Gottesdienst zum Buß- und Bettag in Korbach

Landrat Kubat Gastprediger im Kilian

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Korbach - Kirche statt Kreishaus, Predigt statt Rede: Landrat Dr. Reinhard Kubat wagte zum Buß- und Bettag einen Abstecher in fremde Gefilde. Als Gastprediger in der Korbacher Kilianskirche sprach er zum Thema "Geschlossene Gesellschaft?"

Der Buß- und Bettag sei eine gute Gelegenheit, um die Türen der Kirche weit zu 
öffnen, und Gastredner aus der Politik auf die Kanzel einzuladen, befand Eva Brinke-Kriebel, Dekanin des Kirchenkreises des Eisenbergs. Zwar erklomm Landrat Dr. Reinhard Kubat am Ende nicht die alte Kanzel in der Kilianskirche. Als Gastprediger machte er sich aber auf den Weg zum Rednerpult. „Ich bin etwas nervös“, gestand er dann ein, „ich mache das so selten.“

Das störte die evangelischen Christen nicht, die aus allen Korbacher Bezirken in die Kilianskirche gekommen waren. „Ich habe den Eindruck, dass die Kirchen zu diesem Tag eher voller als leerer sind, seit die 
Politik den gesetzlichen Feier-
tag gestrichen hat“, befand 
 Kubat dann auch und grübelte über die Bedeutung von Buße. 
„Dabei darf es nicht um Bestrafung gehen, sondern um das 
Bereuen des eigenen Fehlverhaltens“, befand er. Das setze 
die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben voraus – 
ob Politiker oder nicht. „Längst bin ich mit mir nicht immer 
zufrieden“, räumte er ein, „wir dürfen nicht aufhören, unsere Entscheidungen immer wieder zu hinterfragen.“

Am Rande der Gesellschaft

Die Frage des Tages freilich hatte dann die Landeskirche von Kurhessen-Waldeck bereits formuliert: „Geschlossene Gesellschaft?“ Ein dankbares Thema für den Landrat. Dr. Reinhard Kubat berichtete aus seinem 
 Arbeitsalltag, erzählte von Menschen, die sich von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlten. „Eine Mutter schrieb mir einen Brief, dass sie sich eine Chance für ihren Sohn wünscht, der den Hauptschulabschluss nicht 
geschafft hat“, berichtete er.

Frustrierte Schüler, ernüchterte Arbeitnehmer, angeschlagene Menschen: „Ausgrenzung und Abschottung kommen auch bei uns in Waldeck-Frankenberg vor“, betonte er. Dann stünden Menschen plötzlich 
vor verschlossenen Türen. „Aber wir wollen keine geschlossene Gesellschaft sein“, betonte er, „wie können wir Menschen ihre Bedeutung zurückgeben? Welche Türen müssen wir öffnen?“ Antworten könne der christliche Glaube geben, befand der Landrat dann und zog die Bibel hinzu: „Durch den Glauben seid ihr alle Gottes Kinder“, zitierte er aus dem Galaterbrief und zog seine eigenen Schlüsse. „Es ist mein Rat und meine Bitte“, sagte er, „den anderen nicht zu ächten, ihn nicht zu verstoßen, 
sondern ihm Türen zu öffnen“.

„Jeder ist etwas wert“

Das sei auch eine Chance der Adventszeit: „Wir müssen uns daran erinnern. Jeder kann 
etwas, jeder ist etwas wert“, 
 betonte er und griff dann zum Klassiker des Neuen Testaments. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe“, zitierte er aus dem Korintherbrief, „aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Jesu selbst öffne voller Liebe die Türen, befand er und rief die Menschen zur Nächstenliebe auf. „Lasst uns also Türen öffnen und beim Nächsten ein Licht anzünden“, schloss er.Und selbst diejenigen, die noch über Sinn und Unsinn 
eines Politikers auf der Kanzel grübelten, bedankten sich am Ende für eine unaufgeregte und mutmachende Rede des Landrats.

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