Bürgerversammlung: Stadt informiert über Pläne für Kalkturm, Korbacher Spalte und Stadtmauerring

Korbach will Touristen mehr bieten

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Hier ist der doppelte Stadtmauerring besonders gut zu erkennen: Das Enser Tor mit Blick auf Kilianskirche und die innere Stadtmauer.

Korbach - Den Touristen mehr bieten, damit sie mehr Geld in Korbach lassen: So lässt sich auf den Punkt bringen, was die Stadt in diesem Jahr an Kalkturm, Korbacher Spalte und der Stadtmauer vorhat.

In Hessens einziger Hansestadt mit der reichsten Goldlagerstätte Deutschlands und einer der bedeutendsten Fossilienfundstätten der Welt schlummert noch mehr touristisches Potenzial. Und die Stadt will es in diesem Jahr bergen: In einer Bürgerversammlung am Donnerstagabend stellten Bürgermeister Klaus Friedrich, Tourismusförderer Dr. Marc Müllenhoff, Bauamtsleiter Stefan Bublak und Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen die Projekte vor mehr als 100 Besuchern vor.

Tourismus schöpft Werte

Wertschöpfung war das Stichwort des Abends: Touristen sind eine gern gesehene Spezies in Korbach, denn sie spülen Geld in die Kassen - nicht nur in die der Gastronomie und Beherbergungsbetriebe, sondern vor allem in die des Einzelhandels. Das wiederum schafft Arbeitsplätze und generiert Steuereinnahmen. Da wundert es kaum, dass die Stadt noch mehr Besucher anlocken möchte.

Um die berühmte Fossilienfundstätte für Touristen und Fachpublikum besser zu vermarkten, sollen Kalkturm und Korbacher Spalte zum „Geo- foyer“ ausgebaut werden. Die Stadt plant außerdem, den doppelten Mauerring um Korbachs historischen Kern zum Erlebnispfad zu machen.

Korbach könne sich so als starker touristischer Mittelpunkt im Waldecker Land positionieren, warb Tourismusförderer Dr. Marc Müllenhoff. Insbesondere die Korbacher Spalte habe Welterbe-Bedeutung mit hohem touristischen Potenzial. Als Visitenkarte der Stadt soll das Areal darüber hinaus künftig den südlichen Eingang aufwerten - und zahlreiche Verknüpfungspunkte zu anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt bieten. Insgesamt sind 750 000 Euro vorgesehen, um den Turm zu sanieren und das gesamte Umfeld bis zur Spalte neu zu gestalten.

Gefördert wird die Investition mit mehr als 400 000 Euro. Die Stadt kalkuliert außerdem mit jährlichen Folgekosten von rund 5000 Euro. Der Personaleinsatz ist gering: Der Kalkturm ist als selbstführende Ausstellung ohne Beaufsichtigung konzipiert. Der Zugang wird per Videoüberwachung über die Museumskasse kontrolliert.

Die Ausstellung im Kalkturm solle das Angebot des Museums inhaltlich ergänzen, sagte Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen. Einen großen Auftritt wird insbesondere der Korbacher Urzeit-Dackel Procynosuchus bekommen. Erste Bauleistungen für das Projekt sind laut Bauamtsleiter Stefan Bublak ausgeschrieben, erste Exponate für die Ausstellung gekauft. Die Planung für die Innenausstattung des Kalkturms läuft, und für die Außenanlagen im Steinbruch hat die Stadt jüngst den Planungsauftrag vergeben. Ende 2014 solle das Projekt fertiggestellt sein, so Bauamtsleiter Bublak.

Pfad mit elf Stationen

Ein Dasein als sprichwörtliches Mauerblümchen führt bislang der doppelte Stadtmauerring (siehe Hintergrund). Dabei sei er einer der größten Besonderheiten der Altstadt, so Müllenhoff. „Zwischen den Mauern“ ist der Titel des Konzepts, das die Stadtmauer ins Rampenlicht rücken will: Ein „stadtgeschichtlicher Kultur- und Erlebnispfad“ verbindet elf Stationen zu unterschiedlichen Themen der Stadtgeschichte entlang der Stadtmauer und soll zugleich die Verknüpfung von Altstadt und Fußgängerzone noch weiter vertiefen.

Ausgangspunkt soll das Areal zwischen Wolfgang-Bonhage-Museum und Kilianskirche sein, wo Korbachs Siedlungsgeschichte vor über 1000 Jahren mit einem Reichshof der Frankenkönige begann. Geplant ist, die bestehende Goldspur mit dem neuen Erlebnispfad zu verknüpfen, um die Besucher besser durch die Stadt zu lotsen.

Stadtmauer

Der doppelte Stadtmauerring rund um das historische Korbach ist fast vollständig erhalten und bis heute eine der größten Besonderheiten der Stadt. Alt- und Neustadt von Korbach waren beide von einer Stadtmauer umgeben. Nach ihrer Vereinigung (1377) erhielt Korbach einen zweiten, den äußeren Stadtmauerring. Die ältere Innenmauer wurde von einem Wehrgang aus verteidigt, die neue Außenmauer durch heute noch vorhandene Schießscharten. Zwischen den Mauern, im eingehegten Bereich des „Hagens“, befanden sich Wälle und Gräben, die eingeebnet wurden. Die Fläche zieht heute einen Grüngürtel um die Altstadt.

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