missio-Truck an der Alten Landesschule klärt über Fluchtursachen auf

Lange Flucht auf 20 Metern

+
Die Religionslehrer Michaele Vorneweg und Franz Harbecke stöbern in einem ostkongolesischen Markt, der Ausgangspunkt für die Flucht durch Mittelafrika ist.Foto: Wilhelm Figge

Korbach - Knapp einen Meter lang und fünf Meter breit ist der Marktplatz, den die Schüler im Sattelzug vor der Alten Landesschule finden. Er stellt ein kleines Stück des östlichen Kongos dar.

Die Besucher riechen an Seifen und Gewürzen, als sie hören, dass marodierende Milizen näherrücken und sie schnellstens fort müssen. Im missio-Truck erleben die Schüler die Flucht aus der Sicht des Flüchtlings.

Den Sattelzug hat das katholische Missionswerk für zwei Tage aufgestellt. Knapp 100 Schüler aus evangelischen und katholischen Religionsklassen durchstreifen die Kulissen im Anhänger und treffen simulierte Charaktere.

Schon der Beginn der Reise setzt die „Flüchtlinge“ unter Druck: Während der Blick durch das Fenster den Angriff auf ihr Dorf zeigt, müssen sie sich entscheiden: Nehmen sie Wasser mit oder ihren Pass? Essen oder ein Taschenmesser? Die Entscheidung fällt unter Zeitdruck, Punkte belohnen, wie in manchem Videospiel, gute Entscheidungen - die Reise durch Zentralafrika bleibt aber immer problematisch, der Aufbau eines neuen Lebens stockt.

Rollenspiele

Die Schüler schlüpfen in eine von acht verschiedenen Figuren, etwa Händler Ntumba, Aushilfe Irene oder Medizinstudentin Christelle. Die Charakterbeschreibungen enthalten auch QR-Codes, anhand derer die Ausstellung auf die Persönlichkeiten reagiert. Die Rollen fallen ins Gewicht: Verschiedene Persönlichkeiten flüchten in unterschiedliche Städte, Männer verfolgt die Furcht vor dem Einzug in die Armee, Frauen die vor Vergewaltigungen, erklärt missio-Mitarbeiterin Miriam Horneber.

Am Ende der Reise steht die Aufklärung darüber, was die Schüler tun können. Wesentliche Konfliktursache in der Demokratischen Republik Kongo sind die Vorkommen an Coltan, einem für Mobiltelefone wichtigen Erz. „Um es plakativ zu sagen: Für Coltan liefern Handyhersteller Geld an die Milizen“, sagt missio-Mitarbeiterin Ann-Christine Verholen - ganz abgesehen davon, dass die Minen unsicher seien und die Bergleute ausgebeutet würden.

Eine Unterschriftenaktion soll die Produzenten zu ethischem Coltanhandel bewegen. „Und wir hoffen, dass die Schüler Handelsketten durchschauen und sich für Transparenz einsetzen“, sagt Ann-Christine Verholen.

Die Schüler, die gerade nicht die knapp 15-minütige Reise durch Zentralafrika hinter sich bringen, arbeiten diese Zusammenhänge mit den missio-Mitarbeiterinnen weiter auf.(wf)

Kommentare