Das Tagebuch der Anne Frank · Ausstellung im Bonhage-Museum beginnt am 14. April

Ein Mädchen schreibt Geschichte

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Korbach - Zu ihrem 13. Geburtstag am 12. Juni 1942 bekommt Anne Frank ein Tagebuch geschenkt. Auf die erste Seite schreibt sie: „Ich werde, hoffe ich, dir alles anvertrauen können, wie ich es noch bei niemandem gekonnt habe, und ich hoffe, du wirst mir eine große Stütze sein.“

Das Tagebuch der Anne Frank kennen Millionen Menschen in aller Welt. Im Original sind die Aufzeichnungen des jüdischen Mädchens in rotweißen Karostoff eingebunden. In rund 60 Sprachen übersetzt, erreicht ihr 1947 erstmals gedrucktes Vermächtnis eine weltweite Auflage von mehr als 20 Millionen Büchern. „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ heißt die Wanderausstellung des Berliner Anne-Frank-Zentrums, die vom 14. April bis 26. Mai im Wolfgang-Bonhage-Museum zu sehen ist. Multimedial gestaltet schildern die Bildwände und Exponate das Schicksal Anne Franks, die 1933 mit ihrer Familie vor den Nationalsozialisten nach Amsterdam flüchtete. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in den Niederlanden versteckten sie sich von 1942 bis 1944 in einem Hinterhaus an der Prinsengracht. Dort entstand das weltberühmte Tagebuch, das als Symbol für den Holocaust 2009 von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde. Nach dem Verrat ihres Verstecks wurde die Familie von den nationalsozialistischen Besatzern deportiert. Anne Frank starb 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen im Alter von 15 Jahren.

Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen sollen die Gefahren von Anti-semitismus, Rassismus und Diskriminierung verdeutlicht und auf die Bedeutung von Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie hingewiesen werden, betonen die Veranstalter. Für das umfangreiche Begleitprogramm kooperiert das Bonhage-Museum mit dem Jugendhaus Korbach, dem Verein „Gegen Vergessen - Für Demokratie“, dem Präventionsbeirat, der Alten Landesschule und den Beruflichen Schulen.

Nach dem Konzept „Jugendliche begleiten Jugendliche“ führen Gymnasiasten und Berufsschüler junge Besucher durch die Ausstellung. Etwa 30 dieser Begleiter werden bis Mitte April dafür geschult, berichtet Marion Lilienthal, die an der ALS die Geschichtswerkstatt leitet. Die Pädagogin weist bei einer Stadtführung auf das jüdische Leben in Korbach hin. Ebenso wird Ernst Klein (Volkmarsen), Sprecher der Regionalgruppe des Vereins „Gegen Vergessen“, in einem Vortrag Lebenswege jüdischer Kinder in Nordhessen nachzeichnen.

Für Andrea Franke, Leiterin des Jugendhauses, stehen vor allem die Bezüge zur Gegenwart im Fokus des Interesses. So beschäftigen sich mehrere Begleitveranstaltungen auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Rechtsextremismus.

Schulklassen, die sich für einen begleiteten Ausstellungsbesuch interessieren, melden sich schriftlich im Jugendhaus an. Anmeldeformulare gibt es unter www.museum-korbach.de.

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