Barbara Langmaack eröffnet Ausstellung im Kümmell-Kunstladen

Kunst am Straßenrand gefunden

Korbach - „Fundstücke von Strand und Straße“ heißt die Werkschau, die Barbara Langmaack ab Samstag präsentiert. Scheinbar wertlose Überreste aus Flammen, Flut und Rinnsteinen kombiniert sie zu Kunstwerken.

Rostige Sprungfedern wippen langsam vor sich hin, ein Schrottbehältnis voller Glaskugeln baumelt an der Decke und der von Ameisen blank gefressene Schädel eines nicht näher bestimmten Tieres starrt aus leeren Augenhöhlen in den Raum: In Gegenständen, an denen die meisten Menschen achtlos vorbeigingen, findet Barbara Langmaack Dinge, die nähere Blicke verdienen. Einige ihrer Fundstücke zeigt sie ab Samstag im Kümmell-Kunstladen in Korbach, die Vernissage beginnt um 11 Uhr. Ihre Ausstellungsstücke findet die in Korbach aufgewachsene Hamburgerin etwa in Rinnsteinen, Gräben oder am Ufer. Wenn sie losgeht, fallen ihr immer wieder Gegenstände ins Auge. „Ich suche nicht, ich finde“, beschreibt sie den absichtslosen Anfang ihrer Arbeit. Ob sie mit einem Stück etwas anfangen kann oder ob es wieder Abfall wird, wisse sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. „Wie könnte das was werden?“, frage sie sich – stets darauf bedacht, nicht zu viel zu verändern: Sie kratzt den Schmutz ab, entfernt Einzelteile oder fügt andere Dinge hinzu – mal „neue, glänzende, ungebrauchte“, mal andere Relikte. Ein von einem Feuer in eine stromlinienförmige Gestalt gebranntes Brett erhält etwa Schuppen aus abgebrannten Wunderkerzen und wird so zum „Silvesterfisch“. Nicht alle ihre Stücke haben Namen, Anregungen sind Barbara Langmaack aber willkommen. „Den Menschen fallen schnell Geschichten ein“, erklärt sie. Auch würden die Werke die Betrachter oft an ehemalige Besitztümer erinnern. Als Thema ihres Schaffens mit ausrangierten Sachen könne Vergänglichkeit angesehen werden – nicht umsonst regte ein Bestatter eine ihrer ersten Ausstellungen in seinem Institut an. Ihre Exponate stammen aus ganz verschiedenen Ecken Deutschlands und Europas: In Hamburg durchstreift sie Großbaustellen am Hafen, bevor die Arbeiter gekehrt haben, oder sie geht ans Meer – das in den vergangenen Jahren allerdings viel sauberer geworden sei. Finnische Seen sind Fundorte, wenn Johannisfeuer abgebrannt sind: Finnen entsorgen alte Dinge oft auf Booten, die sie brennend auf die Seen schicken. „Wind, Druck und Feuer“ gestalteten dann die Dinge, die sie findet. Wenn sie für einige Wochen im Jahr in Korbach weilt, sprechen sie auch im Waldecker Land Dinge an: Ein verkohltes Brett zum Beispiel, dem ein Horn und Fasern einen animalischen Eindruck verpassen. Das Holzstück stammt aus dem Osterfeuer am Pengel – und war, als Barbara Langmaack es fand, noch nicht ganz erloschen. Verkohlte Autorücksitze sind nicht die einzige Überraschung, die Langmaack ihr „Ruhestandshobby“ in zehn Jahren eingebracht hat: Damit, ihre Werke auszustellen, hatte sie eigentlich nicht gerechnet.Nachdem sie ihre Fundstücke schon beim Evangelischen Kirchentag und mit dem Künstlerverband GEDOK gezeigt hat, präsentiert sie sie zum ersten Mal in Korbach. Die Ausstellung im Kümmell-Kunstladen öffnet bis zum 20. Juni immer samstags von 10 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.Von Wilhelm Figge

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