„Circus Sarrani“ braucht Geld für Reifen und bietet Auftritte an

Das Lama auf dem Kasernengelände

Korbach - Seit rund zwei Wochen hängt der „Circus Sarrani“ in Korbach fest. Für die neuen benötigten Reifen bitten die Mitarbeiter um Spenden. Bei Stadt und Landkreis herrscht derweil Uneinigkeit über die Zuständigkeit.

Auf dem Gelände der ehemaligen belgischen Kaserne hat sich im Laufe der Zeit vieles abgespielt. Am Anfang standen die Soldaten, am Ende die Versteigerung der gesamten Einrichtung der Beschäftigungsgesellschaft. Nun sind es Lamas, Ziegen und Pferde, die an der Flechtdorfer Straße für Trubel sorgen. Seit zwei Wochen sitzt der „Circus Sarrani“ dort fest, rund 10000 Euro fehlen nach eigenen Angaben für neue Reifen - und auch das Geld für Futter wird knapp. Die Schausteller bitten Unternehmen und Privatpersonen um Spenden.

Kredit von Stadt erwünscht

Rückblick: Am 20. April stellt die Polizei an einem Anhänger des in Korbach gastierenden „Circus Sarrani“ Mängel fest. Sie untersagt dem Besitzer die Weiterfahrt. Zwei Stunden später ist der Wagen verschwunden. Daraufhin kontrollieren die Beamten auch die Anhänger auf dem Zirkusgelände. An zehn weiteren Fahrzeugen werden vor allem abgefahrene und poröse Reifen entdeckt. Dies sei für den Straßenverkehr zu gefährlich, der Zirkus wird von der Polizei nach den Auftritten zur ehemaligen Kaserne geleitet und steht dort bis heute. Dort haben die rund 40 Tiere ausreichend Platz, allerdings fehlen die Einnahmen aus den abgesagten Shows. 15 Reifen seien noch zu wechseln erklärt Zirkusdirektor Alfredo „Freddy“ Bügler. „Wir brauchen dringend Hilfe“ wendet er sich an die Bevölkerung.

Zirkus-Mitglied Maik Fischer war in den vergangenen Wochen in Deutschland unterwegs - auf der Suche nach gebrauchten, günstigen Pneus. Ein Teil wurde bereits gewechselt. Bislang seien die Reifen immer gewechselt worden, wenn sie defekt waren. Nun sei die finanzielle Situation langsam kritisch. Von der Stadt hätte man sich einen zinslosen Kredit gewünscht, aber dort würde keiner helfen.

Wer ist verantwortlich?

Die Stadt sei für den Zirkus aber nicht verantwortlich, erklärt Ordnungsamtsleiter Carsten Vahland. Man habe dafür gesorgt, dass der Zirkus einen Stellplatz bekommt und mit Strom und Wasser versorgt wird. Auch der Eigentümer des Geländes sei dem Zirkus entgegengekommen. Für das weitere Vorgehen sind aus Vahlands Sicht die Sozialbehörden des Landkreises zuständig.

Bei der Kreisverwaltung zeigt sich Sprecher Dr. Hartmut Wecker allerdings verwundert, sei in einem Gespräch zwischen Landkreis und Stadt doch geklärt worden, dass die Zuständigkeit weiter bei der Stadt Korbach liege. „Im Moment gibt es keine rechtliche Grundlage, auf welcher der Landkreis unterstützend eingreifen müsste“, erklärt Wecker. Bis das Sozialamt einschreiten müsse, sei es noch ein weiter Weg.

Eine Ausnahme bilden die Tiere: Da die Futtervorräte zur Neige gehen, hat sich das Kreisveterinäramt eingeschaltet. Im Rahmen einer Ersatzvornahme wurde dem Zirkus Futter besorgt, das Geld dafür wird später zurück erwartet. Außerdem besteht für die Schausteller die Möglichkeit, Arbeitslosengeld zu beziehen. Dass diese Variante den Zirkusmitarbeitern auch aufgezeigt wurde, bestätigt Ulrich Hiemer, Bereichsleiter beim Jobcenter Waldeck-Frankenberg: „Bei Hilfsbedürftigkeit kann Arbeitslosengeld II bezogen werden, allerdings deckt das Geld den Lebensunterhalt der Menschen und nicht das Futter für die Tiere.“

Auftritte auf Geburtstagen

Nicht nur Landkreis und Stadt haben mit dem Zirkus zu tun. Auch die Fahrschule Vollbracht und Schmidt nutzt das Kasernengelände. „Die freilaufenden Tiere schränken uns bei Fahrübungen schon mal ein, aber da muss man ein Auge zudrücken“, erklärt Inhaber Helmut Schmidt. Er könne damit leben.

Die Zirkusleute selbst wollen nicht mehr lange auf dem Gelände bleiben. Daher wären sie auch zu kleinen Auftritten bereit, seien es Artistik- oder Tiershows auf Firmenfesten oder Kindergeburtstagen. Auch könne jeder vorbei kommen und sich die Tiere anschauen.

Dass Spenden für den kleinen Zirkus enorm wichtig sind, daraus macht Maik Fischer keinen Hehl. Im Dezember 2010 saßen die Artisten wegen eines eingestürzten Zeltes im Siegerland fest. Wenige Monate später stoppte sie der harte Winter in Homberg (Ohm) im Vogelsbergkreis. Beide Male bat der Zirkus um Spenden. Kontakt zum „Circus Sarrani“ ist unter der Telefonnummer 0177/7883280 möglich.

Kommentare