstadt Korbach: Eine Goldmünze aus Schokolade. Die Stadt war im Mittelalter eine Goldgräberstadt, noch heute lagert extrem viel Gold im Berg.

Das Goldlager verläuft 150 Meter tief im Berg, 40 Meter unter der Oberfläche. Es ist kaum zu erkennen - dennoch beherbergt der Eisenberg nach Angaben der Stadt Korbach das größte Goldvorkommen in Deutschland. Marc Müllenhoff vom Stadtmarketing sagt: "Etwa 1,2 bis 1,7 Tonnen Gold vermutet man im Berg, aber der Abbau lohnt sich nicht." Auch deshalb, weil am Berg mittlerweile ein Dorf entstanden ist - Goldhausen. Zudem steht der Berg mittlerweile unter Schutz, das Gold darf nicht herausgeholt werden. Überall in der 23 000-Einwohner-Stadt finden sich Hinweise auf das goldene Erbe. Ein Pfad aus mehr als 400 in den Boden eingelassenen "Goldtalern" führt quer durch Korbach. "Keiner vermutet, welche Schätze wir in Nordhessen haben. Gold ist ein extrem gutes Thema. Es ist das, was die Menschen haben wollen", sagt Bürgermeister Klaus Friedrich, der seit dem Jahr 2000 im Amt ist. Anfang der 1990er Jahre sei Gold noch kein Thema gewesen. Seit rund zehn Jahren aber wirbt die Stadt mit dem Slogan "Korbach - goldrichtig".

Aus dem Gold des Eisenbergs seien keine Münzen geprägt worden, sagt Wilhelm Völcker-Janssen, Leiter des Stadtmuseums. "Es ist wahrscheinlich verkauft oder zu Schmuck verarbeitet worden." In den 1920er Jahren wurde ein erneuter Versuch gestartet, das Gold abzubauen. Er scheiterte aber.

Doch nicht nur im Eisenberg gibt es Gold. Völcker-Janssen sagt: "Die Eder ist bis heute goldführend. Es soll Leute geben, die wissen, wo man was findet." Reich allerdings werde man damit nicht. "Wenn man Gold in der Eder findet, hat das Sammlerwert."

Auch Uli Zabel setzt auf Gold. Er betreibt das Hotel und Restaurant "Goldflair" am Rathaus. Standesgemäß begrüßt er seine Gäste mit Goldkrawatte. Warum der Fokus auf Gold? "Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal gesucht", erzählt er. Gerichte wie Blattgold auf Poulardenbrust seien aber nicht angenommen worden. Also habe er die Zimmer umgestaltet - alle haben nun ein Gold-Thema als Motto.

Es gibt Märchen-Zimmer von Goldmarie bis Sterntaler, Zimmer für Afrika-Gold, Piratengold - und ein Zimmer zum Thema Autoreifen. Denn die werden im Expertenjargon "Schwarzes Gold" genannt. Und der Autozulieferer Continental ist einer der größten Arbeitgeber in Korbach. "Das kommt sehr gut an. Wir haben ja auch einen authentischen Hintergrund, das war mir wichtig."

Zum Hessentag 2018 will Korbach sich, seine Goldspur und die goldene Vergangenheit herausputzen. Mit den Zuschüssen des Landes wird der Bahnhof für rund sieben Millionen Euro hergerichtet, zudem zum Teil die Fußgängerzone saniert. Zuviel Gold wird man allerdings nicht sehen, wie Bürgermeister Friedrich betont. "Man kann nicht alles golden anpinseln. Wir wollen kein Disneyworld schaffen." (dpa)

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