In Adorf schrumpft der Einzelhandel · Gemeindevorstand erarbeitet Förderprogramm für Ladenlokale

Leerstände sind kein Aushängeschild

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Vom Aussterben bedroht: Im Adorfer Ortskern stehen immer mehr Läden leer. Besonders alarmierend ist die Situation in der Bredelarer Straße. In der Hauptstraße sowie in der Arolser und Rhenegger Straße zeugen leere Schaufenster ebenfalls von den Problemen,

Diemelsee - Adorf - Einkaufen ist in vielen der Diemelseer Ortsteile kaum mehr möglich. Selbst in Adorf geht die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte immer weiter zurück. Die Zahl der Leerstände ist alarmierend. Die Gemeinde will nun mit einem Förderprogramm entgegen wirken.

Wer durch den größten Ort der Gemeinde läuft, bekommt schnell den Eindruck, dass die Zahl der leeren Schaufenster mindestens so hoch ist wie die der Auslagen mit attraktiven Waren.

Ob Quelle, Kik, Schlecker, Modehaus, Blumenladen oder Bäckereien, ob in der Haupt-, Rhenegger, Bredelarer oder Arolser Straße – viele Einzelhändler haben sich in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen zurück gezogen: Bei den einen fehlt der Nachfolger, für andere sind Ladenlokale auf dem Land unwirtschaftlich. Das Blumenhaus zog zum Beispiel extra noch einmal in kleinere Räume um, konnte sich aber auch dort nicht behaupten.

Landleben schreckt ab

„Wir bieten die leerstehenden Immobilien permanent an, aber es wird immer schwieriger, jemanden aufs Land zu holen, der seinen Betrieb hier auch wirtschaftlich betreiben kann“, berichtet Bürgermeister Volker Becker. Nach der Schlecker-Insolvenz habe er zum Beispiel Gespräche mit anderen Drogeriemarktketten geführt. Die Chancen, dass sich einer der Marktführer in Adorf ansiedele, seien jedoch gering.

Möbelmarkt kündigt sich an

Laut Becker ist es auch immer wieder Ziel der Bemühungen, den Komplex in der Bredelarer Straße, in dem zuletzt ein Textildiscounter und eine Bäckerei untergebracht waren, neu zu beleben. Das Gebäude steht inzwischen ebenso leer wie einige benachbarte Ladenlokale. „Auf dem gesamten Areal im Ortszentrum hätten wir gern den Netto-Markt platziert“, erklärt der Bürgermeister. „Wir sind aber leider nicht mit allen Eigentümern überein gekommen.“

Als die Gemeinde entscheidet, die ehemalige Molkerei nebenan abzureißen, macht der Bürgermeister einen weiteren Vorschlag: „Wir haben angeboten, das Gebäude mit abzureißen, um Platz zu schaffen.“ Auch in diesem Fall kommt es zu keiner Einigung. Umso erfreuter ist Becker, als bekannt wird, dass ein Möbelladen in das Gebäude einziehen will. „Die Möbelhalle“ kündigt ihren Einzug per Plakat für Juni an. Bis heute hat sich nichts getan. „Der Eigentümer hat mir am Donnerstag versichert, dass der Möbelmarkt bald einziehen wird“, teilt Becker auf WLZ-Anfrage mit.

Ortskerne erhalten

Über Gespräche mit möglichen Investoren hinaus bieten die Diemelseer dem demografischen Wandel aber auch anderweitig die Stirn: Mit Förder- und Beratungsprogramme für Privatleute (wir berichteten, weitere Informationen unter www.diemelsee.de) wollen sie Leerstände beseitigen, die Ortskerne erhalten und neue Bürger gewinnen. Wer leerstehende, erhaltenswerte Gebäude sanieren will, wird kostenlos beraten und kann ein zinsloses Kleindarlehen bekommen. Darüber hinaus bietet die Gemeinde kommunale Bauplätze seit einiger Zeit vergünstigt an. Bei ihrer Sitzung am 2. November verlängerten die Gemeindevertreter das Angebot um ein weiteres Jahr bis Ende 2013.

Vor Ort einkaufen

Da auch leerstehende Ladenlokale keineswegs ein Aushängeschild für die Gemeinde sind, geht der Gemeindevorstand nun noch einen Schritt weiter: „Wir arbeiten derzeit ein Förderprogramm für Ladenlokale aus“, berichtet der Bürgermeister. Er könne sich beispielsweise vorstellen, dass die Gemeinde pro Quadratmeter angemieteter Ladenfläche einen bestimmten Zuschuss zur Miete gewähre. Weitere Ansatzpunkte, um dem Ladensterben entgegen zu wirken, bietet das Einzelhandelskonzept, das im Rahmen des Leader-Programms erstellt wurde.

Obwohl die Präsentation im Februar 2011 nur wenig neue Erkenntnisse brachte, enthält das Konzept doch einige gut Tipps, um Kaufkraft nach Diemelsee zurück zu holen:

Die Diemelseer selbst müssen den heimischen Einzelhandel mehr nutzen anstatt den Einkauf am Arbeitsort zu erledigen.

Gemeinde und Einzelhändler können mit Wohnortnähe und Parkplatzangebot werben.

Da Einkaufen auch immer etwas fürs Auge ist, sollte am optischen Erscheinungsbild des Ortes gearbeitet werden. Alte Plakate an leeren Schaufenstern sorgen keineswegs für Einkaufsatmosphäre. Dass selbst leerstehende Geschäfte dazu beitragen können, beweist das ehemalige Modehaus, in dessen Schaufenster sich ein Malerbetrieb freundlich präsentiert.

Die Diemelseer beklagen in der Studie, dass vor allem Bekleidung und Schuhe im Sortiment fehlen (Anm. d. Red.: Die Experten befragten die Bürger vor der Schließung des Schlecker-Markts). Diese Branchen könnten somit Potential haben.

Bestehendes bewahren

Blickt der Bürgermeister auf die Entwicklung des Einzelhandels in den vergangenen Jahren zurück, bedauert er vor allem eins: Um Rücksicht auf Schlecker zu nehmen, verwarf die Gemeinde die Idee, einen Drogeriemarkt neben dem Netto anzusiedeln. Wenn sich Volker Becker etwas für die Zukunft des Adorfer Einzelhandels wünschen dürfte, wären dies folglich ein Drogeriemarkt sowie ein Geschäft für Blumen und Gartenbedarf. Zu hoffen bleibt weiterhin, dass die bestehenden, oft alt eingesessenen Familienbetriebe auch künftig mit attraktiven Auslagen Kunden nach Adorf locken.

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