Ortsbegehung des Waldeckischen Geschichtsvereins in Korbacher Ortsteilen

Lelbach: Geheimnisse der Geschichte

+
Historischer Ortsrundgang in Lelbach, v. l.: Ortsvorsteher Manfred Schatz läutete mit der alten Dorfschelle, wenn Georg Kleine und Hans-Jürgen Wege (r.) an verschiedenen Stationen äußerst versiert über die Ortsgeschichte berichteten.

Korbach - Lelbach - Mit dem historischen Ortsrundgang in Lelbach landete der Waldeckische Geschichtsverein in Korbach einen weiteren Erfolg. Rund 160 Lelbacher und Gäste ließen sich von Geschichte(n) verzaubern.

Erste urkundliche Erwähnung, Waldecker Grafen, Kirche, historische Häuser, der „Eiskönig“ von Lelbach, amerikanische Panzer bei Kriegsende - der Aufbruch in die Geschichte zeichnete am Samstag ein facettenreiches Bild des Korbacher Ortsteils. Die Bezirksgruppe Korbach im Waldeckischen Geschichtsverein, der Lelbacher Ortsbeirat und die fleißigen Hände der Vereine hatten die geschichtsträchtige Tour glänzend vorbereitet.

Kriegsende mit Panzern

Im Blickpunkt standen zwei Ortskundige, die durch aufwendige Recherche und Archivarbeit die Lelbacher Geschichte hautnah und plastisch präsentierten: Georg Kleine und Hans-Jürgen Wege. Gekleidet in den blauen Waldecker Bauernkitteln, führten Wege und Kleine gemeinsam mit Ortsvorsteher Manfred Schatz den Streifzug durchs Dorf an.

An einen „schwarzen Tag“ des Jahres 1945 konnte sich Georg Kleine selbst noch gut erinnern, auch wenn der Lelbacher damals erst drei Jahre alt war. Denn solch dramatische Ereignisse bleiben ein Leben lang im Gedächtnis: 30 US-amerikanische Panzer rückten am 29. März 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, aus Richtung Lengefeld nach Lelbach vor.

Deutsche SS-Männer hatten sich in Lelbach aussichtslos mit Panzerfäusten postiert, schossen eines der mächtigen Kettenfahrzeuge der Amerikaner in Brand. Anschließend eröffnete die US-Armee das Feuer, legte sechs Häuser und zahlreiche Wirtschaftsgebäude in Trümmer. Vier SS-Soldaten wurden erschossen, wie durch ein Wunder wurde aber kein Lelbacher durch den Granatenhagel getötet.

An insgesamt acht Stationen im alten und im neuen Teil Lelbachs schilderten Kleine und Wege wichtige Daten, Episoden und Besonderheiten des Dorfs. Keimzelle vor über 1000 Jahren war das alte Ortszentrum, wo sich heute Stadtweg und Richtsweg kreuzen. Zusammen mit Korbach und Rhena wurde „Lellibecchi“ 980 erstmals in einer kaiserlichen Urkunde erwähnt.

Lellibecchi bis Lelbach

Die Verbindung des alten „Vorwerks“ Lelbach mit seinen Höfen und Kötter-Siedlern zur späteren Hansestadt Korbach blieb stets intensiv. Denn nur 113 Jahre - von 1858 bis 1971 - war Lelbach eine selbstständige Gemeinde. Waldecker Grafen, die Herren von Rhena, wohlhabende Korbacher Bürger - sie alle profitierten über Jahrhunderte von Zehntabgaben und Landbesitz in Lelbach, wie Hans-Jürgen Wege in seinem geschichtlichen Überblick berichtete.

Ein kulturhistorisches Juwel ist die Kirche in Lelbach mit ihren romanischen Ursprüngen aus dem 12. Jahrhundert. Im Dachreiter läutet noch eine Glocke aus dem Jahre 1298, die damit zu den ältesten erhaltenen im Waldecker Land zählt.

Dorfteich und altes Spritzenhaus sind ebenso markante Punkte in der Historie Lelbachs. Der Teich wurde um 1300 aus dem Bachlauf aufgestaut, die „Bicke“, wie es in vielen Wal­decker Dörfern heißt. Vom Trinkwasser fürs Vieh bis zum Löschwasser hatte der Teich viele Funktionen - ebenso als Fischzucht. Und im Winter genossen die Kinder ihre Rutschpartien über die Eisfläche.

Dorfteich, Spritzenhaus

Für den Brandschutz teilten sich die Lelbacher und die Lengefelder derweil lange eine Feuerwehrspritze. Erst 1850 entstand in Lebach ein eigenes Spritzenhaus, das direkt am Dorfteich gebaut wurde.

Dem Teich wurde indes alsbald das Wasser abgegraben. Einmal durch den Eisenbahnbau 1913, der Richtung Rhena ein Feuchtgebiet zerstörte. Überdies sorgten später Sprengungen für den Kanalbau in Lelbach für Risse in der Teichsohle.

Wasser war in Lelbach auch Quell für Gut Erlheim, das außerhalb in der Gemarkung liegt. 1394 waren Gutshof und Mühle im Besitz der Herren von Rhena. 1541 sprachen die Wal­decker Grafen die Einkünfte des Gutshofs dem Korbacher Bürgermeister zu. Heute liegt bei Gut Erlheim ein Wasserwerk der Stadt.

Der „Eiskönig“

Legendär ist bis heute ein weiterer Meister des Lelbacher Wassers: Bauer Wilhelm Öhl machte bis in die 1940er-Jahre als „Eiskönig“ von sich reden. Auf dem zugefrorenen Teich in den Erlenwiesen wurde Eis gebrochen, das Brauereien, Getränkehändler, Metzger und Gastwirte nutzten, um ihre Waren zu kühlen. Der „Eiskönig“ wurde 96 Jahre alt und trug bis zum Tode 1950 noch den blauen Bauernkittel - als letzter Lelbacher.

„Es ist wie ein Virus, der einen nicht mehr loslässt, wenn man sich einmal mit der langen Dorfgeschichte befasst hat“, unterstrich Ortsvorsteher Manfred Schatz am Samstag fasziniert. Hans Pohlmann, Vorsitzender der Bezirksgruppe Korbach im Waldeckischen Geschichtsverein, versprach deshalb, die Korbacher Dörfer auch in Zukunft ins Rampenlicht zu rücken. Lelbach war seit dem Auftakt 2007 in Nordenbeck der sechste Ortsteil in Serie.

Im kommenden Jahr soll das nächste Dorf folgen - zum Aufbruch in eine spannende Vergangenheit.

Hintergrund

In einem Tauschvertrag zwischen Kaiser Otto II. und dem Reichsstift Corvey wird Lelbach zusammen mit Rhena und Korbach im Jahre 980 erstmals urkundlich erwähnt. Die Urkunde wurde am 15. September ausgestellt.

Auf den Tag genau luden Ortsbeirat und Waldeckischer Geschichtsverein am Samstag zum historischen Streifzug. 1858 wurde Lelbach durch eine Regulierung der Gemarkung in Korbach zur eigenständigen Gemeinde.

Bei der Gebietsreform in Hessen 1971 schloss sich Lelbach wieder der Kreisstadt an. Um 1672 zählte Lelbach 16 Häuser mit 104 Einwohnern, aktuell hat Lelbach 179 Wohnhäuser und 676 Bewohner.(jk)

Kommentare