Früher gern gesehene und gejagte Bewohner der Feldgemarkung

Die Korbacher „Feldhühnerchen“

+
Zweimal drei Korbacher Feldhühner: links auf dem Kump in der Lengefelder Straße, rechts im Schnee in der Marbecke.

Korbach - Einem Streit um Rebhühner haben die Korbacher ihren Spottnamen „Feldhühnerchen“ zu verdanken.Leider machen sie sich heutzutage rar in der Feldgemarkung.

Zu allen Jahreszeiten besuche ich gern die Marbeck, eine abwechslungsreiche Landschaft zwischen Korbach und Nieder-Ense/Ober-Ense.

In diesem Winter entdeckte ich am Rande einer schützenden Hecke drei Rebhühner im Schnee. Der Hahn stieß seinen markanten Revierruf aus - er bekam keine Antwort von einem Rivalen.

Die Strafe des Grafen

Ich freute mich über meine nicht alltägliche Beobachtung und dachte dabei an die mittelalterlichen Beziehungen von Korbach zu den Rebhühnern (Feldhühner). Seine Einwohner tragen den Spitznamen „Korbacher Feldhühnerchen“ seit 400 Jahren. Damals lebten ihre Vorfahren mit dem Waldecker Grafen in Streit und der nahm ihnen daraufhin das Recht auf Rebhühnerjagd in ihrer Feldgemarkung und damit den Kleinbauern die Chance auf eine Fleischdelikatesse (an diesen Streit erinnert der „Feldhühnerchen-Kump“ in der Lengefelder Straße).

In den für Rebhühner optimalen Feldgemarkungen Europas lebte bis zum Zweiten Weltkrieg noch ein Paar je Hektar, heute ist es oft nur noch ein Paar auf 100 Hektar oder sie sind ganz von der Bildfläche verschwunden.

Europaweit sind seit 50 Jahren Umwandlungen der Agrarlandschaft in flurbereinigte Großflächen durchgeführt worden. Es fehlen Kleinfelderwirtschaft, Schutzhecken und Ackerrandstreifen mit Kräutern. Prägend sind heute Ackerflächen mit Getreide, Raps und Mais und Agrarchemie. In dieser Landschaft finden die Feldhühner keine ausreichenden Lebensgrundlagen. Schon vor vielen Jahren haben rebhuhnbegeisterte englische Großgrundbesitzer umfangreiche Flächen für einen Versuch mit der alten Drei-Felder-Wirtschaft bereitgestellt: eine Brachfläche, zwei Flächen mit Weizen, Hackfrüchten und Wiese. Und siehe da: Rebhühnerbesätze wie in alten Zeiten!

Wenn nur noch ein kleiner Grundbestand an Rebhühnern vorhanden ist, dann können Raubwild, Rabenvögel und Greife auch den Restbestand drücken. Aber die tierischen Feinde gab es früher auch und die haben die große Zahl der Hühner nicht infrage gestellt.

Jagdpächter und Freunde der Feldhühner haben in den letzten Jahren Auswilderungsversuche mit Rebhühnern um Korbach herum unternommen. Zunächst gab es da auch ganz lobenswerte Erfolge, aber zum Schluss war die Landschaft dann doch wieder ziemlich rebhuhnfrei.

Schlechte Aussichten

Drei Rebhühner auf dem „Feldhühnerchen-Kump“ in der Lengefelder Straße, drei Rebhühner vor mir im Schnee. Ihr Schicksal ist fraglich, weil Erfahrungen gelehrt haben, dass ein Volk aus mindestens zehn Hühnern bestehen muss, um einen Schneewinter überstehen zu können.

Leider werden die Korbacher Feldhühner auch zukünftig nur selten zu entdecken sein.

Von Dieter Bark

Kommentare