Diemelsee

„Lehrmeisterin fürs Leben“

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- Diemelsee (nv). „Ich bin doch kein Waldecker“: Mit diesen Worten lehnt Karl Baus den Vorsitz im Diemelseer Geschichtsverein 1999 ab. Kurze Zeit später übernimmt der Historiker das Amt doch. Die Leidenschaft für die waldeckische Geschichte hat gesiegt. Am 19. April zieht er sich zurück.

„Dieser Schritt ist kein Rücktritt“, betont der Historiker, Theologe und Philosoph, der in Münster und Benkhausen zu Hause ist. „Dem Verein, in den ich so viel Herzblut investiert habe, bleibe ich natürlich erhalten. Das musste ich meinem Nachfolger auch versprechen.“ Wer den Vorsitz bei der Jahreshauptversammlung am 19. April übernehmen soll, das verrät Baus aber nicht.

Derzeit gehören dem Vorstand der ersten Bezirksgruppe des Waldeckischen Geschichtsvereins, die 1949 gegründet wurde, neben Baus sein Stellvertreter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling (Benkhausen), Schriftführer Armin Hillebrand (Stormbruch) und Kassierer Karl-Friedrich Biederbick (Ottlar) an. Hinzu kommt, seit Baus an der Spitze ist, ein Beisitzer aus jedem Ortsteil.

Als Baus den Vorsitz 1999 übernimmt, ist die Erweiterung des Vorstandes für ihn der erste Schritt, um allen Diemel
seern ihre Ortsgeschichte näherzubringen. Der zweite ist die Umbenennung vom Adorfer zum Diemelseer Geschichtsverein. „Die Aktivität in den Ortsteilen hat daraufhin merklich zugenommen“, erklärt Baus erfreut. Derzeit zählt der Verein 113 Geschichtsfreunde.

„Weil ich Historiker bin, habe ich mich gründlich mit der waldeckischen Geschichte beschäftigt“, erklärt der 69-Jährige seine Leidenschaft für die Ortsgeschichte. Bei seinen Recherchen entdeckt er beispielsweise, 
dass Benkhausen älter ist als 
gedacht und 1997 sein 925-jähriges Jubiläum feiern kann. Die Ortschronik zur Jahrfeier verfasst Baus dann gemeinsam mit den Diemelseern, ebenso das Ortssippenbuch.

Neben seiner Leidenschaft für die waldeckische Geschichte sind es nicht zuletzt die 
guten Erfahrungen in Benkhausen, die ihn dazu bewegen, Vorsitzender des Geschichtsvereins zu werden. „Das Amt war lange vakant. Fritz Pohlmann und Karl Welteke haben mich schließlich überredet. In meiner Antrittsrede habe ich aber betont, dass ein Waldecker übernimmt, sobald er am Horizont auftaucht“, lächelt Baus. Obwohl der Verein bis heute keine Probleme hat, Vorstandsmitglieder mit waldeckischen Wurzeln zu finden, bleibt Baus zwölf Jahre lang erster Mann.

Für die Zukunft des Vereins wünscht sich der scheidende 
Vorsitzende: die Veröffentlichung der fehlenden Ortssippenbücher, die Ausdehnung der Ortsbegänge auf die Umgebung („Flurnamen sind wichtige historische Quellen“), die Dokumentation der niederdeutschen Mundart („Retten können wir das Platt nicht mehr“) und allen voran die Vermittlung der Ortsgeschichte an junge Leute – denn von zwei Dingen ist Baus überzeugt:  „Die große Geschichte spiegelt sich darin wider“ und  „die Geschichte ist Lehrmeisterin fürs Leben. Um die Gegenwart zu begreifen und die 
Zukunft zu planen, musst Du wissen, wo Du herkommst.“

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 09. April.

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