Delta GmbH und Jobcenter bieten ab Montag Essen für Bedürftige an

„Mahl-Zeit“: Erste Suppenküche öffnet

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Bei der Präsentation der Suppenküche bedienen Restaurantleiterin Birgit Ferchland-Nolte (2. v. r.) und Mitarbeiterin Melanie Damiano (l.) mit den Initiatoren Jutta Kahler-Wilke und Volker Heß ausnahmsweise Gäste, die nicht bedürftig sind.Foto: Volkenrath

Korbach - „Mahl-Zeit“ heißt es ab Montag in der ersten Waldeck-Frankenberger Suppenküche. Im gleichnamigen Restaurant kochen Ein-Euro-Jobber künftig für Bedürftige und servieren ihnen in Korbach an fünf Tagen die Woche drei Gänge für einen Euro.

Der Name „Mahl-Zeit“ ist in der Flechtdorfer Straße 13 Programm: „Uns um sozial benachteiligte Menschen zu kümmern, ist einer unserer wichtigsten Schwerpunkte“, betont Volker Heß, Geschäftsführer der Delta Waldeck-Frankenberg. Die Gesellschaft ist Nachfolgerin der insolventen Beschäftigungsgesellschaft (siehe Hintergrund).

Jüngstes Projekt der Delta in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Waldeck-Frankenberg ist die Eröffnung der ersten Suppenküche im Landkreis. In der ehemaligen Pizzeria „Santa Lucia“ sollen Bedürftige jedoch nicht nur eine warme Mahlzeit mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert für einen Euro pro Person bekommen, sondern sich auch Zeit für Essen und Kommunikation nehmen. „Unser Ziel ist, dass hier eine Begegnungsstätte entsteht und damit etwas Einmaliges“, berichtet Heß. Die Gäste sollen sowohl mit anderen Betroffenen als auch mit den Beratern der Delta-Projekte ins Gespräch kommen.

Für Jutta Kahler-Wilke, Teamleiterin für Markt und Integration beim Jobcenter in Korbach, entsteht mit dem Suppenküchen-Restaurant „Mahl-Zeit“, wie sie es nennt, zugleich „eine Beschäftigungsmöglichkeit für Menschen, die keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben bzw. aufnehmen können“. Die Suppenküche sei keine Qualifizierungsmaßnahme, betont die Fachfrau, aber „eine sinnvolle Beschäftigung am zweiten Arbeitsmarkt“. Die zwölf Mitarbeiter - allen voran (alleinerziehende) Frauen - sollen den Berufsalltag trainieren. In den maximal sechs Monaten, in denen sie in der Suppenküche kochen und servieren, betreut das Jobcenter sie weiter.

Integrieren statt ausgrenzen

Darüber hinaus lernen sowohl Beschäftigte als auch Gäste laut Jutta Kahler-Wilke ganz praktische Dinge: Unter Regie von Restaurantleiterin Birgit Ferchland-Nolte kochen die Mitarbeiter frisch und vollwertig. Sie erfahren, wie sie mit günstigen Lebensmitteln eine nahrhafte Mahlzeit zubereiten, und sollen dieses Wissen an die Gäste weitergeben.

„Wir eröffnen die Suppenküche nicht zur Armenspeisung, sondern wollen die Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen“, betont Heß. Das Ambiente ist für alle Beteiligten daher von besonderer Bedeutung - allen voran für die Restaurantleiterin (siehe Gesagt). Mit ihrem Team übt sie bereits eifrig, Speisen und Tische hübsch herzurichten. „Wir werden auch noch renovieren, damit die Suppenküche einem Restaurant möglichst nahekommt.“

Obwohl in Korbach jeder jeden kennt und viele Bedürftige ohnehin große Scham empfinden, sind die Organisatoren vom Erfolg der Suppenküche überzeugt. Laut Jutta Kahler-Wilke haben sich die Beteiligten ähnliche Projekte, zum Beispiel in Warburg, angeschaut, die gut laufen. Die Expertin rechnet mit einer Anlaufzeit von mindestens sechs Monaten. „Es ist ein Projekt. Wenn es nicht angenommen wird, haben wir es wenigstens versucht“, erklärt sie pragmatisch.

Förderer gesucht

Wesentlicher Unterschied zu den kulinarischen Angeboten der ehemaligen Beschäftigungsgesellschaft im Restaurant „Isabell“ und im Bistro „Corvita“ ist laut Jutta Kahler-Wilke, dass nur Gäste verköstigt werden, „die Bezüge beziehen“. Ebenso wenig wie zu anderen Restaurants entstehe eine Konkurrenz zur „Tafel“, stellt die Jobcenter-Mitarbeiterin klar.

Das Jobcenter finanziert die Mitarbeiter für die Suppenküche, alle übrigen Kosten übernimmt Delta. „Wir können das aber nicht auf Dauer stemmen“, räumt Heß ein. „Unsere Intention ist daher, einen Förderverein zu gründen, der Mittel akquiriert.“

Das Suppenküchen-Restaurant „Mahl-Zeit“, das 43 Plätze und eine Kinderspielecke bietet, ist ab Montag, 21. Mai, montags bis freitags von 11 bis 15 Uhr geöffnet.

Hintergrund

Der Landkreis gründete die Delta Waldeck-Frankenberg GmbH Ende 2011. Als Nachfolgerin der insolventen Beschäftigungsgesellschaft (BWF) übernimmt sie einen Teil der BWF-Projekte. Der ehemalige BWF-Geschäftsführer Volker Heß führt weiter Regie. Die Kreishandwerkerschaft ist nicht mehr beteiligt, der Landkreis hat sein Stammkapital erhöht. Inzwischen ist die Delta in das Gebäude der früheren Pizzeria „Santa Lucia“ an der Ecke Flechtdorfer Straße / Ermighäuser Weg eingezogen. Wie einst bei der BWF werden dort zum Beispiel Schulabbrecher im Projekt „Zweite Chance“ betreut. Auch die „Kompetenzagentur“ finden benachteiligte Jugendliche nicht mehr in der Louis-Peter-Straße, sondern in die Flechtdorfer Straße 13. Die Mitarbeiterinnen fördern junge Leute, die beim Übergang von der Schule in den Beruf große Schwierigkeiten haben (weiterer Bericht folgt). Darüber hinaus steht im neuen Bewerbercafé ein Sozialpädagoge bereit, der bei der Bewerbung hilft. Jüngstes Projekt ist die Suppenküche.(nv)

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