Anwohner der Marburger und Dortmunder Straße klagen über Lackschäden

Krähenpärchen greift Autos an

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Die Rabenkrähen haben Spuren hinterlassen: Angela Bracht zeigt Kratzer und Dreck an ihrem Auto.

Korbach - Beinahe wie Gruselszenen aus Hitchcocks „Die Vögel“: Ein Rabenkrähenpärchen treibt seit Tagen in der Marburger und Dortmunder Straße sein Unwesen und hat es besonders auf die Autos der Anwohner abgesehen.

Kopfschüttelnd schaut Angela Bracht auf ihr Auto. Die Rabenkrähen haben eine Spur der Verwüstung hinterlassen: Der schwarze Lack ist mit matschbraunen Klecksen übersät, wer genauer hinschaut, entdeckt zahllose feine Schrammen, ein Scheibenwischer ist zerpflückt. „Sie fliegen von einem Acker in der Nachbarschaft hierher, setzen sich mit matschigen Füßen auf Spiegel und Türgriffe, rutschen dabei ab und machen mit ihren Krallen Kratzer in den Lack“, berichtete die Korbacher Goldschmiedin.

Flatternd und aufgeregt krächzend sitzt das schwarz gefiederte Pärchen auch auf den Fensterbänken der Häuser und hackt auf die Scheiben ein. Seit Tagen treiben die Krawallkrähen ihr Unwesen im Viertel. „Rabenkrähen gab es hier schon immer, aber so etwas haben wir noch nicht erlebt“, sagt Bracht.

Offenbar attackieren die Vögel ihre Spiegelbilder. Im glänzenden Lack, an Fensterscheiben oder auf polierten Abgasrohren aus Aluminium meinen sie, Konkurrenten zu erkennen, gegen die sie ihr Revier verteidigen müssen - dabei ist es nur ihr eigenes Konterfei, das ihnen dort entgegenschaut.

Für Krähen ungewöhnlich

Auch der Biologe und Vogelkundler Professor Dr. Hans-Heiner Bergmann (Bad Arolsen) hält diese These für plausibel. „Das ist für Rabenkrähen aber relativ ungewöhnlich“, sagt der Wissenschaftler, der sich kürzlich für eine Tier-Dokumentation des Norddeutschen Rundfunks (NDR) auf die Spur von Rabenvögeln begeben hat.

Dass sie ihr Spiegelbild angreifen, sei in erster Linie von Buchfinken bekannt. Aber auch Rabenkrähen legten in der Brutzeit territoriales Verhalten an den Tag und verteidigten ihr Revier gegen - vermeintliche - Konkurrenten, sagt Bergmann: „Sie sind aber eigentlich in der Lage, sich in ihrem Spiegelbild als sich selbst zu erkennen. In der Eile klappt das nicht immer auf Anhieb.“

Rabenkrähen haben zwar keinen guten Ruf, aber die Vögel verfügen über eine beeindruckende Intelligenz, können Menschen genauso wie ihre Artgenossen unterscheiden und wenden bei der Nahrungssuche verblüffende Tricks an. „Sie müssten also bald herauskriegen, dass sie sich selbst sehen“, beruhigt Bergmann die Anwohner. Spätestens nach der Brutzeit sollte sich das Verhalten wieder legen. „Wir Menschen leben eben in der Natur und können uns nicht völlig von ihr abschotten“, ruft der Biologe zur Gelassenheit auf.

Kreative Flugabwehr

Die Anwohner des Korbacher Viertels lassen unterdessen ihrer Kreativität in Sachen Flugabwehr freien Lauf: Angela Bracht deckt ihr Auto mit einer Halbgarage zu. Die Plane soll eigentlich im Winter Schutz vor Schnee und Eis bieten, jetzt hält sie die rabiaten Rabenkrähen von ihren Rutschpartien über die Karosserie ab. Brachts Nachbarn versuchen mit langen Streifen aus Aluminiumfolie, die sie an einer Wäscheleine über den Fahrzeugen aufgehängt haben, die Vögel zu verscheuchen.

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