Mit Nachhilfeunterricht zusätzliche Herausforderungen des Schulalltags auffangen

Lernen auch nach dem Schulgong

+

- Korbach (rg/tf). Seit Schüler auch nachmittags zur Schule gehen, wird die Zeit für Freizeit knapp. Um im Unterricht mitzukommen, nehmen viele Kinder und Jugendliche nach der Schule noch Nachhilfe – ein zeitlicher und finanzieller Aufwand.

Nicole Gutknecht ist von Büchern umgeben und konzentriert sich auf ihr Heft. Wenn sie nicht weiter weiß, bekommt sie Hilfe. Dann nämlich springt ihre Nachhilfelehrerin ein, die ihr über die Schulter guckt und Fehler korrigiert.„Zwölf Prozent aller Schüler nehmen laut der Synovate Studie von 2007 Nachhilfe“, erklärt Sabine Angelkorte, Sprecherin der „Schülerhilfe“. Die Stiftung Warentest spricht sogar von jedem vierten Schüler. Warum ist Nachhilfe für viele Schüler so wichtig? „Seit G8 ist der Unterricht viel schwieriger geworden“, sagt Nicole Gutknecht. Sie stehe unter großem Druck. Wegen großer Klassen hätten viele Lehrer auch wenig Zeit, den Stoff allen Schülern gründlich zu erklären. „Außerdem gibt es häufig Unterrichtsausfall“, beklagt sich die Schülerin. Dann drängt die Zeit. Ein Weg die versäumten Unterrichtsstunden nachzuholen, sei die Nachhilfe.

Das bedeutet für viele Schüler: Lernen auch nach der Schule. „Es war meine eigene Idee, Nachhilfeunterricht zu nehmen“, erzählt die Schülerin der Alten Landesschule, „auch wenn der Unterricht manchmal lästig ist“. Nicole Gutknecht bekommt immer nur vor Klassenarbeiten Nachhilfe, in den Fächern, in denen sie gerade Hilfe benötigt – das ist mal Mathe, mal Deutsch und mal Französisch. Viele Schüler nutzen diese Möglichkeit vor Arbeiten oder wenn Abschlussprüfungen anstehen. „Sobald Lerndefizite erkennbar werden, sollte jeder Schüler über Nachhilfe nachdenken“, sagt Sabine Angelkorte, „je eher er mit der außerschulischen Förderung beginnt, desto schneller ist er wieder fit für den Schulalltag und kann wieder selbstständig lernen“. Je größer allerdings die Defizite, desto umfangreicher müsse die Förderung sein.

Bleibt die Frage nach den Kosten. „Wir bieten Nachhilfe ab 8,70 Euro die Stunde an“, sagt Sabine Angelkorte. Nicole Gutknecht hat sich privat um Nachhilfe gekümmert und bezahlt sechs Euro die Stunde. „Deshalb bekommen vermehrt Kinder aus höheren Bildungs- und Einkommensschichten Nachhilfe, was womöglich die soziale Selektion verschärft“, beklagt das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS). Dem will die Alte Landesschule in Korbach entgegen wirken und bietet in den Fächern Mathematik, Deutsch, Englisch, Französisch und Latein je nach Jahrgangsstufe das Projekt „Schüler helfen Schülern“ an. Ältere Schüler helfen den Jüngeren. Der Unterricht kostet 1,50 bis drei Euro pro Stunde, es wird in Kleingruppen gelernt.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Dienstag, 17. Januar

Kommentare