Bier-Werbung eines Korbacher Werbefachmanns bringt Zündstoff in Niedersachsen

Manchmal ist es wie verhext

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Werner Hankel sorgte mit Bier-Werbung in Niedersachsen für viel Gesprächsstoff.

Korbach - Eine Bier-Reklame sorgte in Niedersachsen für mächtige Turbulenzen. Es geht um eine heiße Hexe aus dem Harz. Erfunden hat sie der Korbacher Werbefachmann Werner Hankel.

Wie weit darf Werbung gehen, ohne moralische Grenzen zu überschreiten? Diese Frage beleuchtete der Norddeutsche Rundfunk (NDR) vorige Woche in einer Debatte. Der niedersächsische Landesfrauenrat hatte die neue Kampagne der letzten Oberharzer Brauerei als „sexistisch“ gebrandmarkt.

„Sexismus ist schon ein heftiger Vorwurf, der mich auch persönlich trifft“, reflektiert Werner Hankel (55) das turbulente vorige Wochenende. Der Korbacher Werbefachmann und Kommunikationswirt hatte für die Altenauer Brauerei im Harz eine neue Kampagne entwickelt. Die ließ sich prima an, der Absatz der kleinen, aber feinen Brauerei stieg - und am vorigen Wochenende ganz besonders.

Da hatte die niedersächsische Klosterkammer die „Harzer Hexe“ aber als Werbefigur schon wieder zurückgezogen. Die Klosterkammer betreibt nicht nur die Schnapsbrennerei Wöltingerode, sondern seit 2012 auch die damals insolvente kleine Altenauer Brauerei. Erkenntnis der kirchlichen Kammer nach dem Einspruch des Landesfrauenrats: Bei jeder anderen Brauerei wäre die Hexe kein Problem, für eine kirchliche Organisation werfe die Werbefigur aber doch Probleme auf.

Hankel ist derweil am Ball, um eine neue Werbefigur zu erschaffen, die Altenauer Bier und Harz repräsentieren soll. Mit Sexismus hat all das nichts zu tun: „Ich bin ein Verfechter von klassischer Werbung“, sagt Hankel. Also griff er Sagen und Legenden aus dem Harz auf - und dazu zählt zweifelsohne auch der Hexentanz auf dem Brocken. Die kleine Hexe „Bibi Blocksberg“ hätte sich kaum für Bier-Reklame geeignet.

Über ihm im Büro schwebt ein Portrait der nachdenklichen Operndiva Maria Callas. Und auf dem Computer-Bildschirm leuchtet klassische Bier-Werbung. Vielleicht hat sich denn doch der Landesfrauenrat ein wenig in seiner Einschätzung vergaloppiert. So jedenfalls sehen es die Konsumenten: Weit über 90 Prozent, auch die Frauen, hatten in einer Online-Abstimmung des NDR nichts einzuwenden gegen die Harzer Hexe. Der Tourismusverband und die Getränkehändler schon gar nicht.

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