züchter zeigen beim Schleuderfest ihr Handwerk

Korbacher Imker schwärmen für Bienen

Korbach - Wie kommt eigentlich der Honig von der Wabe ins Glas? Beim Schleuderfest am Sonntag haben sich die Bienenzüchter vom Korbacher Imkerverein bei ihrem Hobby über die Schulter schauen lassen.

Ein geschäftiges Gesumme und Gebrumme herrscht rund um die Bienenstöcke, die etwas versteckt auf einem Waldgrundstück am Waldecker Berg stehen. Richtig schwer sind die Bienenwaben, die Karl-Friedrich Biederbick, der Zweite Vorsitzende des Vereins, heraushebt. Vorsichtig schabt er den Wachs an den Rand und legt den Blick auf den Honig frei. Golden füllt er die Waben und verströmt seinen süßen Duft. Von der Faszination der Imkerei lassen sich in Korbach und Umgebung immer mehr Menschen packen: Während bundesweit die Zahl der Hobbyimker rückläufig ist, wächst die Zahl der Mitglieder des Korbacher Imkervereins – in den vergangenen Jahren von 87 auf jetzt fast 100. „Wir haben mehr jüngere Mitglieder bekommen und mehr Frauen“, sagt Schriftführer Hans-Peter Marks. Mit ein Grund für den Zuwachs ist die Aktion „Imker für einen Sommer“. Marks erklärt: „Interessenten bekommen von uns für einen Sommer sowohl ein Bienenvolk als auch die notwendige Ausrüstung gestellt.“ Wer am Ende des Imkerjahres auf Probe dabei bleibt, darf alles behalten – quasi als Startkapital für das neue Hobby. Beim Schleuderfest geht es dann zur Sache: Die Imker setzten die Waben in die Schleudertrommel, die ein bisschen an eine überdimensionale Salatschleuder erinnert. Erst langsam, beim zweiten und dritten Schleudervorgang schon viel schneller, drehen sie an der Kurbel. Der Bienenhonig sammelt sich am Boden der Trommel. Die Bienenexperten öffnen den Hahn – und dickflüssig und golden fließt der Saft durch ein feines Sieb in den Honigeimer. Das Ergebnis ist ein Naturprodukt in allerbester Qualität. Dafür bürgt seit 1926 das Imker-Honigglas, ein geschütztes Warenzeichen. Doch ohne Blüten kein Honig: „Durch Monokulturen finden Bienen immer weniger Nahrung, die Vielfalt von früher ist nicht mehr da“, sagt Marks. Ein weiterer Schwerpunkt des Imkerfests ist neben dem Honigschleudern deshalb der Blühstreifen am Lehrbienenstand. Die kleine Wiese mit bunt blühenden Blumen und Wildkräutern bietet den Immen und auch anderen Insekten abwechslungsreiches Futter. Unterstützt vom städtischen Bauhof haben die Vereinsmitglieder vor drei Jahren den Streifen angelegt. Mittlerweile hat sich das in der Insektenwelt herumgesprochen: Viele seltene Arten schwirren dort von Blüte zu Blüte. Thomas Schmidt vom Naturschutzbund (Nabu) führt die Besucher durch die überraschend vielfältige Insektenwelt.Darüber hinaus bieten die Imker ihren Gästen Kaffee und selbst gebackene Kuchen, Deftiges vom Grill und eine Tombola: Vor Beginn des Fests ist in einer bestimmten Zeit gezählt worden, wie viele Bienen ein- und ausfliegen. Die Besucher konnten dann im Laufe des Tages ihre Schätzung abgeben. Der Hauptgewinn: ein junges Bienenvolk inklusive Königin – oder für Nichtimker den Gegenwert in Honig, was zwölf Gläsern entspricht. Von Lutz Benseler

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