Korbach

„Man ist festgefahren in den Gedanken“

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- Korbach (tt). „Ich war von Kindheit auf pessimistisch und irgendwann begann ich mich selbst zu verletzen“ – das ist die Aussage einer Borderline-Erkrankten. Um Betroffenen zu helfen, bietet der „Treffpunkt“ jetzt ein sogenanntes Stepps-Programm an.

Seit März trifft sich einmal in der Woche eine Gruppe 30- bis 45-Jähriger in den Räumen des „Treffpunkts“, der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle in Korbach. Sie alle leiden an der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). BPS-Patienten leben häufig in zwei Gefühlswelten, sehen entweder schwarz oder weiß und können ihre Wut teilweise nur schwer kontrollieren. Das sind nur einige der Symptome, die bei jedem Betroffenen unterschiedlich auftreten. Für Außenstehende ist BPS eine nur schwer zu vermittelnde Krankheit, da das Verhalten der Erkrankten befremdlich wirken kann. Vielen der Betroffenen ist sie auch nicht direkt anzumerken, teilweise aber sind Selbstverletzungen zu erkennen. So auch bei den Teilnehmern des STEPPS-Programmes in Korbach, die anonym bleiben wollen.

Stepps – ein Kurzwort für die englische Bezeichnung „System Training for Emotional Predictability and Problem Solving“ – wird beim „Treffpunkt“ initiiert von der Diplom-Sozialpädagogin Justine Slusarek und der Sozialtherapeutin Carola Petersen. Sie wollen den Klienten dabei helfen, „sich selbst wahrzunehmen“, erklärt Slusarek. Das Training fängt bei ganz alltäglichen Dingen wie Schlafen und Essen an, aber auch der Umgang mit Beziehungen ist wichtiger Bestandteil der Unterstützung. Bei den Sitzungen geht die Gruppe eine Arbeitsmappe durch, in der die Betroffenen verschiedene Aufgaben erledigen müssen. Zum Beispiel tragen sie Erlebnisse des Tages in einen Gefühlskalender ein. Das hilft ihnen, Gefühle zu verarbeiten, auch das Positive zu sehen. „Man fühlt sich minderwertig und ist festgefahren in seinen Gedanken. Mit dem Training lernt man umzudenken. Aber dass man nicht nur pessimistisch denken darf, ist schwer“, sagt eine BPS-Patientin. Es geht also um ein Umdenken der Erkrankten, aber auch darum, Fertigkeiten anzutrainieren. Sich nach negativen Erlebnissen abzureagieren, ohne sich zu verletzen, gehört zum Beispiel dazu. Dinge, die für viele ganz alltäglich erscheinen, werden für Borderline-Erkrankte zu Blockaden für das positive Denken.

Aktuell können nicht mehr als sechs Teilnehmer für das Stepps-Programm aufgenommen werden. Wer an BPS oder unter starken Gefühlsschwankungen leidet, kann unter Telefon 05631/50690-0 Hilfe suchen. Auch beim Korbacher Gesundheitstag am Sonntag, 4. September, ist der „Treffpunkt“ mit einem Stand und weiteren Informationen vertreten.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Freitag, 17. August

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