Amtsgericht verurteilt Bauern aus Waldeck-Frankenberg, weil er eine Kuh gequält und getötet hat

Landwirt muss wegen Tierquälerei ins Gefängnis

Korbach - Er sei sich keiner Schuld bewusst, erklärte ein Bauer aus dem Landkreis gestern auf der Anklagebank. Das Gericht entschied anders und verurteilte den 50-Jährigen zu einer Haftstrafe, weil er eine Kuh gequält und getötet hatte.

Er ist kein unbeschriebenes Blatt: Insgesamt viermal stand ein Bauer aus Waldeck-Frankenberg bereits vor Gericht, zweimal wegen Tierquälerei. Beide Urteile waren auf Bewährung ausgesprochen worden, die noch nicht abgelaufen war. Gestern nun musste sich der 50-Jährige erneut vor dem Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, gegen das Verbot der Tierhaltung und Tierpflege verstoßen zu haben und eine Kuh aus seinem Stall gequält und schließlich getötet zu haben.

Nach der Verurteilung 2010 hatte das Gericht dem Landwirt verboten, innerhalb der nächsten drei Jahre Rinder zu halten oder zu pflegen. Also hatte der Mann nach Lösungen gesucht, einen Teil der Tiere verkauft und schließlich eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet, die er gemeinsam mit einem Pächter betrieb - seine Frau und der Pächter übernahmen die Aufgaben im Stall, er die Verwaltung. Er habe allerdings auch mit gemolken und damit gegen die Regeln verstoßen, befand die Staatsanwaltschaft. Der Bauer widersprach.

Zum Verhängnis wurde ihm dann aber vor allem jener Sonntag im Mai 2013. Damals bat ihn seine Frau um Hilfe, weil sie beim Melken eine blutende Kuh in der Box gefunden hatte. Der Pächter hatte den Hof da bereits wieder verlassen, der Landwirt war auf der Suche nach Zukunftsmodellen. „Niemand war da, ich wollte nur in einer Notsituation helfen“, erklärte der Landwirt vor Gericht. Im Stall habe er eine Kuh mit Gebärmuttervorfall gefunden. Er habe erst versucht, den Tierarzt zu erreichen, und als das ohne Erfolg geblieben sei, versucht, die Gebärmutter wieder in den Körper der Kuh zu verfrachten. Das sei ihm auch gelungen, allerdings habe es gleich darauf einen zweiten Gebärmuttervorfall gegeben. Daraufhin hob der Landwirt die Beine des Tieres mit einem Frontlader an: „Das verursacht dem Tier schlimme Qualen“, befand die Amtsärztin im Zeugenstand. Der Bauer erklärte allerdings, das sei nötig gewesen, um die Kuh besser behandeln zu können. „Ich war in großer Sorge um das Leben der Kuh“, erklärte er. Damit habe er allerdings das Gegenteil bewirkt, beklagte die Staatsanwaltschaft. Die Kuh habe sehr gelitten. „Das war eine qualvolle Tat aus Rohheit“, warf ihm die Staatsanwältin vor.

Schließlich nahm der Landwirt ein Messer und schnitt dem unbetäubten Tier die Kehle durch. „Da war die Kuh schon tot“, erklärte der Bauer, „ich hatte Atmung und Reflexe geprüft.“ Die Menge des Blutes weise allerdings eher darauf hin, dass die Kuh noch gelebt habe, erklärte die Amtsärztin. Außerdem hätte er die Kuh wegen des Verbots gar nicht behandeln dürfen.

Das sei ein Notfall gewesen und deswegen habe er das Verbot kurzzeitig vergessen, betonte der Bauer. „Ich war mir keiner Schuld bewusst“, erklärte er. Freigiebig gab er deswegen auch am nächsten Tag dem Veterinäramt Auskunft über den Vorfall, das gekommen war, um über die Zukunft des Hofes zu sprechen.

Der Richter befand den Angeklagten schließlich für schuldig und verurteilte ihn zu acht Monaten Gefängnis. Die könnten wegen zweier offener Bewährungsstrafen nicht auf Bewährung ausgesetzt werden, erklärte der Richter. Außerdem verhängte er für drei weitere Jahre ein Tierhaltungsverbot. (resa)

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