Wie die Krankheit den Alltag verändert

Leben mit der Demenz

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Jeden Tag besucht Ludwig Maslauke seine Ehefrau. Strukturen können Demenzkranken den Alltag deutlich erleichtern.

Korbach. Bei Demenz gibt es kein Zurück. „Was einmal verloren ist, können wir nicht zurückbringen“, sagt Ergotherapeutin Sarah Paul, Leiterin des Teams „Soziale Betreuung“ im Haus am Nordwall. Allerdings könne der Krankheit, die im Gehirn verankert ist, mit Strukturen und Ernährung etwas entgegengesetzt werden.

Und deswegen erhält jeder Bewohner in der Pflegeeinrichtung, dessen Arzt eine Demenz diagnostiziert hat, einen entsprechenden Betreuungsplan. „Dann arbeiten wir ganz nah an der Biografie des Bewohners“, erklärt die kommissarische Einrichtungsleiterin Ribana Klabunde. Wer früher viel im Haushalt geschafft hat, der wird beim Tischdecken eingebunden. Wer gerne singt, mit dem werden Lieder gesungen. „Das sind Strukturen, in denen sich Demenzkranke wohl und sicher fühlen“, sagt Sarah Paul. Und so können den Betroffenen geholfen werden, sich so wohl wie möglich zu fühlen.

 Weil die Menschen immer älter werden, Demenz häufiger diagnostiziert wird, reagieren die Experten. „Wir richten immer mehr Wohnzimmer ein“, erklärt Ribana Klabunde. Weil sich Betroffene in großen Räumen mit fremden Menschen oft verloren fühlen, werden kleine Wohngemeinschaften gegründet. Zimmer eingerichtet, die an das eigene Wohnzimmer erinnern sollen. Und: „Wir bewerten die Gefühle der Menschen nicht“, sagt Sarah Paul, „wir nehmen sie ernst.“ Denn Menschen mit Demenz ziehen sich oft in ihre eigene Welt zurück, finden keine Antworten auf ihre Fragen, haben ihre eigenen Wahrheiten. „Und wenn wir sie dort nicht abholen, dann werden sie aggressiv“, weiß die Ergotherapeutin. 

Ein Beispiel: Eine Bewohnerin erklärt verzweifelt, sie müsse dringend zu ihrer Mutter. „Dann sagen wir ihr nicht: Ihre Mutter ist doch schon vor einer ganzen Weile gestorben“, sagt Ribana Klabunde. Dann gilt es, Gefühle wider zu spiegeln und aufzugreifen. Und nicht nur Demenzkranke selbst, brauchen Unterstützung. „Die Krankheit überfordert Angehörige“, weiß Ribana Klabunde. Weil Demenzkranke häufig nicht sofort den Eindruck machen, pflegebedürftig zu sein, falle es Angehörigen oft noch schwerer, sie in eine Pflegeeinrichtung zu geben. „Aber damit macht man es keinem leichter“, sind sich beide einig. (resa)

Mehr dazu lesen Sie in der WLZ am Mittwoch, 10. August.

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