Ehrung für Wilhelm Rohde

"Mein Ehrenamt ist Pflichterfüllung"

Auszeichnung und Dankeschön für Wilhelm Rohde (M.): Bürgermeister Matthias Stappert, Willi Tenge, Amtsgerichtsdirektor Pierre Brandenstein und Waltraud Steuber. Foto: Theresa Demski

Vöhl - Seit 50 Jahren engagiert sich Wilhelm Rohde aus Obernburg als Ehrenbeamter. Dafür bedankte sich Amtsgerichtsdirektor Pierre Brandenstein gestern Vormittag im Vöhler Rathaus. Ans Aufhören denkt Rohde noch nicht.

Ein halbes Jahrhundert im Dienst der Allgemeinheit. Wer Wilhelm Rohde nach seiner Motivation fragt, bekommt eine deutliche Antwort: „Wenn man hier geboren ist, dann ist das Pflichterfüllung“. Und die nimmt der heute 68-Jährige ernst - seit jeher. Als die Gebietsreform in den 70er Jahren die neue Großgemeinde Vöhl schuf, da standen plötzlich heimische Politiker vor seiner Tür. „Sie sagten, die Gemeinde brauche mich“, erinnert sich Rohde, „da kann man dann ja schlecht nein sagen“. Tat er auch nicht. Also ließ er sich für die SPD in die Gemeindevertretung wählen und gestaltete den Aufbau der neuen Großgemeinde mit.

„Das waren spannende Zeiten“, sagt er, „die Obernburger wussten ja nichts von den Menschen in Ederbringhausen und andersherum“. Es ging ums Kennenlernen, ums gemeinsam Gestalten und ums Rechnen. Und das lag Wilhelm Rohde besonders - schon von Berufs wegen. Ab 1964 arbeitete er bei der Kreissparkasse in Frankenberg und blieb mehr als 20 Jahre. Sein Wissen über Finanzen und Bilanzen brachte er schließlich auch in der neu gewählten Gemeindevertretung ein. Im November 1971 wurde er Gemeindevertreter, drei Jahre später in den Gemeindevorstand gewählt. 1977 kehrte er dann in die Reihen der Fraktion zurück und blieb bis 2004.

„Besonders schön war es, wenn es ums Gestalten ging“, sagt der 68-Jährige. Und diese Möglichkeit bot sich vor allem bei seinem Amt als Ortsvorsteher in Obernburg, das er von 1974 bis 1985 übernahm. In diese Zeit fielen auch die Teilnahmen an der Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“. „Das hat uns als Dorf richtig geholfen“, sagt Rohde heute. Inzwischen engagiert er sich als Ehrenbeamter im Ortsgericht Vöhl II - dabei geht es vor allem um die Wertschätzung von Immobilien. Nur eines wollte Rohde nie: „Als sie mich fragten, ob ich Bürgermeister werden wolle, da lehnte ich ab“, erzählt der Obernburger, „zu viele Abendtermine und zu viele Menschen, die es besser wissen“. So blieb mehr Zeit für seinen Einsatz bei der Industrie- und Handelskammer, den Schützen und den Taubenzüchtern.

Inzwischen lässt er es ein bisschen ruhiger angehen. „Aber Langeweile wäre schrecklich“, sagt er. Und deswegen will er die Aufgabe als Ortsgerichtsschöffe so bald auch nicht aufgeben.

Sehr zur Freude von Korbachs Amtsgerichtsdirektor Pierre Brandenstein. „Dass sich Menschen 50 Jahre ununterbrochen als Ehrenbeamte engagieren, kommt selten vor“, befand er gestern und überreichte die Ehrung des Ministerpräsidenten. Geschenk und Dankeschön hatte auch Vöhls Bürgermeister Matthias Stappert im Gepäck: „Das ist eine reife Leistung und für Menschen meines Alters schwer vorstellbar, dass sich jemand ein halbes Jahrhundert auf diese Weise engagiert.“

Wilhelm Rohde erklärte daraufhin ohne langes Zögern: „Erst Verantwortung übernehmen und sich dann wieder raus stehlen, das gehört sich doch nicht“.

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