Hirschtragödien in der Feldmark bei Medebach und Rhadern · Drahtzäune als tödliche Fallen

Der letzte Kampf des „Hausmeisters“

Qualvolles Ende auf der Weide: „Hausmeister“ hatte sich im Stacheldraht hoffnunglos verkämpft. Fotos: pr

Lichtenfels/Medebach. - Der „Hausmeister“ ist tot. Er kämpfte einen langen, aber aussichtslosen Kampf mit einem unbesiegbaren Gegner: Stacheldraht.

Am Sonntag, 13. Oktober, informierte der Landwirt Wilhelm Schreiber den Revierjäger Bernd Vogt vom Forstgut Faust, der für das Revier im Jagdbezirk Medebach III zuständig ist, dass auf seiner Wiese ein verendeter Hirsch läge. Vogt erkannte sofort das vor ihm liegende Tier: Es handelte sich um einen kapitalen Hirsch, der in der Forstverwaltung Faust auf den Namen „Hausmeister“ getauft worden war. Nach Auskunft des Rotwildsachverständigen für den Hochwildring Hochsauerland, Burandt, war „Hausmeister“ wohl der stärkste Hirsch der Region. Er war den Jägern seit Jahren bekannt und wurde wegen seiner guten Veranlagung von allen geschont.

Wegen der anbrechenden Dunkelheit konnte das Ausmaß des Todeskampfes erst am kommenden Morgen festgestellt werden. Das Tier hatte sich im Stacheldraht einer aufgelassenen Weide verfangen und dabei auch mehrere Pfähle aus der Erde gerissen. Der - vergebliche - Befreiungskampf muss über Stunden, wenn nicht Tage gegangen sein und führte dann wahrscheinlich zu einem Herzversagen durch Erschöpfung.

Genau eine Woche später erlitten zwei weitere Hirsche in der Gemeindejagd Rhadern das gleiche Schicksal: Sie hatten sich in einem Elektrozaun an einem Maisfeld tödlich verkämpft, wie Revierpächter Tillkorn mitteilte. Die Fotos lassen erahnen, welche Qualen die Hirsche bei ihrem Todeskampf erlitten haben müssen.

Wegen der Häufung dieser Wildunfälle durch losen Zaundraht oder schlecht erhaltene Zäune hat die Forstverwaltung Faust, die dieses Revier jagdlich bewirtschaftet, in ihrem Forst inzwischen alle Gatterzäune aus Metall entfernt und durch Hordengatter aus Holz ersetzt. Jedes Jahr wurde verendetes Wild in den Zäunen gefunden oder schwer krankes Wild, welches an den Läufen noch Gatterdraht aufwies und von seinen Qualen erlöst werden musste.

Norbert Vossen vom Forstgut Faust richtet an die Landwirte der Gemeindejagd Medebach III die dringende Bitte, dem Revierjäger mitzuteilen, welche nicht mehr gebrauchten Drahtzäune entfernt werden können. Er appelliert mit Nachdruck an alle, keine losen Drähte im Wald zu belassen und Zäune, sobald sie nicht mehr gebraucht werden, auch wieder abzubauen. Das Wild kann die hier lauernden tödlichen Gefah- ren für sich nicht erkennen.(r)

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