220 Mitwirkende, elf Aufführungen, sieben Werkstätten

Korbacher Theaterwoche eröffnet

Zehn Millionen Soldaten starben während des Ersten Weltkriegs. Viele von ihnen im Alter zwischen 16 und 20 Jahren. In „Als wär‘s ein Teil von mir“ geben ihnen die Darsteller der Theatergruppe „pocomania“ der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Grevenbroich Gesicht und Stimme.Foto: pr

Korbach - Eine kurzweilige Eulenspiegelei und ein beeindruckendes Theaterprojekt zum Thema „100 Jahre Erster Weltkrieg“: Die 65. Korbacher Theaterwoche zeigte gleich zu Beginn die ganze Bandbreite theatraler Ausdruckskraft.

Zunächst lüftete der Unterstufenchor der Alten Landesschule ein Geheimnis: Till Eulenspiegel ist gar nicht tot, sondern stand dem Korbacher Bürgermeister bei der missglückten Hallenbadsanierung als Berater zur Seite. Das satirische Singspiel (Regie: Olaf Schillmöller) sorgte für einen überaus heiteren Auftakt der diesmal mit mehr als 200 Mitwirkenden bestens besetzten Theaterwoche.

Einen Rückblick aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts wagte anschließend die Theatergruppe der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule aus Grevenbroich. „Als wär‘s ein Teil von mir“, so der Titel der eigenwilligen Eigenproduktion.

„65 Jahre verbindet man eigentlich mit dem Eintritt ins Rentenalter, aber die Theaterwoche präsentiert sich jünger, aktiver und bunter denn je“, stellte Kreisbeigeordnete Hannelore Behle bei der offiziellen Eröffnung fest. „Ich möchte nicht so weit gehen und von einer ,Theaterwoche der Superlative‘ sprechen, aber sie weist schon recht beeindruckende Dimensionen auf“, befand die Kreisbeigeordnete.

Dank an den Förderverein

17 Bewerbungen dokumentierten das große Interesse von Amateurtheatern aus dem In- und Ausland. Es mache aber auch deutlich, dass die Bemühungen des 2011 gegründeten Fördervereins „von Erfolg gekrönt“ seien. Denn die „Schocknachricht, dass der Landkreis die finanzielle Unterstützung der Theaterwoche drastisch zurückfahren“ müsse, habe vor zwei Jahren tatsächlich zu einem spürbaren Rückgang der Bewerbungen geführt. Hannelore Behle dankte dem Vorstand des Fördervereins mit Michael Schwarzwald, Gudrun Limperg, Werner Hartmann und Jens Döring, der Sparkasse Waldeck-Frankenberg als Hauptsponsor und der Stadt Korbach, die kostenfrei die Stadthalle als Spielstätte zur Verfügung stellt.

„Krieg und Gewalt, diese Themen werden sich wie ein roter Faden durch die Produktionen der diesjährigen Theaterwoche ziehen, wobei die Konflikte sowohl in einem großen historischen Kontext, aber auch im privaten, zwischenmenschlichen Rahmen reflektiert werden“, führte die Kreisbeigeordnete aus. In den Werkstätten beschäftigen sich die Teilnehmer bis Freitag mit szenischen Antikriegserklärungen, mit denen sie am Samstag „ein unübersehbares Zeichen gegen Hass, Gewalt und Verblendung setzen“ wollen.

Zum Abschluss ihrer Rede warb Hannelore Behle noch einmal dafür, die Korbacher Theaterwoche nicht in Rente zu schicken: „Machen Sie Werbung für das Festival sowohl bei Theatergruppen als auch bei potenziellen Besuchern. Je größer das Interesse an der Theaterwoche ist, umso sicherer ist ihre Zukunft. Und ich denke, wir sind uns alle in einem Punkt einig: 65 Jahre sind noch längst nicht genug.“

Spielplan der Theaterwoche

Dienstag, 27. Mai 11 Uhr: Theater-AG der Alten Landesschule Korbach: „Der Gott des Gemetzels“ (Stadthalle). 15 Uhr: Theatergruppe des Lebenshilfe-Werkes Korbach: „Ich bin WER bin ich“ (Stadthalle). 16 Uhr: Projektgruppe „Ein Himmel voller Sterne“: „Klirrende Scheiben“ (Nikolai- kirche). 20 Uhr: Projekt Edersee 100: „Tanzperformance zum Ederseejubiläum“ (Stadthalle).

Mittwoch, 28. Mai 11 Uhr: Theatergruppe TEGS, Höchst im Odenwald: „Käthchen“ (Stadthalle). 20 Uhr: Theaterbund der Universanten „Philolalia“, St. Petersburg: „Die Kleinbürgerhochzeit“ (Stadthalle).

Donnerstag, 29. Mai 20 Uhr: Kellertheater Hamburg: „Geschlossene Gesellschaft“ (Stadthalle).

Freitag, 30. Mai 15 Uhr: Landesförderzentrum Sehen, Schleswig: „Das Leben ist nichts für Feiglinge“(Stadthalle). 20 Uhr: rohestheater, Mies-van-der-Rohe-Schule, Aachen: „1914 – 2014 – HURRA!“ (Sporthalle der Humboldt-Schule).

Samstag, 31. Mai 10 Uhr: Vorstellung der Werkstattergebnisse: „Szenische Antikriegserklärung“ (Ausgangspunkt Hauerturnhalle). Eintrittspreise: Erwachsene sechs Euro, Schüler/Studenten drei Euro.

Von Thomas Kobbe

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