Schüler befassen sich mit „Cybermobbing“

Kreislauf von Tätern und Opfern

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Die Ursachen und Folgen von Mobbing mit modernen Medien haben Ina Hanika, Christian Linker, Michael Grieneisen, Petra Hoffmann-Lüders (v. l.) mit Arolser und Korbacher Fachoberschülern besprochen.Foto: Wilhelm Figge

Korbach - Über Mobbing mit neuen Medien haben Fachoberschüler mit der Polizei und dem Autor Christian Linker geredet: Es ging um Opfer, um Täter und darum, wie erstere zu letzteren werden.

„Als ich ‚Blitzlichtgewitter‘ geschrieben habe, kannte ich das Wort ‚Cybermobbing‘ nicht einmal“, gibt Autor Christian Linker zu: Er habe eine Geschichte schreiben wollen, keinen Ratgeber zu einem aktuellen Thema, erklärt der Leverkusener bei einer Lesung an den Beruflichen Schulen Korbach. Dennoch oder gerade deshalb ist sein Jugendbuch über Schikane mit Handyfotos häufige Schullektüre geworden.

Auch die Bad Arolser und Korbacher Fachoberschüler in den Deutschklassen von Ina Hanika und Petra Hoffmann-Lüders haben „Blitzlichtgewitter“ gelesen und finden dassieben Jahre alte Buch relevant: Es beschreibe ein „Problem des Alltags“ und die „bittere Wahrheit“, erklären Elftklässler in Briefen an den Autor.

Mit Rache aus Opferrolle

Die Hauptfigur Fabian veröffentlich nach der Trennung von seiner Freundin Becca Fotos, welche diese betrunken und nackt zeigen. Das gedemütigte Mädchen verschwindet spurlos - und auch Fabian ist bald „quasi vogelfrei“. Der Autor liest den Schülern die Schlüsselszene seines Werks nocheinmal vor: Nur mit einer zurechtgelegten Entschuldigung spürt Fabian Becca auf - das Mädchen rächt sich indes an ihm, um aus der Opferrolle herauszubrechen. Sie betäubt ihn, bringt ihn dazu, sich auszuziehen, und fotografiert.

„Es ist eine Geschichte darüber, wie jemand zum Opfer wird, wie ein Opfer zum Täter wird - und umgekehrt“, fasst Petra Hoffmann-Lüders zusammen. Die Schüler haben sich ausführlich auf die Lesung vorbereitet, befragen Linker über seine Arbeit und diskutieren die Geschichte: Sie finden Beccas Rache zwar nicht moralisch, zeigen aber Verständnis. Dass Schuldzuweisungen wie „Der hat angefangen“ in der immer weiter eskalierenden Handlung des Romans wenig Sinn haben, erkennen sie ebenfalls. Auch mit „gnadenloser“ Kritik sparen die Schüler zur Freude des Autors nicht: Das Ende beschreiben viele von ihnen in ihren Briefen als „unrealistisch“.

Für Folgen sensibilisiert

Die Auswirkungen von „Cybermobbing“ im echten Leben verdeutlicht ihnen Polizeihauptkommissar Michael Grieneisen vom Polizeipräsidium Nordhessen: „Wie würde es euch gehen, wenn euer Handy weg wäre?“ fragt er im Wissen um die vielen privaten Daten, die ein Anderer leicht auslesen könne. Er sensibilisiert auch dafür, dass Mobbing zivilrechtliche Konsequenzen und Anklagen wegen Beleidigung und Nötigung nach sich ziehen kann.

Die Schüler interessiert das Handwerkszeug rund um Beweissicherung, Chatverläufe und IP-Adressen. Die Frage nach Ursprüngen fürs Mobbing lässt Grieneisen sie selbst beantworten: Meist ginge es darum, Macht auszuüben - und oft würden Opfer letztlich Täter.

Von Wilhelm Figge

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