Als Mandeln, Zuckerwatte und Karussells noch Kinderherzen pulsieren ließen

Der letzte Herbstmarkt

Korbach - Der Abschied dauert drei Tage: Von Freitag bis Sonntag läuft auf der Hauer der letzte Korbacher Herbstmarkt. Der Kiliansmarkt im Frühjahr bleibt bestehen.

„Ja, das macht mich schon traurig“, gesteht Alexandra Peyker ein. Die Marktmeisterin ist für die Schausteller und Händler seit Jahren das Gesicht der Korbacher Viehmärkte – Organisatorin und freundschaftliche Gesprächspartnerin gleichermaßen. Für „Alex“ bedeuten die Märkte also weit mehr als einen kleinen Teil des Berufslebens. „Das ist auch Berufung, eine kleine Stadt für sich. Alle sind in diesen Wochen eine große Familie. Das lässt sich kaum beschreiben“, schildert die Marktmeisterin. Und wenn Sonntagnacht die letzten Lichter auf der Hauer ausgehen, dann mag sie am liebsten gar nicht da sein. Mandeln, Mohrenköpfe, glasierte Äpfel und Karussellfahrten – „das gab es früher nur auf dem Viehmarkt“, erinnert sich Alexandra Peyker wie viele Korbacher an die Kindheit. Aber die Zeit lässt sich nun mal nicht zurückdrehen, auch das weiß die Marktmeisterin ganz genau. Große Freizeitparks und die multimediale Computerwelt stehlen kleineren Jahrmärkten seit 20 Jahren immer mehr die Schau. Und der Familienspaß auf dem Rummelplatz hat auch rein statistisch nur noch das halbe Gewicht: Es werden in Deutschland eben heutzutage nur halb so viele Kinder geboren wie noch in den 1960er-Jahren. Die Generation der Halbstarken ist also wirklich nur noch halb so stark – wovon auch Kneipen, Discos, Dorf- oder Fahrschulen ein Liedchen singen können. Über die Zukunft des Herbstmarkts in Korbach gab es deshalb schon seit Mitte der 1990er-Jahre Diskussionen. Noch intensiver, seit in Korbach ab 1998 das Altstadt-Kulturfest ganz neue Besucherströme zieht.Angesichts schwindender Gästezahlen beim Jahrmarkt und knapper Kasse hat die Stadt Korbach im Frühjahr 2014 also die letzte Runde für den Herbstmarkt eingeläutet. Etliche Schausteller sind schon nicht mehr dabei, mancher beliebte Händler ist diesmal an ganz anderer Stelle auf der Hauer zu finden. Statt „Break Dance“ füllt etwa Gardinen-Willi ausnahmsweise den Platz vor der Sporthalle – aber auch bei Wilhelm Bender geht’s für Besucher ja bekanntermaßen rund. Von Jörg Kleine

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