Vor 60 Jahren wurde die Vasbecker Kirche nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder eingeweiht

Der lange Weg zum neuen Gotteshaus

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Diemelsee-Vasbeck - Am frühen Morgen des 23. Juli 1940 zerstören sechs britische Sprengbomben die Vasbecker Kirche. Erst 13 Jahre später findet die Wiedereinweihung statt. Den 60. Jahrestag feiern die Vasbecker am 6. und 7. Juli. Philipp Wilhelm Emde skizziert den Weg dorthin.

Die Zeiger der Turmuhr blieben am 23. Juli 1940 auf 2.45 Uhr stehen. Neben der stark beschädigten Vasbecker Kirche wurden auch die umliegenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude in Mitleidenschaft gezogen. Es sollte schließlich 13 Jahre dauern, bis die Wiedereinweihung erfolgen konnte.

Kein Material für Aufbau

Bis dahin hatten die Vasbecker einen beschwerlichen Weg vor sich. Bereits unmittelbar nach Kriegsende wollten sie mit dem Wiederaufbau beginnen, erste finanzielle Mittel waren dank erbrachter Spendengelder vorhanden (30000 RM). Es scheiterte zunächst an der Materialbeschaffung, denn allerorten setzten Aufbauarbeiten ein.

Nachdem im Frühjahr 1948 mit Ausschachtungsarbeiten am Keller begonnen und die Maurerarbeiten an die Vasbecker Baufirma Schilling vergeben wurde, beendete die Währungsreform am 20. Juni jegliche Bautätigkeit. Über den Winter erstellte das Hessische Staatsbauamt Korbach, unter dessen Aufsicht das Projekt stand, einen Aufbauplan. Dieser sah einen Wiederaufbau in vier Bauabschnitten vor: Zunächst sollte der Rohbau einschließlich Dacheindeckung vorgenommen werden (1949), bevor dann der Innenausbau (1950) und die Einbauten (1950/51) folgen sollten. Am Schluss standen bauliche Änderungen am Turm an, die aber so nicht ausgeführt wurden.

Der erste Bauabschnitt konnte dank unentgeltlicher Arbeitseinsätze (217 Tagewerke), eines Darlehens vonseiten der Landeskirche in Höhe von 10000 DM und finanzieller Hilfen durch die politische Gemeinde, die zum Beispiel durch Holzeinschlag im Gemeindewald 16000 DM erwirtschaftete, noch recht gut bewältigt werden. In Wal­deck herrschte vielfach die Ansicht: „Die reichen Vasbecker können sich selbst helfen.“ Doch die veranschlagten Kosten von über 70000 DM konnte die Gemeinde nicht eigenständig aufbringen.

Ermahnung für Maurer

Innerhalb der Gemeinde gab es geteilte Meinungen hinsichtlich der Bauausführung. So galt es zu klären, ob die Kirche wie vor der Zerstörung wieder eine Gewölbedecke oder aber eine kostengünstigere Holzbalkendecke erhalten solle. Eine Mitgliederversammlung vom 26. April 1949 brachte letztlich die Entscheidung für die schlichtere Variante.

Wenige Tage später begannen die Bauarbeiter mit den Abbrucharbeiten der nicht mehr zu verwendenden Mauerfragmente. Ein Mitarbeiter des Landeskirchenamtes Kassel merkte an, man solle doch vor Baubeginn zunächst kreisweit eine Sammlung durchführen. Dies würde zeigen, wie ernst der Gemeinde der Wiederaufbau ihres Gotteshauses sei. Obwohl Regierungsbaurat Müller zwischenzeitlich beklagte, mit nur einer verbliebenen technischen Arbeitskraft sowohl kirchliche, als auch staatliche Bauten ausführen zu müssen, ging der Bau gut voran. Am 8. August 1949 erfolgte sogar eine Ermahnung an Maurer Christian Schilling, die Arbeiten nicht nur rasch, sondern auch ordentlich und gewissenhaft auszuführen. So konnte Ende des Monats zum 70. Jahrestag der Errichtung erneut Richtfest gefeiert werden.

Im September machte das Landeskirchenamt noch einmal Änderungsvorschläge zur baulichen Ausführung. Einer der angeführten Punkte war: „Eine Verbesserung des sehr hässlichen Turmes wäre dringend erwünscht.“ Wie Bauzeichnungen belegen, gingen die Überlegungen hin zu einem Pyramidendach. Dieser Vorschlag kam jedoch nicht zur Ausführung, denn der achtseitige Turmhelm mit seinen vier Giebeln war und ist eine weithin sichtbare Besonderheit und ein Stück weit der Stolz der Vasbecker.

Pfarrer Schüttler war indes weniger mit baulichen Fragen beschäftigt: Er versuchte die finanziellen Mittel zu beschaffen, sodass der Bau nicht ins Stocken gerate. In einer „Bitte um Gewährung einer Beihilfe zum Wiederaufbau der kriegszerstörten Kirche“ vom April 1950 appellierte er an „Brüder und Schwestern [...] um Jesu Christi willen den deutschen Gemeinden in Not“ mit etwas Geld unter die Arme zu greifen.

Für Gottesdienste stand seit der Zerstörung der Kirche lediglich der vergrößerte Konfirmandensaal im Pfarrhaus bereit. Schüttler hoffte mit seinem Spendenaufruf zu erreichen, dass die Kirche ab Herbst behelfsmäßig genutzt werden könne. Und seiner Bitte wurde entsprochen: Im August leistete so zum Beispiel die Waldeckische Domanialverwaltung einen „einmaligen Zuschuss in Höhe von 2000 DM“.

Altarkreuz mit Blattgold

Palmsonntag 1951 konnte in der noch im Rohbau liegenden Kirche zum ersten Mal wieder Konfirmation gefeiert werden. Die Kirchenbänke fehlten zwar noch, doch mit Stühlen behalfen sich die Besucher. Im Sommer erfolgten der Einbau des Gestühls, der Orgelempore und der Kanzel. Ihre Weihe erhielt die Michaels-Kirche am 23. Juli 1953 - dem 13. Jahrestag ihrer Zerstörung.

An die Vorgängerkirche erinnern nur noch das Altarkreuz und die Altarbibel, deren Neues Testament von einem Bombensplitter durchschlagen worden war. Beide hatte man aus dem Schutt der eingestürzten Kirchenruine retten können. Zum Festgottesdienst anlässlich des 60. Jubiläums der Wiedereinweihung wird sich das Altarkreuz den Besuchern erstmals wieder in seiner ursprünglichen, mit Blattgold versehenen Gestalt zeigen.

Das Programm

Anlässlich des 60. Jahrestages der Wiedereinweihung der Vasbecker Kirche findet an zwei Tagen ein Gemeindefest statt. Los geht es am Samstag, 6. Juli, ab 19 Uhr mit dem „Abend der Begegnung“ auf dem Kirchhof. Dort gibt es Grillwürste und Getränke. Am Sonntag, 7. Juli, geht es um 14 Uhr mit einem Festgottesdienst mit Propst Helmut Wöllenstein weiter. Um 15.30 Uhr gestaltet die Kindertagesstätte „Sinai“ mit Kindern einen Tauferinnerungsort in der Kirche. Durch diesen lädt um 16 Uhr Philipp Emde zum historischen Rundgang ein. Im Anschluss gibt um 17 Uhr der Kammerchor der Christian-Rauch-Schule Bad Arolsen ein Konzert. Der Abschluss des Gemeindefestes findet um 18 Uhr mit einer Taizé-Andacht von Astrid Behle statt.

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