Ortsverband der Amateurfunker feiert 40-jähriges Bestehen

Korbacher funken in alle Welt

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Die Korbacher schicken seit 40 Jahren ihre Botschaften über den Äther. Rechts: Volker Debus und Gerhard Kleine beim Funkbetrieb. Fotos: pr

Korbach - Ein völkerverbindendes Hobby: Seit 40 Jahren knüpfen die Amateurfunker vom DARC Ortsverband Korbach über den Äther Kontakte in alle Welt.

Jeder registrierte Amateurfunker weltweit hat ein Rufzeichen. Das von Wolfgang Wantia aus Hillershausen lautet „DL4FBW“. Seit vielen Jahren ist der frühere Vorsitzende des Ortsverbandes Korbach im Deutschen Amateur Radio Club (DARC) unter diesem Kürzel im Äther unterwegs. Vor 40 Jahren hatte er den Verein mit aus der Taufe gehoben (siehe Hintergrund).

„Damals gab es, anders als heute, kaum Funkgeräte zu kaufen. Wer funken wollte, musste sich seine Gerätschaften selbst bauen, sie teuer importieren oder Altgeräte aus Armeebeständen für seine Zwecke umbauen“, erinnert sich Wantia. Das habe zu einem regen Austausch von Wissen und häufig auch Technik unter den Amateuren geführt. Der amtierende Vorsitzende Jens Reichhart (DG3FFM) ergänzt: „Bis dato hat sich daran nicht viel geändert. Zwar können viele Geräte quasi von der Stange gekauft werden, gebaut und geforscht wird im Ortsverband aber weiterhin.“

Für Außenstehende bleibt es oftmals ein Buch mit sieben Siegeln, was Amateurfunker in ihrer Freizeit so im stillen Kämmerlein treiben. Berge von Technik, eine Menge unverständlicher Ausdrücke und geheimnisvolle Kürzel schrecken Nicht-Funker erst einmal ab, sich mit diesem Hobby zu beschäftigen.

Das zeigt sich vor allem für Technikbegeisterte äußerst vielfältig: Neben konventionellem Amateurfunk haben in den vergangenen Jahren immer mehr digitale Techniken in den Hobbybereich Einzug gehalten. Reichhart erklärt: „Insbesondere digitale Funktechniken, wie die sogenannten Software-Defined-Radio-Technik (SDR), bei der fast die komplette Sende- und Empfangstechnik über die Software in einem Computer entsteht, werden immer beliebter.“ Gleichzeitig nutzen die Funker aber auch heute noch scheinbar überkommene Betriebsarten wie die Morsetelegrafie aus Urgroßvaters Zeiten.

490 Stationen aus 16 Ländern in bis zu 750 Kilometern Entfernung erreicht

Die ganz besondere Faszination aber liegt in der Möglichkeit, mit mehr als zwei Millionen Funkamateuren in der ganzen Welt Kontakte zu knüpfen, Menschen, Ländern und fremde Kulturen kennenzulernen. Daraus machen die Funker sogar ganze Wettbewerbe: Bei den sogenannten Kontesten geht es darum, eine möglichst hohe Anzahl Verbindungen mit Amateurfunkern in einer begrenzten Zeit herzustellen.

Insgesamt 490 Stationen aus 16 Ländern in Entfernungen bis zu 750 Kilometern hat die Korbacher Crew zuletzt unter der Leitung von Volker Debus (DL4ZBG) innerhalb von 24 Stunden im März-UKW-Kontest erreicht. Unter dem Rufzeichen „DK0B“ funkten die Hansestädter vom Knüllköpfchen bei Schwarzenborn (Schwalm-Eder-Kreis) aus.

Die Korbacher hatten ihre Antennen zum ersten Mal auf dem 637 Meter hohen Berg aufgebaut. Debus erklärt: „Zu den Kontesten waren wir sonst immer in Freienhagen oder in Obernburg. Diesmal wollten wir einen besseren Standort.“ Leider seien ortsnahe exponierte Lagen, wie etwa der Kahle Pön, den die Korbacher in den 1970er und 1980er Jahren häufig genutzt haben, für die Amateurfunker mit ihren Apparaten nicht mehr zugänglich. Eine Suche nach geeigneten Standorten habe sich schwierig gestaltet. Schließlich habe die Gemeinde Schwarzenborn den Korbachern die Genehmigung gegeben, auf dem Gelände am Knüllköpfchen ihre Antennen aufzubauen.

Für die Funker hat sich der Ortswechsel gelohnt: Mit einem Ergebnis von rund 128000 Punkten habe sich der Ortsverband um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert, rechnet Gerhard Kleine (DG2ZJ) vor. Deutschlandweit schaffen es die Korbacher damit voraussichtlich auf Platz Zehn in ihrer Wertungsgruppe.

„Die Steigerung gegenüber den Vorjahren ist dem in einer Höhe von 637 Metern und somit gegenüber Freienhagen und Obernburg rund 200 Metern höher gelegenen Standort geschuldet“, erläutert Kleine. „Hilfreich war auch, dass der Ortsverbandsvorsitzende von Bad Arolsen, Martin Riese (DG2FEJ), mit von der Partie war und uns tatkräftig unterstützt hat.“

Hintergrund

Im Februar 1975 spalteten sich einige Amateurfunker aus Korbach und Umgebung von dem damals bereits bestehenden Ortsverband Bad Arolsen (F01) ab und gründeten einen eigenen Ortsverband. Vom Deutschen Amateur Radio Club (DARC) als Dachverband der Funkamateure in Deutschland wurde den Korbachern die Kennung F47 zugewiesen. Das F steht dabei für den Distrikt Hessen. Die Amateurfunker und Freunde des Ortsverbandes Korbach treffen sich an jedem ersten Dienstag im Monat um 19 Uhr im Vereinslokal, dem Gasthaus „Alte Wiese“ in Lengefeld. Die Mitglieder kommen aus Korbach sowie den angrenzenden Gemeinden und Kreisen. Die Termine der Treffen und weitere Informationen zu den Korbacher Amateurfunkern sind unter www.darc.de/f47 im Internet abrufbar.

Von Lutz Benseler

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