Korbach

Melodischer Metal-Rock ohne Patina

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- Korbach (ahi). Beim Wiedersehen zum Tag der Deutschen Einheit staunen die „Axxis“-Fans nicht schlecht, als Bernhard Weiß die Bühne der Korbacher Kulturfabrik betritt. .

Denn im Gegensatz zum Vorjahr hat der Frontman doch glatt die klassische Metaller-Arbeitskleidung zu Hause gelassen und stattdessen einen dunklen Anzug aus dem Schrank geholt, mit dem sich der Kopf der Gruppe auch prompt einen Heiratsantrag einfängt. Doch als er die Bewerberin zum Akustik-Set auf die Bühne holt, da liegt das Jackett längst in der Ecke, Metal ist nun mal eine schweißtreibende Angelegenheit, diese Erfahrung muss auch besagte Jutta machen, die beim vergleichsweise gemächlichen „Kings made of Steel“ und der flotten Gipsy-Kings-Variante von „Touch the Rainbow“ das Tambourin schwingen darf, nach ausführlicher Anweisung durch den Chef natürlich.

Keyboarder Harry Oellers übernimmt beim quasi Unplugged-Teil den Bass, während Rob Shomakers an die Mandoline wechselt. Der musikalische Rollentausch beim Auftritt mit dem Guest Member aus dem Publikum gehört zu den vom Vorjahr vertrauten Elementen der Show. Allerdings hat sich das Repertoire nicht nur beim Akustik-Set verändert, denn beim Jubiläumsprogramm stehen nominell nur Titel der ersten drei Studio-Alben auf dem Programm, tatsächlich folgt auf das Drum-Solo das Instrumental „Trash in Tibet“ vom Live-Album „Access all Areas“, das die Melodic-Metaller aus Hamm auf dem Gipfel ihres frühen Ruhms eingespielt hatten. Eine Ära, die vielen Anwesenden in allerbester Erinnerung ist, entsprechend groß der Beifall, als ein sichtlich gut aufgelegter Bernhard Weiß die Konzentration auf die frühen Jahre ankündigt.

Eine Videowand im Hintergrund zeigt die Clips und jede Menge Live-Footage von einst, einschließlich den Live-Auftritt im ZDF-Magazin „Tele-Illustrierte“ mit einem Ballett-Ensemble, das sich zu „Waterdrop“ verausgabt oder verkünstelt. Zu diesen eigentlich längst ins Hinterstübchen des Gedächtnisses abgesackten Fernseherlebnissen erzählt Weiß in seiner schnoddrigen Art immer wieder heitere Anekdoten zur Bandbiografie, die sich ja mehr oder minder oft mit derjenigen der Fans kreuzt. Besonders oft wohl bei „Stay don’t leave me“, dem einstigen Stammgast bei MTV, dem unwiderstehlichen Ohrwurm, der quasi unverändert aus den Lautsprechern kommt. Ansonsten ist die musikalische Bilanz des Jubiläumskonzerts mit Stücken, die 20 Jahre und mehr auf dem Buckel haben, alles andere als museumsreif, dank frischen Arrangements und alternativen Soli von Marco Wriedt hat etwa „Face to Face“ keine Patina angesetzt, auch wenn der markante Schrei von Bernhard Weiß immer noch den Wendepunkt markiert.

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