Korbach: Dekanin Eva Brinke-Kriebel erzählt vom Genießen der Weihnachtsbotschaft

Mehr als ein Genuss für den Augenblick

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- Korbach (resa). Es war kalt, roch nach Ochse und Esel und statt weicher Laken gab es nur Stroh: „Der Stall in Bethlehem war im Grunde ungenießbar“, sagt Eva Brinke-Kriebel. Warum gibt es zu Weihnachten aber trotzdem oder gerade deswegen viele Gründe zum Genießen, haben WLZ-FZ die Dekanin gefragt.

Es wird schmutzig gewesen sein, kalt und bei der Geburt höchst ungemütlich. Der Winterwind wird um den kargen Stall gepfiffen haben und selbst als Könige, Hirten und Engel ankamen, haben sich die frischgebackenen, erschöpften Eltern vermutlich ein weiches Bett gewünscht. „Wir verklären diese Szene im Stall in Bethlehem manchmal“, sagt Eva Brinke-Kriebel, „das war im Grunde ungenießbar.“ Und doch: Menschen vom Rande der Gesellschaft, die Tag und Nacht mit ihren Schafen auf den Weiden verbrachten, wurden plötzlich mit den Königen in den Stall gebeten. „Wenn die Hirten in diesem Moment verstanden haben, was dort geschieht, wie geliebt sie sind, dann war es für sie ein Moment zum Genießen“, sagt die Dekanin. Diese Botschaft sei bis heute ein Genuss: „Gottes Sohn kommt in die raue Wirklichkeit der Menschen“, erklärt Eva Brinke-Kriebel. Kein Prunk, kein Schmuck, kein Gold, sondern die Realität: „Wir dürfen Gottes Liebe genießen.“ An Weihnachten besonders, denn die Geschichte aus dem Stall sei Evangelium pur.

„Außerdem genieße ich die strahlenden Augen meiner Kinder am Weihnachtsabend“, sagt sie, „Momente in der Familie.“ Und zum Genuss könnten auch die Weihnachtsgottesdienste werden. „Viele Menschen gestalten diese Gottesdienste mit“, sagt sie – das gilt für Chöre, Organisten, Krippenspielkinder und die Pfarrerinnen und Pfarrer.

„Die frohe Botschaft und die Gemeinschaft treffen im Gottesdienst auf die Wirklichkeit, in der Menschen Sorgen haben und alleine sind“, sagt Eva Brinkel-Kriebel, „dass sie beides zusammenbringen, ist die Stärke unserer Gottesdienste.“ Ein Genuss, der nicht mit einem Goldrand verklärt werde, sondern der einen Blick auf das Leben erlaube, wie es sein könnte. „Unsere Gottesdienste sind mehr als ein Genuss für den Augenblick, es ist der Geschmack der Ewigkeit“, sagt die Pfarrerin. Und so lädt die Kirche die Menschen an Weihnachten zum Genießen der besonderen Art ein.

Das war nicht immer so: Im Mittelalter wurden frommen Christen Askese und Enthaltsamkeit empfohlen statt Genuss und Bequemlichkeit. Die sollten nicht von Gott ablenken, von seiner Botschaft und den Geboten, die er den Menschen mit auf den Weg gegeben hatte. „Die theologische Betrachtungsweise hat sich aber etwas geändert“, sagt Eva Brinke-Kriebel. „So wissen die Menschen heute, dass sie Gottes gute Schöpfungsgaben, wie die Musik, auch genießen dürfen. Und doch erinnern wir mit der liturgischen Farbe Lila im Advent auch daran, dass die Vorbereitung auf Weihnachten als Bußzeit gilt“, erklärt die Dekanin. Ursprünglich fasteten die Menschen. Darin liegt für die Theologin aber kein Widerspruch. „Auch heute noch lernen wir Dinge wieder neu genießen, wenn wir eine Weile darauf verzichten“, sagt die Dekanin.Zu Weihnachten sind die Menschen, wie einst die Hirten, eingeladen, in einer manchmal ungenießbaren Wirklichkeit die frohe Botschaft zu genießen.

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