Feuerwehrführerschein gilt jetzt bis 7,5 Tonnen · Ausbildung kreisweit organisieren

Lizenz für schwere Brummis

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Fuhrpark der Korbacher Feuerwehr: Mit einer Zusatzausbildung können die Einsatzkräfte jetzt auch mit ihrem normalen Pkw-Führerschein bis zu 7,5 Tonnen schwere Fahrzeuge steuern. Archivfoto: Lutz Benseler

Korbach - Leichter Führerschein für schwere Autos: Mit der Einführung eines speziellen „Feuerwehr-Führerscheins“ sollen auch jüngere Autofahrer leichter schwere Einsatzfahrzeuge fahren dürfen.

Seit der Neuordnung der Führerscheinklassen durch die Europäische Union (EU) dürfen junge Leute, die ihren Autoführerschein des Typs B nach 1999 erworben haben, nur noch Fahrzeuge bis maximal 3,5 Tonnen Gesamtgewicht lenken. Was landauf, landab in Feuerwehrgaragen steht, ist aber häufig deutlich schwerer. Wer als junger Fahrer bei diesen Brummis hinters Steuer will, brauchte bislang dafür einen Führerschein der Klasse C oder CE. Das kostet Geld, je nach Art des Lastwagen-Führerscheins zwischen 2000 und 3500 Euro.

Für die Feuerwehren ein großes Problem: Fahrer mit dem alten „Lappen“ Klasse 3 werden immer weniger, jüngeres Personal muss nachrücken, hat jedoch oft nicht mehr die erforderliche Fahrerlaubnis. Um nicht eines Tages ohne Fahrer dazustehen, bezuschusst die Stadt die Lkw-Führerscheine seit einiger Zeit. „Das haben aber nur wenige in Anspruch genommen“, sagt Stadtbrandinspektor Friedhelm Schmidt.

Mit der neuen Regelung dürfen die ehrenamtlichen Einsatzkräfte die schweren Fahrzeuge auch mit ihrem normalen Pkw-Führerschein fahren. Voraussetzung dafür ist eine kurze Ausbildung mit abschließender Prüfung. Den sogenannten „Feuerwehrführerschein“ gibt es bereits seit 2010 in einer kleinen (Fahrzeuge von 3,5 bis 4,74 Tonnen) und jetzt neu auch in einer großer Variante (3,5 bis 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht).

Ausbildung ab Sommer

„Wir wollen möglichst im Juni mit der Ausbildung beginnen“, sagt Schmidt, der den Bedarf an Fahrern auf etwa 50 Leute schätzt. „In Korbach betrifft das in erster Linie die Ortsteilwehren“, sagt der Stadtbrandinspektor. Dort sind zum Teil wasserführende Tragkraftspritzenfahrzeuge (TSF-W) mit 6,3 Tonnen Gewicht im Einsatz. Und der Bedarf an Feuerwehrführerscheinen wird künftig weiterwachsen, denn die Fahrzeuge werden schwerer: Neue Modelle der TSF-Variante ohne Wassertank, für die bisher der Führerschein Klasse B ausreichte, überschreiten das Gewicht von 3,5 Tonnen, wie Stützpunkt-Gerätewart Erich Heine erklärt.

Hohe Kosten zu Beginn

Unklar ist noch, wie die Ausbildung organisiert wird: Den Feuerwehren bleibt es überlassen, ob sie selbst ausbilden und die Prüfung abnehmen oder dafür professionelle Fahrlehrer verpflichten. Die Kosten muss in jedem Fall die Kommune übernehmen. Schmidt rechnet damit, dass jede Fahrberechtigung mit rund 600 Euro zu Buche schlägt, wenn die Profis ausbilden. Er geht davon aus, dass die Nachfrage nach dem Feuerwehrführerschein gerade am Anfang groß sein wird, bis ein gewisser Grundstock der Einsatzkräfte ausgebildet ist - eine organisatorische und finanzielle Herausforderung.

Möglicherweise werden sich die Waldeck-Frankenberger Kommunen auf ein einheitliches Vorgehen und eine gemeinsame Ausschreibung der Fahrausbildung einigen. Die Entscheidung darüber soll bei einer Dienstsitzung der Brandinspektoren aus dem Landkreis im Mai getroffen werden.

Gegenüber den herkömmlichen Lastwagen-Führerscheinen hat die neue Fahrberechtigung übrigens eine Einschränkung: Sie gilt ausschließlich für Einsatz- und Übungsfahrten und in der Jugendarbeit. Privatfahrten sind mit dem Feuerwehrführerschein nicht gestattet. Außer in Hessen gibt es den Feuerwehrführerschein noch in Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Drehleiter wiegt 16 Tonnen

Die Fahrer der Kernstadtwehr sind indes weiterhin auf einen regulären CE-Führerschein angewiesen: Die schweren Fahrzeuge des Stützpunkts, etwa die Drehleiter, wiegen bis zu 16 Tonnen. (lb)

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