Schaden in Teichen von Robert Stürmer bei Goddelsheim

Lachsforellen verenden durch Gülle

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Robert Stürmer zeigt auf seinen Teich, auf dem auch Tage nach einer Gülledüngung noch Ablagerungen zu sehen sind. Das kleine Foto links knipste Stürmer kurz nach der Gülleausbringung. Einige Fische sind verendet; die anderen kann Stürmer vorerst nicht nutzen.

Lichtenfels-Goddelsheim - Gülle dient als Dünger. Wo sie falsch oder in zu großen Mengen ausgebracht wird, wirkt sie jedoch wie Gift. Bei Goddelsheim ist Gülle in Fischteiche geflossen. Fische sind verendet, immer noch schwimmen Güllereste auf dem Gewässer.

„Das ist eine ganz große Schweinerei“, sagt Robert Stürmer verärgert, als er auf seine Fischteiche blickt. Die Teiche liegen idyllisch im Tal zwischen Goddelsheim, Rhadern und Fürstenberg am Heimbach. Wald und Wiesen grenzen an - ein reizender Ort. Sofort störend ins Auge fällt allerdings, was auf den Teichen schwimmt: Reste von Gülle sind auf der Wasseroberfläche zu sehen - und das auch noch viele Tage nach einer wiederholten Verunreinigung mit tierischen Exkrementen.

Robert Stürmer zeigt Bilder, die er im April von den Teichen gemacht hatte, nachdem auf landwirtschaftlichen Flächen zwischen Goddelsheim und Rhadern wiederholt Gülle ausgebracht worden war: Die Teiche sind fast vollständig mit Gülleresten bedeckt. „Der Gestank war über Tage hinweg unerträglich und auf dem zweiten Teich schwammen tote Fische“, berichtet Stürmer. Insgesamt drei-mal sei es im Laufe des vergangenen Monats zu zum Teil erheblichen Verunreinigungen gekommen, erklärt der Hobbyzüchter. Es sei teils so viel Gülle ausgebracht worden, dass sich auf der Weidefläche Pfützen gebildet hätten, außerdem sei der Mindestabstand zum Bachlauf nicht eingehalten worden, moniert der Goddelsheimer: „Und ich habe nun den Schaden - ganz abgesehen von den Schäden, die an der Umwelt entstanden sind, denn von dem Bach nähren sich ja auch noch andere Lebewesen.“

Ermittlungsverfahren

Stürmers Teiche werden von einem Bach gespeist, der sich aus Richtung Rhadern/Goddelsheim vorbei an landwirtschaftlich genutzten Feldern und Wiesen schlängelt und später im Heimbach endet. Insgesamt drei Teiche sind auf dem Gelände angelegt, das Robert Stürmer seit einem Jahr gepachtet hat. In zwei Teichen züchtet er Lachsforellen, nur in dem dritten hatte er noch keinen Besatz. „Gott sei Dank“, sagt Stürmer, „denn darin haben sich inzwischen so viele Güllereste angesammelt, dass er wahrscheinlich ausgebaggert werden muss“, erklärt der Goddelsheimer gegenüber der WLZ-FZ.

Nachdem es Mitte und Ende April zu schweren Verunreinigungen gekommen war, hatte Robert Stürmer Fotos gemacht und einige Tage später bei der Unteren Wasserbehörde des Landkreises und der Polizei angerufen. „Die Polizei und die Behörde haben sich der Sache schnell angenommen, ein Polizist kam sofort raus und nahm Proben“, erklärt Robert Stürmer.

„Es besteht der Verdacht der Umweltgefährdung, es wurde Anzeige erstattet und es gibt ein Ermittlungsverfahren wegen Gewässerverunreinigung“, bestätigt Dirk Virnich, Sprecher der Polizei Waldeck-Frankenberg, auf Nachfrage der WLZ-FZ. Die Behörde prüfe nun, wie es zu der Verunreinigung gekommen ist.

„Das Strafverfahren läuft“, erklärt auch der Leiter des Fachdienstes Wasser- und Bodenschutz, Ralf Enderlein. „Auch wenn ein Großteil der Gülle schon abgelaufen war, weil wir erst einige Tage nach der Verunreinigung unterrichtet worden sind, so war anhand der Fotos doch zu erkennen, dass die Gülle in diesem Fall weit über ein ordnungsgemäßes Maß hinaus ausgebracht worden ist“, sagt Enderlein.

Abstände zu Wasserläufen

Was unter einem ordnungsgemäßen Maß verstanden wird, ist in der Gülle-Verordnung festgehalten. Grundsätzlich darf auf Grünland vom 1. November und auf Ackerland vom 15. November bis zum 31. Januar keine Gülle ausgebracht werden, erläutert Axel Friese, Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft beim Landkreis, auf Nachfrage. Ab dem 1. Februar dürfen Landwirte stickstoffhaltige Dünger auch nur dann ausbringen, wenn der Boden bei der Ausbringung in der Lage ist, Nährstoffe aufzunehmen - und das ist er nicht, wenn er wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist. Also mussten die Landwirte in diesem Frühjahr lange warten, bis sie die Gülle auf die Felder fahren konnten.

„Das ist aber kein Grund, die Verordnung nicht einzuhalten und Gewässerverschmutzung zu betreiben“, erklärt Friese, denn Landwirte müssten nachweisen, dass sie für Gülle eine sechsmonatige Lagerkapazität vorhalten, sonst werde keine Genehmigung erteilt. Unbedingt einzuhalten seien auch Randabstände zu Gräben und Wasserläufen. Dort sieht die Verordnung einen Mindestabstand von drei Metern vor, es sei denn, der Landwirt setzt etwa einen Schlauchverteiler ein, mit dem er passgenau düngen kann. Dann genügt ein Abstand von einem Meter, weiß Axel Friese.

„Ich kann nicht verstehen, dass der Landwirt da nicht vorausschauender gearbeitet hat“, sagt Bürgermeister Uwe Steuber, der Robert Stürmer praktische Unterstützung zugesagt und die Feuerwehr aus Goddelsheim um Hilfe gebeten hat. Denn während sich das Ermittlungsverfahren noch eine Weile hinziehen wird, steht Robert Stürmer vor seinem Schaden. Um den ersetzt zu bekommen, muss er später privatrechtlich gegen den Verursacher vorgehen. Doch vorerst muss er für die Säuberungskosten selbst aufkommen und kann die Fische nicht verwenden. (md)

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