Hessen-Mobil: Kein Fördergeld für Radweg · Kompromiss auf der Kippe

Land gefährdet Ausbau der K 58

Korbach - Der Ausbau der Kreisstraße 58 ist wieder in Gefahr: Für den von den Anwohnern geforderten Rad- und Gehweg will das Land kein Fördergeld geben. Stadt Korbach und Landkreis setzen jetzt auf Diplomatie.

Die unendliche Geschichte geht weiter: Für den Bau des kombinierten Rad- und Gehweges, der parallel zur Kreisstraße verlaufen soll, gebe es kein Fördergeld, heißt es in einem Schreiben von Hessen Mobil Straßen- und Verkehrsmanagement (Kassel), das am Donnerstag bei der Stadt Korbach eingegangen ist. Das Verkehrsaufkommen auf der Strecke sei zu gering, Radfahrer könnten gefahrlos die Fahrbahn mitbenutzen, begründet die Behörde die Entscheidung. Damit ist der Ausbau der umstrittensten Schlaglochpiste in Waldeck-Frankenberg wieder fraglich.

Der Rad- und Gehweg war Teil eines Kompromisses zwischen Kreis und Anwohnern: Die Wogen schlugen über Jahre hoch, mehrfach wurden die Pläne zum Ausbau wieder zur Disposition gestellt, ein Enteignungsverfahren gegen private Grundbesitzer, die ihre Flächen nicht verkaufen wollten, war schon im Gange. Ausbau ohne Leitplanke Den gordischen Knoten sollte schließlich eine Variante zerschlagen, die die Forderungen der Straßenverkehrsbehörde und der Grundbesitzer verband: Die Straße sollte auf 5,50 Meter Breite mit einem daran anschließenden vier Meter breiten Sicherheitsstreifen mit Radweg und Böschung ausgebaut werden.

Auf eine Leitplanke, die die Anwohner als für Radfahrer gefährlich ablehnten, konnte so verzichtet werden. Staatliche Zuschüsse für den Rad- und Gehweg konnte jedoch nur die Stadt bekommen. Diese leistete dem Kreis Schützenhilfe und beantragte den Weg. Noch im September 2011 stellte das damalige Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) dafür schriftlich eine Förderung in Aussicht: Zu den Baukosten von rund 400?000 Euro hätte die Stadt einen Zuschuss von 260?000 Euro bekommen – mehr als die Hälfte. Mit Unverständnis reagierte deshalb gestern im Bauausschuss Bürgermeister Klaus Friedrich auf die Kehrtwende der Landesbehörde. Friedrich kündigte an, noch in dieser Woche Hessen-Mobil und Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) um eine Klarstellung zu bitten. Ungeachtet der aktuellen Entwicklung haben sich die Mitglieder des Bauausschusses einstimmig dafür ausgesprochen, Baurecht für den geplanten befahrbaren Seitenstreifen zu schaffen.

Damit solle eine Botschaft an das Land gesendet werden, sagte Friedrich gegenüber der WLZ-FZ: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“. Auf weitere Gespräche setzt auch der Landkreis, der dem eigentlichen Ausbau der Kreisstraße 58 finanzieren muss. „Wir werden an das Land herantreten und es noch mal an seine Signale vom vergangenen Jahr erinnern“, sagte Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf (Grüne) als zuständiger Dezernent gegenüber dieser Zeitung. Einen Ausbau ohne den zugesagten Radweg solle es nicht geben, betonte Deutschendorf: „Wir stehen im Wort bei den Grundstücksbesitzern und daran halten wir uns auch.“ Bewusst verhindert? Der SPD-Fraktionsvorsitzende in der Korbacher Stadtverordnetenversammlung und Bürgermeisterkandidat von SPD und Grünen, Martin Dörflinger, reagierte mit einer Pressemitteilung auf das Schreiben von Hessen-Mobil: „Es ist mir einfach unbegreiflich, dass sich das Land bei diesem Projekt, dessen mögliche Realisierung das Ergebnis lang andauernder Verhandlungen war, auf einen rein formalistischen Standpunkt zurückzieht und den Ausbau damit verhindert“, sagte Dörflinger.

Fast könne man den Eindruck gewinnen, das Land wolle die Sanierung des für Korbach so wichtigen Verkehrswegs – aus welchen Gründen auch immer – bewusst verhindern. „Verkehr hat zugenommen“ Die Argumentation von Hessen Mobil, das Kfz-Verkehrsaufkommen auf der Strecke sei zu gering, könne er nicht nachvollziehen. Die Kreisstraße zwischen Lelbach und Lengefeld sei vor rund sieben Jahren geschlossen worden, in dieser Zeit habe das Verkehrsaufkommen allgemein stark zugenommen. Auch beschwerten sich Anwohner im Bereich des Westrings in Korbach immer wieder, dass sich die Verkehrsdichte dort seit der Sperrung der K 58 signifikant erhöht habe, so Dörflinger.

Kommentare