Ein Blick in den Berufsalltag der Korbacher Müllabfuhr · Dutzende Tonnen Abfall jeden Tag

Die Männer in Orange räumen auf

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Von Essensresten bis zu alten Möbeln: Täglich schafft die Korbacher Müllabfuhr tonnenweise Abfall aus der Stadt. Manuel Reck (l.) vertritt einen Kollegen beim Bioabfall, Andreas Rabe (r.) ist seit 15 Jahren dabei .

Korbach - Manch ein Beruf findet wenig Beachtung, ist aber unverzichtbar. Die Männer von der städtischen Müllabfuhr beginnen schon früh morgens damit, die vielen Tonnen Abfall abzuholen, welche die Korbacher täglich produzieren.

Auf dem Trittbrett eines fahrenden Müllwagens zu stehen, ist gar nicht so einfach - besonders in Kurven. Andreas Rabe, seit über 15 Jahren Müllmann in Korbach, sind dabei aber keine Probleme anzusehen. Der Wagen hält alle paar Meter an, damit er und sein Kollege abspringen und die Mülltonnen entleeren können. In Straßen mit vielen Tonnen lohnt das Aufsteigen sich nicht, dann läuft er hinterher: „Für meine Arbeit muss ich schon fit und flott sein“, erklärt der 50-jährige Korbacher.

Dutzende Tonnen Abfall

Um 6 Uhr morgens geht es für ihn und seine Kollegen los: In der Hansestadt muss jeden Tag irgendwo eine bestimmte Sorte Müll abgeholt werden. Die Kernstadt ist in fünf Müllbezirke eingeteilt, in jedem davon kommen bei jeder Leerung bis zu 25 Tonnen Papier- oder Biomüll zusammen - wohlgemerkt metrische Tonnen, nicht Mülltonnen. Wenn der Restmüll an der Reihe ist, müssen die Müllmänner den Wagen mit zehneinhalb Tonnen Fassungsvermögen bis zu viermal leeren. „Mit den vielen Fahrten zur Deponie in Flechtdorf legen wir da locker 100 Kilometer am Tag zurück“, erklärt Christian Willeke. Der 33-Jährige aus Adorf ist ein „Springer“ beim Bauhof: Wenn ein Mitglied der beiden dreiköpfigen Müllmannschaften ausfällt, springt er ein. Die Teams selbst sind hingegen von der flexiblen Arbeitszuweisung im Bauhof weitestgehend ausgenommen: „Müllmänner müssen immer raus“, sagt Christian Willeke: „Unausdenkbar, wenn der Müll liegen bliebe.“

Planer, Fahrer, Schrauber

Neben der Truppe für die Tonnen gibt es noch eine zweite Mannschaft: Harry Langendorf, Reinhold Hellwig und Egon Zsombori holen abwechselnd Baum- und Strauchschnitt, Sperrmüll sowie Rest- und Papiermüllcontainer ab. Ihre Aufgaben erfordern gute Ortskenntnis: Statt der gewohnten festen Routen, an denen die Tonnen stehen, muss Harry Langendorf seinen Weg planen. Beispielsweise anhand der Sperrmüllkarten legt er eine Strecke fest und beachtet dabei auch das Verkehrsaufkommen zur jeweiligen Tageszeit: Um dem Busverkehr zu entgehen, geht es zuerst in die Altstadt, viel befahrene Straßen sind erst nach Schulende dran. Allen rechtmachen können sie es aber nicht, zwangsläufig parken sie schon mal jemanden zu: „Irgendwer muss immer zum Arzt“, weiß Harry Langendorf.

Der Umgang mit dem Abfall selbst ist einfacher: Die Hydraulik des Müllwagens macht mit 240 Bar von Matratzen über Bretter bis zu Sesseln jedes Stück sehr viel kompakter. Bis zu 40 Sperrmüllhaufen verschwinden im Laufe eines Tages im Wagen. Metall- und Elektrogeräte kommen auf das Kleintransportergespann seiner Kollegen.

Seit 18 Jahren ist der 49-Jährige bei der Müllabfuhr und hat Freude an seiner Arbeit. „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich“, erklärt er: Neben Routenplanung, Fahren, Ein- und Entladen gehört auch der Fahrzeugumbau für die verschiedenen Einsätze zum Aufgabenbereich der Mannschaft.

Ein Blick in die Tonne

Auch Andreas Rabe mag seinen Job: „Ich wache morgens auf und freue mich auf die Arbeit“, sagt er. Als er die Chance bekam, bei der Müllabfuhr zu arbeiten, habe er damals sofort zugesagt. Fragen nach dem Geruch von Biomüll im Sommer beantwortet er gelassen: „Bisschen schlechter als im Winter.“

Probleme bereitet eher Unachtsamkeit. An einer Kreu-zung bleibt er stehen und sieht sich um: „Das ist so eine Ecke.“ Autofahrer würden den Müllwagen zwar sehen, die Müllmänner auf der Straße aber oft nicht beachten.

Speziell beim Biomüll lohnt sich auch ein Blick in die Tonne: Andreas Rabe ist nicht überrascht, als er Essensreste in einer Plastiktüte vorfindet. Das sehen die Verantwortlichen bei der Stadt und ihre Müllmänner nicht gern: Kunststoff zersetzt sich viel zu langsam, die im Supermarkt erhältlichen Biomüllbeutel sind nicht viel besser. Papiertüten sind in Ordnung.

Die entsprechende Tonne bleibt voll. Neben ihrem Biomüll werden die Besitzer auch einen roten Hinweiszettel finden, der ihnen erklärt, warum die Tonne nicht abgeholt wurde. Wenn nötig, kommen die Müllmänner nach Behebung des Fehlers kostenpflichtig wieder. „Ich stehe da zu 100 Prozent hinter“, erklärt Andreas Rabe. Bei Privatleuten zeige das Vorgehen der Stadt schon Wirkung, ihnen müsse das Problem nur erklärt werden. „Ich würde mir einen Informationstag über Müll wünschen“, sagt er. Auch der richtige Umgang mit Abfall will eben gelernt sein.

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