Zu teuer: 10 000 Euro pro Jahr für das Ehrenamt · Rund 11 000 Stunden Dienst seit Mitte 2005 geleist

Korbach spart sich freiwillige Polizisten

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Freiwillige Polizeihelfer der ersten Stunde: 2006 zogen der damalige Polizeihauptkommissar Uwe Kümmel, Bürgermeister Klaus Friedrich und Ordnungsamtsleiter Carsten Vahland mit Katharina Schlichtherle, Konstantin Konstantinou, Martin Jäger und Sabine Mehring (v. l.) eine positive Bilanz nach einem Jahr freiwilligem Polizeidienst.

Korbach - Korbach hat zum Ende des Jahres seine freiwilligen Polizeihelfer abgeschafft. Der ehrenamtliche Polizeidienst ist der Stadt zu teuer geworden.

Präsenz zeigen, beobachten und melden und zwischen Polizei und Bürger vermitteln, waren ihre Aufgaben. Die freiwilligen Polizeihelfer sollten vor allem das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger stärken. Seit Ende des Jahres sind die ehrenamtlichen Streifen in der Hansestadt Geschichte - Korbach kann sich die Polizeihelfer schlicht nicht mehr leisten.

Rund 10 000 Euro kosteten die freiwilligen Polizeihelfer die Stadt im Jahr - die zwar ehrenamtlich arbeiteten, aber nicht kostenlos: Sieben Euro Aufwandsentschädigung die Stunde erhielten die „Bürger in Uniform“, jeder Freiwillige durfte höchstens 20 Einsatzstunden pro Monat leisten. Ausgerüstet mit leuchtend-blauen Jacken, Trillerpfeifen, Taschenlampen und Handy, „bewaffnet“ mit Pfefferspray und nicht zuletzt mit Dienstausweisen, schlenderten die Freizeit-Polizisten acht Jahre lang durch Korbach.

Seit 2005 leisteten sie insgesamt 11 000 Stunden ehrenamtlichen Dienst. „Sie waren immer eine wertvolle Unterstützung im Rahmen der Präventionsarbeit“, bedauert Ordnungsamtsleiter Carsten Vahland das Aus für die Polizeihelfer. Da aber alle freiwilligen Leistungen der Stadt auf den Prüfstand gekommen seien, hätte auch der freiwillige Polizeidienst nicht ausgespart werden können.

Mit zehn Helfern war der Polizeidienst Mitte 2005 an den Start gegangen. „Von den ersten Ehrenamtlichen waren vier bis zum Schluss dabei“, sagt Vahland. In der Regel bestand das Team aus neun bis zehn Helfern. Vor allem waren sie Ansprechpartner für ältere Bürger und Gäste. Neben den üblichen Streifengängen gehörten Einsätze bei Großveranstaltungen wie dem Altstadt-Kulturfest oder dem Mittelalterlichen Markt zu den Aufgaben. Außerdem unterstützten die Ehrenamtlichen die Polizei bei Sonderaktionen, etwa Radfahrkontrollen oder Jugendschutzkontrollen am 1. Mai. „Die Zusammenarbeit war über die gesamte Laufzeit völlig reibungslos und konstruktiv“, bilanziert Vahland. „Schade, dass wir auf dieses Personal nicht mehr zurückgreifen können.“

Die Lücke müsse nun so gut wie möglich durch das vorhandene hauptamtliche Personal geschlossen werden. Das sei natürlich nur beschränkt möglich. Der Leiter des Ordnungsamts appelliert deshalb an die Korbacher, auf ihre Mitbürger zu achten, Rücksicht zu nehmen und wachsam zu sein.

Korbach steht mit seiner Entscheidung übrigens nicht allein da: Nach Informationen des Hessischen Rundfunks wollen 18 weitere Städte und Gemeinden die ehrenamtlichen Polizeihelfer aus Kostengründen abschaffen. Insgesamt haben sich knapp 100 Kommunen seit 2003 an dem Projekt beteiligt.

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