Ausstrahlung am 18. Februar im Ersten

Mala Emde spielt Hauptrolle in „Meine Tochter Anne Frank“

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Korbach - Mala Emde, Schauspielerin mit Korbacher und Vöhler Wurzeln, spielt die Titelfigur im Dokudrama „Meine Tochter Anne Frank“. Wie sie ihrer Rolle gerecht wird, erklärt sie im Interview mit WLZ-FZ-Volontär Wilhelm Figge.

Mala Emde ist 18 Jahre alt und gebürtige Frankfurterin. Ihre Familie stammt indes aus Wal­deck-Frankenberg: Ihr Vater Thomas kommt aus Thalitter und hat sich als Lichtkünstler einen Namen gemacht. Ihre Mutter Kathrin, Tochter des bekannten Korbacher Kinderarztes Dr. Michael Ehrlich, arbeitet für den Fernsehsender 3sat. Mala schauspielert, seit sie elf Jahre alt ist. Sie hat in mehreren Fernsehserien und -filmen mitgespielt, Höhepunkte waren zwei Tatort-Folgen. Anne Frank ist ihre größte Rolle seit einigen Jahren. Im vergangenen Sommer legte sie ihr Abitur ab. Federführend für das Dokudrama, welches das Erste am Mittwoch, 18. Februar, um 20.15 Uhr zeigt, war der Hessische Rundfunk. Es stellt das Verhältnis zwischen Anne Frank und ihrem Vater Otto in den Vordergrund, der seine Tochter nach dem Krieg anhand ihres Tagebuchs neu kennenlernte.

Frau Emde, mitten im Abistress haben Sie sich entschlossen, Anne Frank zu spielen. Wie wichtig ist Ihnen diese Rolle?

Ich habe Anne Frank erst nach dem Casting so richtig kennengelernt. Ich habe mich intensiv mit dem Tagebuch auseinandergesetzt. Dabei ist mir aufgefallen, wie faszinierend ich sie finde und was für ein Geschenk es ist, sich mit ihr so eingehend zu beschäftigen und sie wieder ein wenig zum Leben zu erwecken.

Sie haben für die Vorbereitungen eine Reise durch Anne Franks Biografie unternommen und Stationen ihres Lebens besucht. Welcher Ort hat Sie am meisten beeindruckt?

Alle diese Orte waren unglaublich beeindruckend, weil sie aus historischer Sicht so wichtig sind. Mich persönlich hat unser Besuch im Hinterhaus in Amsterdam am meisten beeindruckt. Da hatte ich Zeit, alleine durch die Räume zu gehen. Ich habe mich dazu gezwungen, längere Zeit in ihrem Zimmer zu sein, damit ich ihre Gefühle darin annähernd nachempfinden konnte. Das war für mich ein sehr wichtiger Moment, an den ich mich auch beim Dreh immer wieder erinnerte.

Die Kulisse, in der Sie gedreht haben, soll auch sehr beengend gewesen sein.

Genau. Wir haben das Szenenbild um knapp zehn Prozent vergrößert, damit Kamera und Ausrüstung hineinpassen, aber trotzdem war es unglaublich eng. Auch in der Realität sind die Räume extrem klein, ich hatte sie mir viel größer vorgestellt. Da hab ich die Enge schon gespürt. Ich hatte natürlich nicht dieses bedrängende Gefühl, das die Bewohner des Hinterhauses in zwei Jahren dort hatten. Aber ich denke, ich konnte es erahnen.

Anne Frank ist eine bekannte historische Figur. Ist es ein besonderer Druck, sie zu spielen - besonders, da Sie Zeitzeugen getroffen haben, die sie noch kannten?

Ich war mir von Anfang an dieser Verantwortung bewusst. Vielleicht hat sie mir auch Angst gemacht, weil ich gemerkt hab, wie viele Erwartungen daran gekoppelt sind. Ich habe versucht, diese zu sammeln und aufzunehmen. Irgendwann hab ich mich dann auf das Bild von Raymond (Ley, Regisseur und Co-Autor) und mir konzentriert. Daraus ist dann unsere Anne entstanden. Ich habe alles gesammelt, was ich konnte, aber im Endeffekt musste ich meine Anne spielen: Ich kann ja gar nicht alle Erwartungen erfüllen. Das ist natürlich mit Druck verbunden, aber sich von dem zu lösen ist wichtig, um frei zu spielen.

Anne Frank beschreibt in ihrem Tagebuch die Schritte ihres Erwachsenwerdens. Sie selbst sind mit 18 Jahren nicht viel älter. Wie schwer war es, sich in sie hineinzufühlen?

Das Tagebuch war mir eine ganz, ganz große Hilfe. Dadurch hatte ich viel Gedankengut von ihr, das ich in die Szenen mitnehmen konnte. Das wird einem als Schauspielerin sonst nicht oft geboten. Über das Kindliche an ihr habe ich mit Raymond viel gesprochen. Ich habe Kinder in dem Alter beobachtet, versucht mich zu erinnern und mir meine eigenen Tagebuchaufzeichnungen noch mal angeguckt. Da musste ich mich wieder ein bisschen reinfühlen - auch in die Bewegungen: Ich denke, dass ein 14-jähriges Kind sich anders bewegt, als jemand der 18 Jahre alt ist. Da ist noch mehr Kind drin, also auch infantile Bewegung. Ich habe versucht, das wiederzufinden.

Der Film stellt das Verhältnis zwischen Anne und ihrem Vater Otto in den Vordergrund. Was war für Sie das Besondere daran?

Ich glaube, dass er ein enger Vertrauter war und nicht der Patriarch, wie ich es mir für diese Zeit vorgestellt hätte. Und dass er sehr tolerant ihr gegenüber war. Das Wichtigste war, dass er sie unglaublich ernst genommen hat in ihren Gedanken und Gefühlen. Ich finde, das ist sehr modern.

Anne Frank selbst sah zwei Seiten ihrer Persönlichkeit: Die der frechen, vorlauten Göre und die nachdenkliche. Was war für Sie herausfordernder oder interessanter zu spielen?

Ich glaube, die vorlaute Göre war für mich noch interessanter. Über das Nachdenkliche war mir im Tagebuch viel gegeben. Die Seite, die dort nur angedeutet wird, habe ich versucht lebendig darzustellen. So konnten wir ihren Worten und dem, was wir von Anne Frank wissen, Leben einhauchen - so unglaublich viel Leben, sie sprudelte ja förmlich davor. Das war sehr schön, aber auch eine große Herausforderung.

Anne Frank ist eine Figur, die viele mit Zuversicht in schweren Zeiten verbinden. Ist so eine Rolle schwierig angesichts ihres Endes?

Es verändert die Herangehensweise und was mit Anne Frank verbunden wird. Aber im End­effekt ist es wichtig, das ein bisschen außen vor zu lassen. In der Situation, in der ich spiele, weiß Anne ja nicht, dass sie sterben wird. Und davon muss ich auch ausgehen. Eigentlich muss ich sie so behandeln, als würde sie immer noch leben. Nur dann kann ich ihr gerecht werden.

Was steht für Sie als Nächstes an?

Mein Wunsch für die kommende Zeit ist es, an interessanten Projekten in Theater und Film zu arbeiten und dadurch mein Spiel auszureifen und neue Facetten kennenzulernen.

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