Volles Haus bei Silvesterkonzert in Korbach

Künstler servieren "Dinner for everyone"

- Ein abwechslungsreiches Menü kredenzte Stadtkantor Eberhard Jung den Besuchern am Silvesterabend. Chor und Solisten steuerten köstliche Gänge zum „Dinner for everyone“ in der Nikolaikirche bei.

Vorneweg ein schwungvoller Klassiker aus den 70ern, als Zwischengang Besinnliches, zur Hauptspeise bekannte Melodien und zum Dessert schließlich Orgelmusik und eine Prise Pathos: Zum „Dinner for everyone“ tischten Chor und Solisten vier Gänge auf, die es in sich hatten. Vor vollem Haus begrüßte Pfarrerin Manuela Mohr die Besucher der traditionellen Kulturveranstaltung am Silvesterabend. „Viel Vergnügen und guten Appetit“, wünschte die Pfarrerin und versprach „musikalische und literarische Leckerbissen“. Beides ließ sich das Publikum in der kommenden knappen Stunde schmecken. Der eigens für die Veranstaltung gegründete „Dinner-Chor“ eröffnete die Menüfolge mit „Musik ist Trumpf“. Heiter und beschwingt stiegen die Sängerinnen und Sänger dann in das Stück „Wenn eine über Siebzig“ ein – sehr zur Freude des Publikums, das sich über das flotte „Tüdelitüdelitüdelitü“ freute. Für die literarischen Prisen zwischendurch sorgte Manuela Mohr selbst: Von Robert Walser bis zu Eckart von Hischhausen reichte die Würze, von besinnlich bis nachdenklich. Da berichtete die Pfarrerin von der Irritation auf einem Kriegsschiff, als ein unbekanntes Objekt auf dem Radar auftaucht. „Sofort Kurs ändert“, befiehlt der Kapitän des Schiffes dem unbekannten Objekt. Er bekommt prompt die Antwort, er solle selbst den Kurs ändern. Es entsteht ein Streit, der Kapitän wird schließlich ausfallend, droht mit Konsequenzen und besteht auf die Kursänderung. Vom anderen Ende erreicht ihn der Funkspruch: „Ich bin ein Leuchtturm. Sie sind dran“. Der Abend wolle die Möglichkeit geben, die eigene Position zu bestimmen, um dann den Ausblick auf das neue Jahr zu wagen, hatte Manuela Mohr angekündigt. Die Zusammenstellung von musikalischen und literarischen Köstlichkeiten half dabei. Ob Tenor Thomas Schwill, der die Arie des Don José aus Carmen servierte und später in die Rolle des Phantoms der Oper schlüpfte oder Bass Georg Lungwitz, der Goethes „Ich denke Dein“ musikalisch zubereitete: Das Publikum bedankte sich mit großem Applaus und ließ es sich schmecken.Glanzlicht der Hauptspeise: Der Dinner-Chor brachte Leonard Cohens „Hallelujah“ zum Kochen und das Publikum zum Genießen. Vom Profi-Tenor bis zum Nachwuchs-Sänger: Jeder fand hier seinen musikalischen Platz und trug zum wunderbaren Gelingen der Hauptspeise bei. Wie jedes Jahr servierten die Köche das Dessert auf die Minute: Unterstützt von Orgelklängen waren die Besucher bei „Land of Hope and Glory“ zum Mitkochen eingeladen, bevor sich die Jahreswende an der Nikolaikirche mit ersten Silvesterknallern ankündigte. Für dieses Dinner gilt: Von wegen, viele Köche verderben den Brei. Hier war kein Koch zu viel am Werk. Von Theresa Demski

Kommentare