Cazara mit musikalischer Show der Extraklasse vor dem Kiliansportal

Magische Momente

Korbach - Am Kirchplatz den „Highway To Hell“ musikalisch zu zelebrieren, dazu gehört Mumm. Die heimische Band Cazara hat eine Menge davon und bot beim Live-Konzert vorm Südportal eine faszinierende Show.

Rote Scheinwerfer tauchen die Bühne und das Südportal am Kilian in ein feuriges Licht, dann geht bei der Band rockig die Luzie ab – oder vielleicht besser der Luzifer? Jedenfalls mischt Band-Manager Dirk Wilke plötzlich als Gitarrist kräftig mit und trägt süffisant eine schwarze Baseball-Kappe mit roten Teufelshörnern, während hinter ihm just die Jungfrau Maria mit Jesuskind als steinernes Bildnis das Kirchenportal hütet. Nein, keine Gefahr, dass die Band Cazara auf Abwege der Blasphemie geraten wäre. Hier spricht lautstark die pure Freude an Musik, die Cazara virtuos und auch augenzwinkernd servieren kann – mitten hinein ins Publikum.Cazara, das sind die energiegeladene Frontfrau Anna Kesper, Sänger Tom Fischer mit musikalischem Multitalent, Leadgitarrist Klaus „Kanzler“ Kesper, Bassist Volker Ashauer als ruhender Pol, der treibende Schlagzeuger André Schneider, der vieltönende Keyboarder Klaus Kesper „Langen“ und Thomas Schwill als Kopf, Tenorsänger und instrumentales Genie der Band.

Rock, Pop, Funk, Soul, Klassik, Folk – Statistiker würden das musikalische Repertoire gekünstelt als „Fusion“ bezeichnen. Doch in Wahrheit fusionieren bei Cazara vor allem Temperamente zu einer Mixtur, die weit über die Region hinaus so gehaltvoll kaum zu finden ist. Ein Titel der Rockband Journey ist dabei Programm: „Any Way You Want It“ – und diese Wege beschreitet Cazara gerne auch mit neuen Experimenten. Es geht los an diesem Samstagabend. Der Tag wirft noch kurz sein goldenes Licht über die Dächer der Altstadt, als Cazara gegen 20.30 Uhr wahrlich eine Premiere inszeniert: Kirche, Orgelmusik, Band und Publikum verschmelzen zu einer Einheit. Im Kilian stimmt Stadtkantor Eberhard Jung an der Orgel Bachs Toccata (d-Moll) an, dann übernimmt die Band außen mit kraftvoll-rockiger Interpretation. Später, als Tom und Tom (Schwill und Fischer) gemeinsam Puccinis Arie „Nessun Dorma“ klassisch-rockig feiern, schlagen Kantor und Band noch einmal diese Brücke zwischen Kirchenraum und Bühne. Dazwischen beweist Cazaras Frontfrau Anna Kesper immer wieder, dass ihr der Song von Kiki Dee wahrlich auf den Leib geschrieben ist: „I‘ve Got The Music in Me“. Zur Vorbereitung des rockigen Finales gönnt Cazara dem Publikum noch einen atemberaubenden Ausflug nach Schottland. Im Gleichklang mit den Korbacher „Iron Hill Highland-Pipers“ ist das Folkstück „Loch Lomond“ angesagt, die inoffizielle schottische Hymne. Cazara hat mit dem Benefizkonzert ein Glanzlicht gesetzt, technisch unterstrichen von MW-Event, das Bühne und Portal in ein schillerndes Farbspiel tauchte. Auf ein Wiedersehen beim nächsten Mal – hoffentlich dann mit noch einigen Hundert Zuschauern mehr vor dieser prachtvollen Kulisse.

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