300 Jahre musikalische Tradition kommen in St. Marien zum Klingen

Mit Liebe und Musik zum Fest

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Korbach - Klassische Weihnacht aus der Perspektive von Barock, Klassik, Romantik und Postmoderne stand beim Adventskonzert in Sankt Marien auf dem Programm.

Mehr als 300 Jahre musikalische Tradition mit wechselnden Schwerpunkten und Kontinuitäten über die Epochen hinweg kamen zum Klingen – nicht nur beim immer wieder gewählten Wiegenrhythmus und Glockenklang, sondern auch bei der Aufnahme tänzerischer Elemente aus weltlicher Musik. Gerade das jüngste Werk im Programm verband Elemente von Euro-Disco mit der Frohen Botschaft. Das „Ring all the bells“-Intro des Chores bei Roger Emersons „Alleluia Noel“ erinnerte an den Pop der späten 70er und ging entsprechend gut ein. Der Einzug des Chores mit dem Hymnus „Mache dich auf und werde Licht“ war ein aus den vorigen Jahren vertrautes Element bei den gemeinsamen Auftritten des Kirchenchores an St. Marien und des gemischten Chores der Alten Landesschule.Als jubilierender klassischer Auftakt eröffnete Michael Haydns „Salve Regina“ unter der Stabführung von Bernhard Uteschil das Programm, komponiert in einer Tonsprache, die vielen Klassikfreunden aus den geistlichen Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, insbesondere der Salzburger Periode vertraut ist. In den kurzen instrumentalen Intermezzi brillierten erstmals die Musiker des Waldecker Kammerorchesters sowie Organist Olaf Schillmöller. Im Mittelpunkt von Valentin Rathgebers „Laudate dominum omnes angeli“ stand das eindrucksvolle Sopran-Solo von Larissa Niederquell, mit einem strahlenden Ausklang endete der barocke Engelsgesang. Brachte das großartige Chorwerk die festliche und prächtige Seite jener musikalischen Epoche zum Ausdruck, so gestalteten Eberhard Enß (Flöte), Larissa Niederquell (Oboe) und Bernhard Uteschil (Piano) in Georg Philipp Telemanns Triosonate in e-moll im „affetuoso“ das elegische und im Allegro das tänzerische Element des Barocks. Aus der Tiefe der Bässe erhob sich das Thema im ausgewählten Auszug aus dem Weihnachtskonzert von Marc Antoine Charpentier zu immer strahlenderen Höhen bei voller Stimmpracht des gesamten Chores. Die barocke und klaren Regeln folgende Tonsprache von Rathgeber und Charpentier kontrastierte mit der verspielten postmodernen Ästhetik von John Rutters „Star Carol“ mit der im Calypsostil komponierten Aufforderung der Frauen „Come to Bethlehem“, zu der sich die Männerstimmen zum Tutti-Finale „Joyfully coming“ hinzugesellten. Das traditionelle Glockengeläut durfte zum Abschluss auch nicht fehlen. Charles Gounod hat nicht nur im „Ave Maria“ an musikalische Vorläufer im Barock angeknüpft ,in seiner Kantate „Béthléem“ gelang ihm die vollkommene Synthese von Romantik und Barock, Wiegensang und Glockenklang zu einem stimmigen Klangbild, das die vereinigten Chöre von Sankt Marien und der Alten Landesschule zum Höhepunkt des Konzertes gestalteten. Dabei erwies sich die Entscheidung für die deutsche Fassung als Glücksgriff, denn dadurch erschloss sich den Zuhörern der volle weihnachtliche Gehalt. Mit Gounods Vertonung des Weges nach Bethlehem und an die Krippe unterstrichen die Ausführenden die einführenden Worte von Pfarrer Anton Althaus. Liebe und Musik seien dem Menschen als ursprüngliche Sprache in die Wiege gelegt, Liebe und Musik gehörten deshalb zusammen und seien am besten zur Einstimmung auf das Weihnachtsfest geeignet. Mit seiner dramatischen Eröffnung und dem tänzerischem Impetus erwies sich Michael Haydns „Ave Maria“ in E für Chor, Orchester und zwei Trompeten als mitreißender Abschluss der Klassik zum Zuhören. Denn in die dritte Strophe der von Bernhard Uteschil arrangierten Version von „Macht hoch die Tür“ stimmten alle Anwesenden ein. „Ring all the Bells“ hieß es dann noch einmal bei der Zugabe, dem postmodernen Sacro-Disco-Schlager „Alleluia Noel“, den die vereinigten Chöre mit dem erleichterten Schwung nach einem erfolgreich absolvierten Konzert anstimmten.

Von Armin Hennig

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