Korbach

Auf krummen Wegen gerade schreiben

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- Korbach (resa). Er war Topmanager und Karrieretyp. Dann studierte Uwe Kolkmann katholische Theologie und beginnt nun als neuer Vikar in der katholischen Gemeinde in Korbach – mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen.

Er hat einen wachen Blick, Lachfalten um die Augen und gegelte Haare: Uwe Kolkmann passt in keine Schublade. Ungezwungen lehnt er sich in seinem Stuhl zurück. „Was wollen Sie wissen?“ fragt er. Und dann beginnt er zu erzählen, mit einem Blitzen in den Augen, denn seine Geschichte kann sich hören lassen.

„Eigentlich wollte ich schon nach der Firmung Priester werden“, erzählt er. Aber dann kam alles anders und so unterscheidet sich seine Geschichte heute deutlich zu der vieler seiner Vikarskollegen. „Mein Vater starb früh“, sagt er, „und dann wurde von mir erwartet, eine ordentliche Lehre zu beginnen“. Ohne Zögern und Trauern nahm er die Herausforderung an, besuchte die Höhere Handelsschule in Unna, ließ sich zum Industriekaufmann ausbilden, nahm eine gute Stelle an, studierte dann nebenberuflich Betriebswirtschaft und kletterte schließlich die Karriereleiter hinauf, übernahm leitende Positionen in einem großen Betrieb im Ruhrgebiet.

Bis 2001: Damals wurde das Unternehmen übernommen. „Und damit änderte sich die Atmosphäre“, sagt Uwe Kolkmann. Er besann sich auf die Wünsche seiner Kindheit. „Ich habe tief in mir immer gewusst, dass ich irgendwann Priester werden würde“, sagt er. Und auch seine Freunde und seine Familie wunderten sich nicht: „Ja der Uwe, der wollte doch schon immer Priester werden“. Mit 34 Jahren stellte er sein Leben auf dem Kopf, kündigte und schrieb sich für katholische Theologie ein. „Das war eine 360-Wende, ein Paradigmenwechsel“, sagt er, „aber Zweifel hatte ich nicht“.

Da saß er dann: Ein Managertyp im Priesterseminar. „Es fiel mir am Anfang schwer, mich der Autorität der Kirche zu beugen“, sagt er, „das war ich einfach nicht gewöhnt“. Aber Fleiß, gute Freunde und das Gebet hätten ihm den Weg in andere Bahnen erleichtert. 2007 wurde er zum Priester geweiht und trat seine erste Stelle in der Propsteigemeinde Werl und Westönne an.

Er war schon mit seinem Vater bei den Dortmunder Borussen im Station „Rote Erde“ gewesen, kannte die Menschen und ihre Mentalität. „Nun war es Zeit für einen Wechsel“, findet der 44-Jährige. Die Entscheidungsträger im Erzbistum Paderborn unterstützten den Wunsch und schickten Uwe Kolkmann nach Korbach. „Manchmal schreibt Gott auf krummen Wegen gerade."

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Donnerstag, 28. Juli.

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