Das Frachtschiff „MS Korbach“ seit 1955 auf großer Fahrt · Vor Anker in Chicago

Korbach auf den Weltmeeren

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Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen präsentiert ein Modell der „MS Korbach“.

Korbach - Hansestadt? Korbachs Tor zu den Weltmeeren? Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurfte - hier ist er: Das Frachtschiff „MS Korbach“ im Hafen vor der gewaltigen Skyline von Chicago.

Die Hanse stinkt für Kulturredakteure des Hessischen Rundfunks wohl vor allem nach Fisch. Nachdem die alte Hansestadt Korbach seit 18. Mai auch formell den Titel tragen darf, eröffnete der hr seinen Fernsehbeitrag in „Hauptsache Kultur“ gequält ironisch: „Leinen los! Der Wind macht dicke Backen. Das Schiff hält Kurs, stramm auf West-Nord-West. Kann die Seefahrt schöner sein - als in einem Land, in dem es weder Küsten noch Klippen gibt, dafür aber die tröstliche Gewissheit: Das rettende Ufer ist nah. (…) Folgen Sie uns nach Korbach. Gewiss, einen Hafen sucht man vergeblich (…).

Nun, mittelalterliche Geschichte scheint nicht die Stärke dieses Moderators. Ortskenntnis vermutlich auch nicht. Denn die Hanse war schließlich keine Schifffahrtsgesellschaft, sondern zunächst vor allem ein Verbund der Kaufleute - von Köln bis Nowgorod. Ganz im Sinne dieser Handelstradition gehen von Korbach aus bis heute Waren in alle Welt. Reifen und Schläuche von Conti sind ein treffliches Beispiel.

15 Jahre lang spielte Korbach dennoch eine Rolle auch auf den Weltmeeren: 1955 ließ nämlich die Meyer-Werft aus Papenburg ein ansehnliches Frachtschiff vom Stapel - getauft auf den Namen „MS Korbach“.

Rathaus-Bild in der Kajüte

Durch Vermittlung der Mauser-Werke war der Name zustande gekommen. Und bei der Probefahrt nach Borkum tauchten auch Korbacher auf Deck auf: Der damalige Bürgermeister Dr. Paul Zimmermann, drei Mauser-Direktoren, aber auch der Verleger Dr. Hermann Bing, der damals über die Reise berichtete. Ein Aquarell-Gemälde von Friedrich Leopold Janisch zierte die Kapitänskajüte - ein Blick von der Waldeckischen Landeszeitung aus in der Lengefelder Straße auf das historische Korbacher Rathaus.

Unter Regie des Hamburger Reeders Hans Krüger ging der 78 Meter lange moderne Frachter fortan auf Weltreisen - ob Spanien, Frankreich, Ostsee oder Amerika. Ein Foto zeigt die „MS Korbach“ sogar vor der mächtigen Skyline von Chicago am großen Michigan-See.

Korbacher Patenschaft

Zur Patenschaft der Korbacher für das Frachtschiff und seine Besatzung gehörten auch Bücherspenden als Lektüre für die langen Reisen. Nach 1970 verlor sich für die Korbacher indes die Spur des Frachtkahns.

In Verbindung mit dem Korbacher Museum brachten Recherchen der WLZ-Redaktion 2002 aber des Rätsels Lösung: Der Enkel des Reeders Hans Krüger hatte noch alles in den Akten.

So fuhr die „MS Korbach“ als „Patricia“ ab 1970 bei der Meditteranean Shipping Co. zunächst unter liberianischer Flagge. Ab 1973 lag der Heimathafen dann auf Zypern, wo der Frachter zunächst als „Georgios“, dann als „Capal“ schipperte. 1986 wurde die frühere „MS Korbach“ schließlich im pakistanischen Gadani Beach abgewrackt.

Die aus Korbach gestiftete Bordbibliothek hatten zwei andere Schiffe der Reederei Krüger übernommen. Und das Gemälde des Korbacher Rathauses prangte später in der Offiziersmesse des Containerschiffs „Britta Krüger“.

Modell im Museum

Derweil sind das Schwarz-Weiß-Foto der „MS Korbach“ in Chicago und ein Modell des Frachtschiffs derzeit in einer Vitrine des Korbacher Wolfgang-Bonhage-Museums hautnah zu bewundern.

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