Korbach: Wohnungen, Geschäfte und Bürogebäude geplant

Mehr Leben am alten Bahnhof

+
Blick von den „Waldecker Stuben“ aus auf den Korbacher Hauptbahnhof. Der Anbau links für Gastronomie ist verwaist, viele Räume in den oberen Etagen sind ungenutzt. Im Erdgeschoss ist das Reisecenter mit Information und Fahrkartenverkauf.

Korbach - H&M statt DB - Kunden hätten die Textilkette im Korbacher Hauptbahnhof sicher begrüßt. Aber H&M sagte im Vorjahr für das Gebäude ab. Dennoch laufen Investitionen rund um den Bahnhof weiter.

„Wir sind noch in der Planungsphase“, schildert Jürgen Chrupalla. In kleineren Schritten sollen ab Frühjahr 2015 möglichst Geschäfte und Wohnungen im Hauptbahnhof der Hansestadt entstehen. Insgesamt stehen dabei 500 bis 600 Quadratmeter für gewerbliche Nutzung zur Verfügung. Auch Praxen und Büros könnten im Bahnhofsgebäude geschaffen werden.

Das 102 Jahre alte Bauwerk, ehedem Symbol des Fortschritts, steht derzeit weitgehend leer. Im Reisecenter gibt es weiterhin Fahrkarten für Bahn und Bus, außerdem haben die Korbacher „Eisenbahnfreunde“ noch ihr Domizil im Hauptbahnhof. Reisecenter und Eisenbahner sollen auch in Zukunft bleiben, weitere Mieter sind erwünscht. Dafür will Chrupalla investieren.

Der Geschäftsmann aus Großenlüder bei Fulda hatte zum Jahreswechsel 2013 gemeinsam mit einem Partner den Korbacher Hauptbahnhof gekauft. Chrupalla ist überwiegend als Investor und Planer für Wohnungsbau aktiv - von Nordhessen bis in den Süden Richtung Mainz. Für den Bahnhof in Korbach standen allerdings zunächst keine Wohnungen im Blickfeld, sondern eher großer Einzelhandel, signalisiert Chrupalla.

Investieren für Geschäfte, Büros und Gestronomie

Offenbar liefen dabei auch Gespräche, um die Modekette „H&M“ ins Bahnhofsgebäude zu bringen, bestätigt Chrupalla: „Wir hätten 1500 Quadratmeter zur Verfügung stellen können“ - und die Immobilie dafür gründlich umgebaut.

Doch die Pläne für den Modefilialisten zerschlugen sich. Somit setzen Chrupalla und sein Geschäftspartner als Bahnhofsbesitzer in Korbach nunmehr auf kleinere Lösungen. Dabei soll im flachen Anbau auf der linken Seite möglichst auch „florierende Gastronomie“ künftig wieder einziehen.

„Wir sind nicht negativ gestimmt“, sagt Chrupalla. Zumal der Standort am Tor zur Fußgängerzone liege und durch jüngste Investitionen im Umfeld gewonnen habe.

In der unteren Bahnhofstraße etwa öffneten neue Geschäfte, zuletzt die Warenhausfiliale Müller. Und in direkter Verbindung zur Fußgängerzone ist der „Hanseplatz“ mit neuen Geschäften, Praxen, Wohnungen und Büros entstanden.

So zeigt sich die Straße Am Hauptbahnhof mit völlig neuem Gesicht. Statt Gewerbebrache, die über Jahre das Bild prägte, lockt das Stadtquartier Kunden in die Hansestadt.

Neubau vorm Güterbahnhof beginnt in Kürze

Die Investitionen dort sind zudem noch nicht abgeschlossen. Zwischen „Waldecker Stuben“ und dem Eingang zur Bahnhofstraße ist ein weiterer Neubau gewachsen, in dem die Lebenshilfe künftig Raum für Wohngruppen anbietet.

Auf der Straßenseite gegenüber, weiter oben vorm Güterbahnhof, sollen schon in Kürze abermals Bagger anrücken. Die Korbacher Investorengruppe ConBau möchte dort auf rund 30 Metern Länge einen dreigeschossigen Neubau verwirklichen.

Im unteren Geschoss sind sieben Garagen für die Mieter am Hanseplatz gegenüber vorgesehen. Darüber entstehen zwei Etagen mit jeweils 200 Quadratmetern Büroflächen. Drei Viertel davon sind belegt, knapp 100 Quadratmeter stehen für Büro oder Praxis noch zur Verfügung, erklärt Architekt Christoph Hesse.

Das Pflaster auf den früheren Parkplätzen ist bereits beseitigt, möglichst vorm Winter soll der Rohbau stehen. Im ersten Halbjahr 2015 soll das neue Gebäude dann fertig gestellt sein.

Wie der Neubau aussieht, das zeigt ein Modell im Architekturbüro: Die beiden oberen Etagen ragen über die Garagen hinaus, leicht geneigte und asymmetrisch zulaufende Dächer bilden ein Gegengewicht zur Gestaltung am Hanseplatz. Auch eine Dachterrasse und Begrünung an der gegliederten Fassade sind vorgesehen, erläutert Hesse. Rechts und links neben dem Gebäude sollen weitere Stellplätze entstehen. (Jörg Kleine)

Kommentare