Korbacher Künstler zeigt Skulpturen und Aquarelle im Bürgerhaus

Manfred Dönitz macht Bäume zu Kunst

Korbach - „Nähe und Distanz“ ist der Titel: Manfred Dönitz zeigt bis zum 9. Mai Skulpturen aus Holz und Aquarelle im Korbacher Bürgerhaus. Die Ausstellung wird am Sonntag eröffnet.

Etwa 2000 Jahre alt ist der älteste Balken, den Manfred Dönitz zu einer Skulptur verarbeitet hat: Den Stamm einer Mooreiche entdeckte der Korbacher Künstler und pensionierte Mediziner bei einer Kiesgrube an der Elbe. Hunderte Jahre lang hatte das Holz dort luftdicht abgeschlossen unter Sand und Schlamm geruht, dadurch nahm die Eiche eine tief dunkle Farbe an. Insgesamt neun verschiedene Holzarten hat Dönitz für die 17 Skulpturen verwendet, die nun in einer Ausstellung im Bürgerhaus zusammen mit 29 Aquarellen zu sehen sind. „Ich halte immer die Augen offen, ob ich interessantes Holz finde“, sagt Dönitz. Häufig wird er bei Spaziergängen oder in Gärten von Bekannten fündig. Mittlerweile machen ihn auch Freunde auf besondere Stücke aufmerksam. Im Holzlager des Künstlers finden sich neben Wildkirsche, Birnbaum oder Pflaume auch mehr als 300 Jahre alte Eichenbalken aus dem Glockenturm der Kilianskirche, die Zimmerleute bei der Sanierung ausgetauscht hatten. „Erst kommt das Holz, dann die Idee und die wird bei der Arbeit immer wieder verändert“, erklärt Dönitz seine Arbeitsweise. Er lässt sich von den natürlich gewachsenen Linien und Texturen des Holzes inspirieren und lässt sie Teil seiner dreidimensionalen Objekte werden. Aus einem gefällten Wildkirschenstamm, der jahrelang unbeachtet bei Köln an einem Wegesrand lag, entstand so ein Ensemble aus drei Skulpturen: Es zeigt drei Frauen auf der Flucht, darunter eine Mutter, die ihr kleines Kind trägt. Dönitz hat darin die eigene Geschichte verarbeitet: Seine Mutter musste 1945 mit ihm und seinen Geschwistern aus ihrer Heimatstadt Sorau im heutigen Polen fliehen. Dönitz' Kunst können die Besucher der Ausstellung nicht nur sehen, sondern auch riechen: Sie können sich Sägespäne aus Zedernholz, die bei der Arbeit an einer Skulptur 
angefallen sind, selbst in kleine Päckchen abfüllen und mit nach Hause nehmen. Die 
ätherischen Öle des Holzes 
verströmen einen starken und herben, aber angenehmen Duft. Den zweiten Teil der Ausstellung bilden 29 Aquarelle, die in den vergangenen fünf Jahren entstanden sind – bis auf ein Bild ausschließlich Landschaftsmalerei. Die Motive hat Dönitz in Waldeck-Frankenberg entdeckt oder auf vielen „Malerreisen“: Die Bilder zeigen unter anderem Ansichten von Schloss Waldeck, dem Edersee, aber auch von Wales, Usedom und Lübeck. „Beim Malen faszinieren mich besonders die Stimmungen“, sagt Dönitz. Stimmungsvoll ist aber auch das einzige Bild, auf dem keine Landschaft zu sehen ist: „Der Sammler“ zeigt einen Oldtimer in einer schummrigen Scheune. Der Künstler selbst erläutert sein Schaffen so: „Mit Hölzern Lebensgeschichten zu erzählen, mit Aquarellfarben Landschaften, Licht, Freude aufs Papier zu bringen: an guten Tagen gelingt es mir manchmal, ohne zu suchen“, sagt Dönitz. Etliche der ausgestellten Kunstwerke sind zu kaufen, den Erlös will Manfred Dönitz zu einem Drittel an den Förderverein der Nikolaikirche spenden, der sich zum Ziel gesetzt hat, das bedeutende Bauwerk für die Korbacher zu erhalten. Ein weiteres Drittel geht an die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“. Eröffnet wird die Ausstellung „Nähe und Distanz“ im Korbacher Bürgerhaus am Sonntag, 19. April, um 11.15 Uhr. Stadtrat Bernd Kramer begrüßt die Gäste, Jörg Eicken, ehemaliger Kunstlehrer an der Alten Landesschule, übernimmt die Einführung.Zu sehen sind die Skulpturen und Aquarelle vom 19. April bis zum 9. Mai. Der Mehrzweckraum im Korbacher Bürgerhaus ist montags bis freitags von 14 bis 21 Uhr sowie samstags und sonntags von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Von Lutz Benseler

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