Firmen ermutigen Mädchen am Girls‘ Day, ungewöhnliche Karrierewege einzuschlagen

Mädchen sprengen die Männerdomäne

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Korbach - Damenbesuch bekamen am Donnerstag viele Männer in heimischen Unternehmen. Zum Girls Day schnupperten die jungen Frauen in typische Männerberufe. Bei der Firma KoCos in Korbach zeigten sechs Schülerinnen ihr Können im Bereich Technik.

Frauen in der Technikabteilung sind bei der Firma KoCos in Korbach eine Seltenheit. In 25 Jahren gab es eine Praktikantin, aber keine Auszubildende und keine Angestellte im technischen Bereich. „In den meisten Fällen bewerben sich Mädchen nach der Schule in Waldeck-Frankenberg in kaufmännischen Berufen“, erklärt Bärbel Kesper von der Agentur für Arbeit. Obwohl sie häufig die besseren Schulabschlüsse als ihre männlichen Kollegen hätten, sei das Spektrum der Berufswünsche sehr eng.

Und deswegen nutzen heimische Unternehmen und die Agentur für Arbeit den Girls’ Day, um junge Frauen einmal im Jahr zu ermutigen, auch bisher ungewöhnliche Wege zu gehen, und ihnen die vielen Möglichkeiten im naturwissenschaftlichen Bereich aufzuzeigen. In zahlreichen Betrieben im Landkreis waren Mädchen gestern in eben jenen Abteilungen unterwegs, in denen sie bisher nur selten gesehen worden sind. So wie bei den IT-Experten, Entwicklern und Elektrikern bei KoCos, die Mess- und Prüfsysteme für die Energietechnik erfinden und erstellen. Sarah Grundmann von der Fachoberschule und Laura und Lisa Kreh, Denise Bloch, Natalia Krysta und Stefanie Drosdowski vom Beruflichen Gymnasium nutzten die Chance, hinter die Kulissen zu sehen. Alle haben das Hauptfach Technik und wissen, wohin sie wollen. „Ich beginne im Oktober eine Ausbildung im technischen Bereich“, erzählt Sarah Grundmann. Schon immer sei sie technikinteressiert gewesen. Und dieses Interesse könnten Mädchen doch genauso entwickeln wie Jungs, findet sie.

Das bestätigen auch die anderen Schülerinnen. Erst mal wolle sie studieren, erzählt Denise Bloch. Und dabei soll es sich auf jeden Fall um ein technisches Fach drehen. Nur sechs Mädchen haben sich in ihrem Jahrgang für Technik als Hauptfach entschieden. „Wir sind die Minderheit“, sagt Stefanie Drosdowski.

Warum das so ist? „Mädchen wird viel Angst gemacht, wenn sie vor der Entscheidung stehen, einen technischen Schwerpunkt zu setzen“, erinnert sich Natalia Krysta, „das sind wohl uralte Klischees, die wir noch mitschleppen.“ Aber die sechs jungen Damen wollen das ändern. „Und ich glaube, diese Entwicklung hat bereits begonnen“, sagt Denise Bloch. Früher habe es nur ein Mädchen im Bereich Technik am Beruflichen Gymnasium gegeben, heute seien es schon sechs.

„Irgendwann spielt das keine Rolle mehr bei der Berufswahl“, glauben die Mädchen. Die Mitarbeiter bei KoCos jedenfalls freuen sich auf die weibliche Unterstützung in der bisherigen Männerdomäne.

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