Volker Schnatz und Uwe Tenbusch ergatterten Tickets

Live beim WM-Finale in Brasilien dabei

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Korbach - Von heute auf morgen packten sie ihre Rucksäcke, buchten zwei Flugtickets und starteten ins Abenteuer: Volker Schnatz und Uwe Tenbusch aus Korbach erlebten den Gewinn des Weltmeistertitels im Maracana in Rio - im Freudentaumel.

„Gänsehaut, pure Gänsehaut“, sagt Uwe Tenbusch, „die ging gar nicht mehr weg.“ Inzwischen sitzt er gemeinsam mit TSV-Trainerkollege Volker Schnatz im Café in der Korbacher Fußgängerzone. Aber die Gänsehaut scheint zurückzukehren. „Einfach unvergesslich“, sagt Tenbusch. Dann zeigt er ein Video auf seinem Handy: Grüner Rasen, tosender Jubel, deutsche Fans im Freudenrausch und schließlich Volker Schnatz. Er strahlt über das ganze Gesicht und singt mit tausenden im Chor: „Oh, wie ist das schön“. 13. Juli, kurz vor 18.30 Uhr Ortszeit in Rio de Janeiro. Gerade hat Mario Götze das Siegtor geschossen. „Das Stadion hat gebebt“, sagt Uwe Schnatz, „das war unbeschreiblich.“ Drei Mal stimmte er Fangesänge an und tausende deutsche Fans folgten, unzählige Mal sangen die beiden Korbacher mit. „Eigentlich haben wir 120 Minuten durchgesungen“, sagt Volker Schnatz lachend. Und Volker Tenbusch ergänzt: „Gleichzeitig sind wir tausend Tode gestorben. Noch nie war ich bei einem Fußballspiel so aufgeregt.“

„Den Rest der Nacht haben wir nicht geschlafen“

Anderthalb Stunden nach dem Sieg jubeln Volker Schnatz und Uwe Tenbusch immer noch im Maracana, feiern mit den Spielern, die immer mal wieder den Rasen betreten. Der Rest des Stadions ist längst leer. Nur der deutsche Block hinter dem Tor ist noch da. „Den Rest der Nacht haben wir nicht geschlafen“, sagt Uwe Tenbusch lachend, „wir haben in den Bars mit den Brasilianern gefeiert, sogar mit Argentiniern“.

Eigentlich ist das eher das Ende der Geschichte als der Anfang. Der nämlich liegt im März: Damals registrierte Uwe Tenbusch sich und Trainerkollegen Volker Schnatz bei der Fifa für Finalkarten. Beide kommen gebürtig aus Fürstenberg, beide sind Fußballfans, der eine Gladbacher, der andere Bayer, und beide verbindet sie die Begeisterung für die deutsche Nationalmannschaft. „Dann kam die Mail von der Fifa, dass wir Kontingent-Karten bekommen würden, wenn Deutschland es ins Finale schafft“, erzählt Tenbusch. Keiner von beiden hatte einen gültigen Reisepass, lange dachte keiner mehr an die Reise. „Nach dem Achtelfinale habe ich den Express-Reisepass angefordert“, sagt Volker Schnatz, „als wir im Halbfinale dann 4:0 vorne lagen, haben Uwe und ich uns ständig übers Handy geschrieben.“ Noch in der gleichen Nacht schnellten die Preise für Flüge nach Brasilien in die Luft. „Wir wollten samstags hin und montags zurück“, sagt Tenbusch, „die Flüge hätten für jeden von uns 6000 Euro gekostet.“ Also buchten sie den Hinflug für den nächsten Tag, den Rückflug für Montag.

„Wir packten zwei Rucksäcke und nahmen ein Zelt mit“, sagt Uwe Tenbusch, „dann ging‘s los.“ Mitten in der Nacht standen die beiden Korbacher schließlich am Flughafen in Rio - ohne Unterkunft, ohne Geld, in ihren Fußballtrikots. Mit einem Taxi ging‘s in die Stadt, dann in eine Bar. „Wir waren nass und völlig k.o., und so sprach uns ein brasilianisches Paar an, ob wir ein Zimmer mieten wollten.“ Die beiden Brasilianer wurden zu Freunden. „Diese Gastfreundschaft hat uns sehr beeindruckt“, sagt Tenbusch. Ihr Vermieter nahm sich zwei Tage Urlaub und führte die Deutschen durch die Stadt - Zuckerhut, Jesus-Statue, Strände und Grillparty auf der Straße inbegriffen.

Küsse und Umarmungen für die Deutschen

Ohnehin waren die Deutschen trotz des vernichtenden Halbfinales gern gesehene Gäste. „Im Supermarkt ist mir eine Oma hinterhergelaufen, hat mich in den Arm genommen und geküsst“, sagt Volker Schnatz, „sie alle haben uns Glück für das Finale gewünscht.“ Hauptsache die Rivalen aus Argentinien würden keine Weltmeister. „Uns wurden Getränke ausgegeben, wir wurden immer wieder umarmt“, sagt Tenbusch. Das Spiel um Platz drei sahen die beiden Fußballfans mit 150000 Menschen an der Copacabana. „Die ganze Stadt war fußballverrückt, und den Brasilianern ging es nicht mehr um irgendwelche Plätze, sondern nur noch darum, dass die Argentinier nicht Weltmeister würden“, sagt Uwe Tenbusch. Ihre Deutschlandfahne verschenkten sie ebenso wie die Deutschlandkappe - noch vor dem Spiel. „Das war Völkerverständigung“, sind sich beide einig. Und nach dem Finale lagen sich Deutsche und Brasilianer dann wieder in den Armen. „Obrigado, obrigado“: Mit brasilianischen Danke-Rufen wurden Uwe Tenbusch und Volker Schnatz auf einen stürmischen Heimflug verabschiedet.

Von Theresa Demski

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