Naturpark Diemelsee fördert Energiewende, aber nur unter bestimmten Kriterien

Leitlinie zum Bau von Windrädern

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Diemelsee - Adorf - Der Naturpark unterstützt die Energiewende, aber nicht um jeden Preis: Um Naturschutz und naturnahen Tourismus nicht zu gefährden, verabschiedeten die Vertreter von Zweckverband und Verein gestern eine Resolution.

Turbulent geht es in Diemelsee zu, seitdem die Pläne für den ersten Windpark im Naturpark Diemelsee bei Rhenegge bekannt wurden (wir berichteten).

Da die Energiewende aber auch in einigen anderen der fünf Naturpark-Kommunen zu Diskussionen führt, erarbeitete das Team um Naturpark-Geschäftsführer Dieter Pollack als künftige Leitlinie die „Resolution zur Nutzung erneuerbarer Energien und der Errichtung von Windenergieanlagen im Naturpark Diemelsee“.

Artenvielfalt schützen

„Die Resolution ist für den Zweckverband und die Mitgliederversammlung des Vereins gleichlautend“, betont Diemelsees Bürgermeister Volker Becker, zugleich Vorsitzender des Naturpark-Vereins. Bei ihren Sitzungen in Adorf sprechen sich die Vertreter beider Gremien für das Papier aus.

Eckpunkte der Resolution sind:

- Der Naturpark unterstützt die Energiewende grundsätzlich, also die Nutzung von Holz, Wasser- und Windkraft sowie Solarenergie und den Betrieb von Biogasanlagen.

- „Naturparke sind unverwechselbare Natur- und Kulturlandschaften, die sich (...) besonders für die Erholung eignen.“ Natur- und Artenschutz spielen eine große Rolle.

- Die Natur hat darüber hinaus touristischen Wert. Schlussfolgerung ist, dass Anlagen nur „an natur- und landschaftsverträglichen Standorten unter Berücksichtigung der touristischen Ansprüche“ zugelassen werden.

Die Naturpark-Vertreter verabschieden dazu einen Katalog mit sechs Kriterien:

1. Kernzonen: Gebiete mit hoher Artenvielfalt oder schutzwürdigen Arten bleiben frei.

2. Tourismus / Bündelung von Flächen: Weithin sichtbare Anlagen und „Verspargelung“ sind zu vermeiden, das charakteristische Landschaftsbild und der Erholungswert sind zu wahren.

3. Einzelanlagen sind generell nicht statthaft.

4. Repowering: ist dem Neubau vorzuziehen, wenn der Naturschutz nicht entgegensteht.

5. Erschließung: Erschlossene Standorte sind vorzuziehen.

6. Beteiligung: Der Zweckverband ist zu allen Vorhaben, die den Naturpark und angrenzende Gebiete betreffen, zu hören.

Entscheiden tun andere

Wo Windkraftanlagen gebaut werden und wo nicht, entscheiden zwar zu guter Letzt nicht die Naturpark-Vertreter. Als Träger öffentlicher Belange wird der Zweckverband bei Genehmigungsverfahren aber stets befragt. Becker: „Geschäftsführer Dieter Pollack kann bei seiner Stellungnahme künftig also auf die Resolution verweisen.“ Welche Auswirkungen der Beschluss auf geplante Windparks, zum Beispiel bei Rhenegge, wo der NABU eine große Artenvielfalt dokumentiert hat, oder zwischen Brilon und Willingen hat, bleibt abzuwarten.

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