Deutliches Ergebnis der Bürgermeisterwahl überrascht viele Kreispolitiker

Korbacher wollen nicht wechseln

Klaus Friedrich ist einer von 22 Bürgermeistern in Waldeck-Frankenberg. Der parteilose Rathauschef gehört damit zur breiten Mehrheit, nur insgesamt acht Hauptverwaltungsbeamte sind Mitglied einer Partei oder Wählervereinigung.

Korbach. - Enttäuschte Erwartungen bei SPD und Grünen, Freude und Zufriedenheit bei CDU und Freien Wählern. Zum Ergebnis der Korbacher Bürgermeisterwahl befragten WLZ-FZ am Tag danach führende Kreispolitiker.

„Das Ergebnis hätte ich in dieser Deutlichkeit nicht erwartet. Es zeigt einmal mehr, wie schwer es ist, einen Amtsinhaber zu schlagen, der, wie in diesem Fall, seine Position sehr genutzt hat“, beurteilt SPD-Unterbezirksvorsitzender Dr. Christoph Weltecke den Wahlausgang. Trotz eines überaus engagierten Wahlkampfes sei es nicht gelungen, „die Wähler zu mobilisieren“. Zwar lag die Wahlbeteiligung mit knapp 55 Prozent um fünf Prozent höher als bei der letzten Direktwahl 2006. Dies könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, so Weltecke, dass viel zu wenige von ihrem bürgerschaftlichen Recht Gebrauch gemacht haben. „Martin Dörflinger hat einen sehr fairen Wahlkampf geführt. Es kam ihm nicht in erster Linie darauf an, dem Amtsinhaber Fehler nachzuweisen“, betonte der SPD-Parteichef. Mit der Kritik der Korbacher Grünen an der Wahlkampfstrategie müssten sich die Parteigremien in der Kreisstadt befassen. Die rotgrüne Zusammenarbeit im Kreistag werde dies sicher nicht belasten.

„Das Wahlergebnis von 70 zu 30 ist eine denkbar deutliche Bestätigung von Klaus Friedrichs Arbeit der vergangenen zwölf Jahre und ein unglaublicher Vertrauensbeweis aus der Bevölkerung. Das erfreut mich sehr“, resümiert CDU-Kreisvorsitzender Armin Schwarz. Der „saubere Wahlkampf“ habe sich ausgezahlt, Friedrich sei auf große Akzeptanz gestoßen. Gleichzeitig habe die Parlamentsmehrheit einen Dämpfer erhalten: „Das Wahlergebnis ist auch ein Stück weit eine Bewertung der rot-grünen Koalitionsarbeit in Korbach“, so Schwarz.

„Die Korbacher waren in großer Zahl zufrieden mit ihrem Bürgermeister und nicht in Wechselstimmung.“ So kommentiert Jens Deutschendorf, Kreisvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen den Korbacher Wahlausgang. Die „Knackpunkte Hallenbad, Windkraftnutzung hätten nicht den Ausschlag geben können“. Gravierende Fehler in der rotgrünen Wahlkampftaktik könne er nicht ausmachen, sagte Deutschendorf, „der Wahlkampf muss schließlich auch zum Kandidaten passen“. Und Martin Dörflingers Art sei es eben nicht, „Streit und Konflikt vom Zaun zu brechen“.

Zufrieden zeigte sich FWG-Chef Uwe Steuber: „Das habe ich so nicht erwartet. Schließlich hatte es Friedrich nicht mit irgendeinem, sondern mit dem SPD-Fraktionsvorsitzendem zu tun, der anerkannt gute Arbeit leistet.“ Friedrich habe gut daran getan, im Wahlkampf auf seine geleistete Arbeit zu setzen und nicht zusätzliche Themen einzubauen.

FDP-Kreisvorsitzender Dieter Schütz hat nicht mit einem Amtswechsel im Rathaus der Kreisstadt, „aber mit einem knapperen Ergebnis gerechnet“. Es zeige seiner Ansicht nach, wie zufrieden die Korbacher mit Friedrichs Arbeit seien und „wie gern sie ihren Bürgermeister behalten wollen“. Auswirkungen auf die Kreispolitik sieht der Liberale mit der Wiederwahl des ehemaligen CDU-Kreistagsabgeordneten Friedrich (2006 bis 2010) nicht verbunden. „Die FDP hat mit ihm immer gut zusammen gearbeitet und ich freue mich, dass er Bürgermeister geblieben ist.“

„Ich gratuliere Bürgermeister Klaus Friedrich zur Wiederwahl und wünsche Korbach, dass es eine nette Einkaufsstadt bleibt. Naja, und politisch würden wir natürlich schon einiges anders sehen.“ Ingo Hoppmann, Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag, führt den Ausgang der Korbacher Bürgermeisterwahl auf den hohen Beliebtheitsgrad des Amtsinhabers zurück. „Dies ist ja auch bei der Landratswahl deutlich geworden, die er nur knapp verloren hat“, sagte Hoppmann. Aus seiner Sicht hat die Wiederwahl keinen Einfluss auf die Kreispolitik. Dass die Linke bei einer der nächsten Bürgermeisterwahlen im Landkreis (siehe Tabelle unten) einen eigenen Bewerber aufstellt, hält er für unrealistisch: „Bis wir einen Bürgermeisterkandidaten im Westen stellen, wird noch viel Wasser durch die Eder laufen.“ (tk/lb)

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